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Fleisch eines kranken Hirsches soll in Handel gelangt sein : Fleisch-Skandal nach Jagd bei Alt Steinbeck

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Nach einer Forstamtsjagd soll das Fleisch eines kranken Hirsches in den Handel gelangt sein. Die Oberste Jagdbehörde des Landes leitete ein Disziplinarverfahren gegen den Leitenden Mitarbeiter der Landesforst ein.

svz.de von
erstellt am 17.Jun.2013 | 06:02 Uhr

Alt Steinbeck | Dieser Schuss ging wohl nach hinten los: Nach einer Forstamtsjagd bei Alt Steinbeck ist gegen einen leitenden Mitarbeiter der Landesforst MV ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Der Vorwurf: Er soll fleischhygienerechtliche und dienstrechtliche Vorschriften verletzt haben. Das Fleisch eines offenbar kranken Hirsches soll in den Handel gelangt sein.

Bei der Forstamtsjagd bei Alt Steinbeck war zuvor ein "sichtbar kranker, 2-3-jähriger Hirsch" gestreckt worden. Das Tier wies zwar laut Wildursprungsschein "gesundheitlich, bedenkliche Merkmale/Besonderheiten" auf. Die Wildbretgüteklasse wurde aber mit der besten Qualität A eingestuft.

Für den Vorsitzenden des Hegerings Renzow, Frank Wiechmann, steht beides im Widerspruch. Wildbretgüteklasse A und Lähmungserscheinungen passten nach seiner Auffassung nicht zusammen. Wiechmann kritisiert: "Nach Beendigung der Jagd ist der Hirsch (...) über den Wildhandel in den Verkehr gebracht worden." Der Hegeringsleiter sieht die Gefahr, dass der Ruf der Jägerschaft und das Vertrauen der Verbraucher in Wildprodukte Schaden nehmen könnten. Er fragt sich: "Hört der Verbraucherschutz im Forstamt Radelübbe auf?"

Wiechmanns Kritik scheint nicht unbegründet zu sein. Wie eine Sprecherin des Landkreises erklärt, sei gegen eine Vorschrift des Lebensmittelrechts der Europäischen Union verstoßen worden. Im vorliegenden Fall seien Organe - wie beispielsweise Herz, Leber, Milz - nicht zur weiteren fleischhygienerechtlichen Untersuchung beigefügt worden. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Wildbret in den Handel gekommen sei. Um Vorfälle ähnlicher Art für die Zukunft auszuschließen, könne der Landkreis Zwangsgelder androhen und verhängen. Sie können im mittleren dreistelligen Bereich liegen (ca. 500 Euro). Das Verfahren sei im vorliegenden Fall noch nicht abgeschlossen.

Der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes, Renee Pollak, fordert eine schonungslose Aufklärung. "Wir verurteilen, wenn offenbar krank deklariertes Wild in den Handel kommt. Man darf es nicht ver tuschen und schon gar nicht tolerieren", sagt Pollack. Er ist um Schadensbegrenzung bemüht, spricht von einem bedauerlichen Einzelfall und warnt vor einer Vorverurteilung. "Das Wildbret ist nach wie vor eines der hochwertigsten Lebensmittel", macht Renee Pollak klar.

Die Oberste Jagdbehörde des Landes nimmt die Sache Ernst. Aus einem Behördenschreiben, das der SVZ vorliegt, geht hervor: Der Verdacht der Verletzung fleischhygienerechtlicher und dienstrechtlicher Vorschriften durch den Mitarbeiter der Landesforst habe sich erhärtet. Es seien auch ordnungsrechtliche Schritte gegen den Mann veranlasst worden.

Das Ministerium für Verbraucherschutz und Landwirtschaft bestätigt: "Die Landesforstanstalt als zuständige Disziplinarbehörde hat gegen den Mitarbeiter ein Disziplinarverfahren eingeleitet." Offenbar handelt es sich um einen Einzelfall. "Im Landwirtschaftsministerium ist kein ähnlich gelagerter Fall bekannt", teilte eine Sprecherin mit. Für eine Stellungnahme war der Leitende Mitarbeiter in der Landesforst in den ver gangenen Tagen telefonisch nicht erreichbar.

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