in Wismar am Haken : Fischerboot für immer an Land

Trotz der Enge im Hof der Fischerhütten gestaltete sich die Kranaktion zügig und unkompliziert.
Trotz der Enge im Hof der Fischerhütten gestaltete sich die Kranaktion zügig und unkompliziert.

Ein historisches Arbeitsboot der Wismarer Fischer wird in einem Museum bei Ribnitz-Damgarten zum Schauobjekt

svz.de von
09. März 2016, 21:00 Uhr

Motorendröhnen auf dem Hof der Fischerhütten am Wismarer Alten Hafen. Der Mobilkran „Herkules“ vom Sportbootservice Westhafen hat bereits ein betagtes Fischerei-Arbeitsboot an den Haken genommen. Viel Bewegungsfreiheit hat Hafenmeister Andre Conrad dabei nicht, um das etwa sieben Meter lange Holzboot auf einen bereitstehenden Hänger abzusetzen. Doch mit Geschick und helfenden Händen an den Halteleinen, die das dreiviertel Tonnen schwere Boot mitdirigieren, ist die Aktion recht schnell beendet. Den Rest des vorbereitenden Transportes übernimmt ein zweiköpfiges Team. Es sind Mitglieder des „Vereins der Freunde und Förderer des technischen Museums Flugplatz Pütnitz e.V.“ oder kurz Technikverein Pütnitz bei Ribnitz-Damgarten.

Denn dorthin, etwa 100 Kilometer über Land, soll der Transport gehen. „Nach einer Überholung erhält das künftige Exponat einen Ehrenplatz in der maritimen Schauecke, direkt an einer der beiden museumseigenen Slipanlagen“, so die Information von Jörg Thiede. Denn das großzügig gestaltete Gelände des Vereins, der seit 2001 existiert und früher ein Militärflugplatz war, liegt direkt am Saaler Bodden. Dort geht es vorrangig um die Aufarbeitung und den Erhalt von Fahrzeugtechnik aus den einstigen Ostblock-Staaten.

Doch auch ein maritimer Bereich entwickelt sich mehr und mehr. Dass dies auch so bleibt, dafür sorgt Vereinsmitglied Henry Martens-Rentel. Als einstiger Seesportler kümmert sich der jetzige Ruheständler um den maritimen Ausstellungsbereich. Thiede ist Wismarer, gehört seit gut zehn Jahren dem Technikverein an und organisierte zudem die Aktion mit. „Wir haben in Pütnitz mehr als 400 Exponate zu stehen und freuen uns auf ein weiteres Objekt aus der Fischereigeschichte“, so der Wismarer weiter.

Doch den ersten Kontakt stellte ein Wismarer Kfz-Meister zu den Fischern her und damit zum letzten Eigentümer des Bootes, Maik Seemann. Der hatte sich aus Zeitgründen bereits am Vortag vom einstigen Familienbesitz verabschiedet. „Als mein Vater und andere noch mit dem Boot unterwegs waren, gab es mich noch gar nicht“, konstatierte der 44-jährige Berufsfischer und Händler.

Dennoch kannte er aus Erzählungen die harte Arbeit mit dem Jahrzehnte alten Boot. Das in Klinkerbauweise aus Eichenholz gefertigte Fischereifahrzeug hatte zwar einen Dieselantrieb. Aber das war’s auch schon. „Die Netze wurden per Hand über die Bordwand eingeholt“, erinnert er sich. Für ihn ist es eine recht passable Lösung, auf diese Weise ein Stück Fischereigeschichte der Nachwelt zu überliefern. Denn im Bereich der so genannten Netzschuppen ist nur noch Platz für ein kleineres Arbeitsboot. Das soll den Wismarer Fischern auf ihrem Gelände auf jeden Fall erhalten bleiben.

Darüber hinaus ist in den drei einstigen Flugzeughallen in Pütnitz auf etwa 12  000 Quadratmetern Ausstellungsfläche weiteres überaus interessantes technisches Kulturgut zu erleben.


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