Neu Dragun : Flechtkunst auf dem Lande

Renate Derstappen zeigt das Flechten mit mehreren Zweigen gleichzeitig.  Fotos: Patricia Lösche
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Renate Derstappen zeigt das Flechten mit mehreren Zweigen gleichzeitig. Fotos: Patricia Lösche

Renate Derstappen gab Interessierten einen Einblick in die Kunst des Korbflechtens

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12. April 2015, 23:27 Uhr

Kimme, Spleißen, Slewing, Fitzen – alles klar? Neues Jägerlatein vielleicht? Nein, die Rede ist von Korbflechterei. „Man bekommt Achtung vor dem Handwerk, wenn man es selber macht“, findet Ina Müller aus Dümmer, die schon das zweite Mal gekommen ist, um sich von Renate Derstappen in Neu Dragun in die Kunst des Korbflechtens einweisen zu lassen. Zusammen mit ihrer Tochter und weiteren Teilnehmerinnen.

„Es sind nur selten Männer dabei“, sagt die Kursleiterin, die regelmäßig über die Volkshochschule Gadebusch einige wenige Kurse anbietet. Früher war das Flechten von Körben durchaus Männerhandwerk, vor allem das Flechten großer Kiepen und Wannen.

Es ist nicht einfach, beim Flechten mit mehreren Weidenzweigen gleichzeitig den Überblick zu behalten, damit am Ende ein gleichmäßiges Flechtwerk entsteht. Konzentriert verfolgen die Kursteilnehmerinnen die Bewegungen von Renate Derstappen. Vor ihr steht der Musterkorb. „Jeder Korb ist einzigartig, keiner wie der andere“, sagt Derstappen. „Am Anfang macht jeder Korb mit einem, was er will, man muss ihn erst einmal bändigen.“ Und manchmal misslingt die Arbeit einfach, auch das kommt vor.

Renate Derstappen ist Autodidaktin in einem Beruf, von dem in Deutschland nur noch wenige leben können. Seit 1988 beschäftigt sie sich mit der Korbflechterei. „Es war ein langer Weg von Versuch und Irrtum“, erinnert sie sich. Zahlreiche Fortbildungen kamen im Laufe der Jahre dazu, zu den Körben gesellten sich Flechtobjekte und Skulpturen aus den verschiedensten Materialien und Materialkombinationen. Meistens jedoch aus Weide, ihrem Lieblingsmaterial. „Früher habe ich auch selbst Weide geerntet, aber das ist sehr aufwändig.“ Vor allem einjährige Weidentriebe sind elastisch genug, sich in Körbe und anderes Flechtwerk zu verwandeln. In Längen bis zu zwei Metern und in verschiedenen Stärken kommen sie als Plantagenware getrocknet in den Handel, geschält oder ungeschält. „Früher wurde geschälte Weide für die feineren Körbe verwendet, ungeschälte für Arbeitskörbe“, erläutert Derstappen. Heute weiß man den Reiz des rustikalen Rindenlooks zu schätzen.

Vor der Verarbeitung muss die Weide eingeweicht werden, um sie wieder geschmeidig zu machen. Bis zu drei Wochen die ungeschälte Weide, nur etwa zwei Stunden die geschälte. „Frische Zweige sind ungeeignet, sie sind zu feucht“, so die Flechtkünstlerin, „und beim Trocknen würde der Korb dann instabil.

Die Räume ihres Flechtateliers in der alten Treppenfabrik bieten genug Platz für Wannen und Weidenbündel in unterschiedlichen Braun- und Grünschattierungen, die hier in malerischem Ambiente auf ihre Verarbeitung warten. Auch für die kleinen Körbe, die unter den Händen der sieben Frauen entstehen, kommen verschiedene Farben zum Einsatz. Und als besondere Schwierigkeit werden in den Rand zwei Griffe eingearbeitet.

Angelika Richter aus Vietlübbe mag den Materialmix und arbeitet kleine selbstgetöpferte Objekte in das Randgeflecht ein. „Das macht den Korb noch individueller, finde ich.“ Renate Derstappen unterstützt, wann immer die Arbeit irgendwo ins Stocken kommt. „Schade, dass so etwas in der Schule nicht mehr gemacht wird“, findet Ina Müller und freut sich, dass Tochter Charlotte (16) sich auch dieses Mal zum Mitmachen hat überreden lassen.  

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