Projekt : Fischerei-Erlebniswelt in Wismar

Wenn alles klappt, ist die „Marlen“ in fünf Jahren wieder auf Vordermann. Zurzeit wird mit den Spanten das Gerippe des Kutters in mühevoller Kleinarbeit saniert. Einmal fertig, soll der letzte Wismarer 17-Meter-Fischkutter gemeinsam mit der „Wissemara“ und der „Atalanta“ die Wismarer Traditionsflotte bilden. Fotos: Holger Glaner (3)
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Wenn alles klappt, ist die „Marlen“ in fünf Jahren wieder auf Vordermann. Zurzeit wird mit den Spanten das Gerippe des Kutters in mühevoller Kleinarbeit saniert. Einmal fertig, soll der letzte Wismarer 17-Meter-Fischkutter gemeinsam mit der „Wissemara“ und der „Atalanta“ die Wismarer Traditionsflotte bilden. Fotos: Holger Glaner (3)

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Ostseefischerei stehen im Mittelpunkt des Projekts „Fischerkoppel Wismar“

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13. Januar 2016, 23:59 Uhr

Heute ist für Thomas Holtz ein besonderer Tag. Vor genau einem Jahr wurde die „Marlen“ aus dem Wasser geholt und in Höhe der ehemaligen Werfthallen im Wismarer Westhafen an Land gesetzt. Unter der Anleitung des erfahrenen Bootsbauers wird der letzte Wismarer 17-Meter-Fischkutter seitdem mühevoll saniert und soll nicht nur die Flotte der beiden Traditionsschiffe „Wissemara“ und „Atalanta“ verstärken, sondern darüber hinaus Mittelpunkt der Fischerei-Erlebniswelt „Fischerkoppel Wismar“ rund um den Wismarer Hafen werden.

„Vorstellbar ist ein Rundweg vom Fischerturm bis zum Baumhaus in der Hafenspitze, perfekt für maritime Stadtführungen. Vielleicht lässt sich auch das Technische Landesmuseum in das Projekt einbinden“, sagt Wismars erster stellvertretender Bürgermeister Michael Berkhahn. Doch zuallererst hat der Förderverein „Marlen“ e.V. neben der Agentur für Arbeit, die 20 Langzeitarbeitslose in das Projekt vermittelt hat, die Hochschule Wismar sprichwörtlich mit ins Boot geholt. Eine Gruppe von zehn Innenarchitektur-Studenten soll unter Leitung von Prof. Dipl.-Ing. Michael Rudnik ausloten, was man aus dem Kutter und der Wismarer Fischerei-Thematik grundsätzlich machen könne. „Wir wollen in diesem Zusammenhang auch die Zukunftsperspektiven des Berufsstandes erforschen. Die Projektideen der derzeitigen Vorstudien reichen von Aquakultur in der Wismarbucht bis zu einer projektbezogen arbeitenden Bildungseinrichtung“, so Rudnik. Vorgestellt werden die ersten Ergebnisse schon in zwei Wochen. Damit es nicht bei der Präsentation bleibt, gab es gestern Unterstützung aus Schwerin. Birgit Hesse hatte sich angesagt und einen Fördermittelbescheid für das Projekt „Fischerkoppel Wismar – Ankerplatz für Visionen und Historie“ in Höhe von 8200 Euro im Gepäck. „Hätte ich gewusst, was hier entstehen soll, hätte ich gern eine Null mehr auf den Fördermittelbescheid geschrieben“, sagte die Arbeits- und Sozialministerin überrascht.

Denn es geht um mehr als nur die „Marlen“. „Es geht darum, einen aussterbenden Berufsstand ins Bewusstsein zu rücken und auf Probleme der Fischerei von heute und in der Zukunft aufmerksam zu machen“, sagt die 2. Vereinsvorsitzende Irmtraud Rakow. „Wir wollen die Geschichte der Fischerei in Wismar erklären und das Ganze ins Gesamtprojekt des Hafens integrieren. Seehafen auf der einen, die Werft auf der anderen Seite und in der Mitte die Fischerei. Das bringt die Stadt touristisch weiter“, ergänzt Michael Berkhahn.

Thomas Holtz hingegen plagen derzeit ganz andere, alltagsnahe Sorgen. Zwar gehen die Arbeiten an der „Marlen“ voran. Doch bereits im Dezember dieses Jahres könnte dem Bootsbauer das Personal ausgehen. Denn die mit der Sanierung beschäftigten Langzeitarbeitslosen scheiden dann aus dem Projekt aus. Neue Arbeitslose müssen dann zeitraubend neu eingearbeitet werden. „Gemeinsam mit der Agentur für Arbeit suchen wir derzeit eine Lösung für das Problem. Doch heute wird erst einmal gefeiert.“ Und wenn alles gut geht, könnte die „Marlen“ spätestens im Jahr 2020 wieder saniert auf der Ostsee unterwegs sein.

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