Wismarbucht : Fischer warten auf den Dorsch

Der Dorsch ist nach wie vor sehr begehrt und lässt sich in vielfältiger Weise kulinarisch veredeln. Es gibt allerdings derzeit erhebliche Qualitätsprobleme. So sind die Fänge in der östlichen Ostsee aufgrund ihrer geringen Größe derzeit nicht marktfähig.  Fotos: hans-Joachim Zeigert
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Der Dorsch ist nach wie vor sehr begehrt und lässt sich in vielfältiger Weise kulinarisch veredeln. Es gibt allerdings derzeit erhebliche Qualitätsprobleme. So sind die Fänge in der östlichen Ostsee aufgrund ihrer geringen Größe derzeit nicht marktfähig. Fotos: hans-Joachim Zeigert

Berufsfischer im Nordwesten verhalten optimistisch

svz.de von
11. November 2014, 08:00 Uhr

Der ertragslukrative Dorsch zappelt wieder vermehrt in den Netzen. „Allerdings noch nicht in der inneren Wismarbucht“, bedauert Stefan Kübart. Der Edelfisch ist leider in seinen Stellnetzen bisher noch nicht angekommen. „Weil er wohl weiter draußen bessere Lebensbedingungen vorfindet“, so seine Vermutung.

Berufsfischerkollege Martin Sager hat deshalb seinen Kutter „Seeadler“ im Poeler Hafen Timmendorf stationiert und fährt dem so genannten Brotfisch von dort entgegen. Ein Umstand, der ihm, wenn auch mit schwankenden Erträgen, deutlich mehr hilft. Ebenfalls mit Stellnetzen im Flachwasserbereich. Denn die aufwendigere Schleppnetzfischerei in tieferen Gewässern, allerdings mit mehr Ertrag, betreibt seit Außerdienststellung des letzten Wismarer 17-Meter-Kutters „Marlen“ in dieser Region niemand mehr.

Zumindest bis März darf dem Dorsch während dessen Hauptfangzeit überhaupt nachgestellt werden. „Soweit es die stürmischen und manchmal ebenso eisigen Wetterbedingungen während dieser Zeit zulassen“, betont er hinsichtlich manch unfreiwilliger Zwangspause. Die gilt dann sogar den gesamten April über als behördlich verordnet.

Das wiederum hat mit der EU-Quotenregelung zu tun, die inzwischen die Fischereiaktivitäten für das kommende Jahr gesetzlich regelt. Damit dürfen die deutschen Fischer in der westlichen Ostsee sieben Prozent weniger Dorsch fangen, aber dafür zwölf Prozent mehr Hering. Das „Silber des Meeres“ hat allerdings für die Wismarbucht eine untergeordnete Bedeutung. Die erhöhte Heringsquote sei zwar erfreulich, tangiert aber nicht den Haupterwerb in der Wismarbucht. „Es ist schön, dass wir den Hering haben, aber es ist gibt hier weder das Hauptlaichgebiet, noch ein Massenaufkommen“, konstatiert Stefan Kübart. Ähnlich sehen es seine beiden weiteren Kollegen und noch einzig aktiven Wismarer Berufsfischer.

Was den Dorsch anbetrifft, so trifft Elvira Rothe von der Fischereigenossenschaft „Wismarbucht“ dazu ein ganz klare Ansage: „Der zieht längst nicht mehr in Mengen wie einst in unsere Küstenbereiche, deshalb werden die Quoten ohnehin nicht ausgeschöpft.“ Nicht die EU-Regelungen seien es, die den Fischern Sorgen bereiten, sondern das Wegbleiben des Fisches überhaupt.

Dringendstes Anliegen sei deshalb aus ihrer Sicht, dass die derzeit festgeschriebenen 146 Fangtage im Jahr nicht weiter reduziert werden. Denn nur solange dürfen die Fischer auf See sein. „Gibt es eine weitere Senkung, kommen wir wirklich an unsere erträglichen Grenzen.“

Ein anderes Thema ist der Mitgliederschwund. „Konkret sind es nur noch 33 aktive Fischer, von denen allerdings zwölf nur noch im Nebenerwerb tätig sind“, so die Geschäftsführerin. Angelandet werde für die Genossenschaft noch in Dassow, Tarnewitz, Wismar, Timmendorf auf Poel. Zudem zählen noch Boiensdorf, Rerik und noch teilweise Warnemünde dazu.
„Aufgrund des ausbleibenden Nachwuchses erleben wir über Jahre einen erheblichen Schrumpfungsprozess im Mitgliederbestand“, erklärt sie mit Bedauern. Dennoch gelte es, mit etwas Optimismus in das neue zu Jahr blicken. „Wäre dies nicht der Fall, könnte niemand mehr diesen anstrengenden und wenig lukrativen Job ausüben“, so Rothe.

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