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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

22. November 2017 | 14:04 Uhr

Wismar : Fischer verärgert über Wilderer

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Mit den ohnehin geringen Fangerträgen summiert sich der Schaden der zerstörten Netze noch erheblich

von
erstellt am 01.Aug.2014 | 23:59 Uhr

Nur knapp fünf Meter lang ist das Arbeitsboot von Stefan Kübart. Bei günstigem Wetter genügt ihm der schnelle „Transfer“, wenn er abends gegen 20 Uhr noch einmal zu seinen Stellnetzen in die innere Wismarbucht hinausfährt. „Auch damit kann ich meine Netze kontrollieren, neu ausbringen oder auswechseln“, so der 48-jährige Berufsfischer. Damit spart er sich den Einsatz seines Kutters, ein übrigens bekanntes Fahrzeug. Denn einmal im Jahr landet er damit symbolträchtig zur Eröffnung der Wismarer Heringstage das „Silber des Meeres“ an.

Doch derzeit hält sich besagtes Anlanden und damit auch der Erlös seiner aufwendigen Arbeit, deutlich in Grenzen. Gemeint ist die Stunde der Wahrheit, wenn er früh morgens den Ertrag aus seinen Netzen birgt. „Derzeit von allem wenig“, bringt Fischer „Ede“ wie er von vielen genannt wird, kurz und knapp auf den Punkt. Leider ist nicht nur das geringe Aufkommen von Dorsch, Scholle und Co. der Grund, wenn die Netze kaum etwas an Schuppentieren hergeben.

Damit kommt er einmal mehr auf das Reizthema „Fischwilderei“ zu sprechen. Ein Problem, welches immer wieder aufkocht. Selten gelingt es, diesen Ganoven wirklich beizukommen. Die schlagen dann blitzartig, rigoros und meist im Schutze der Dunkelheit zu. Und zwar mit scharfen Werkzeugen. Fix muss es gehen, also werden die Netze oder Reusen an verschiedenen Stellen aufgeschlitzt.

„Mit den ohnehin geringen Fangerträgen summiert sich der Schaden der zerstörten Netze noch erheblich“, konstatiert er. Regelmäßige Präsenz von Behördenbooten wie denen der Wasserschutzpolizei, Zoll oder Fischereiaufsicht sorgen zwar für eine gewisse Abschreckung. Dennoch hält es diejenigen, die in krimineller Weise Arbeitsfleiß und Ertrag anderer missbrauchen, nicht von solchen Taten ab. Sie verstehen es offensichtlich immer noch ganz gut, im Schutze der Dunkelheit oder dann zu agieren, wenn sich keine Menschenseele auf dem Wasser blicken lässt.

„Es sind Menschen, die keinen Respekt vor dem ohnehin schon harten Berufsfischerleben und dem Eigentum anderer haben“, so Kübart. „Die können sich gern selbst an diesem knochenharten Job versuchen, aber das sind ganz sicher feige Weicheier die von ehrlichrer Arbeit wenig halten“, macht der Wismarer, der zudem Bootsbauer gelernt hat, aus seinem Frust keinen Hehl. Und damit dürfte er auch im Namen seiner beiden weiteren Berufsfischerkollegen sprechen. Denn die Drei sind die einzigen in Wismar, die diese Tätigkeit noch hauptamtlich ausüben. Und zwar ungeachtet der nur noch wenig attraktiven Rahmenbedingungen dieses Berufes. Zumal dennoch stetig an Arbeitsgeräten investiert werden muss.

So sind die verschiedenen Netze eines der wichtigsten „Werkzeuge“ in dieser Branche. Ihre Maschengröße ist gesetzlich vorgegeben und wird auch behördlich kontrolliert. Statt immer nur neu kaufen, ist häufig aufwendiges und mühevolles Flicken und Ausbessern angesagt. „Es bleibt die einzige Alternative gegenüber teuren Neuanschaffungen“, so Kübart. Zwar bekommt man es kaum genauso gut hin, wie in der industriellen Fertigung. Doch es ist immerhin eine Möglichkeit, etwas zu erhalten. So wie der hauptamtliche Fischerberuf ist leider auch diese über die Jahrhunderte überlieferte Fertigkeit langsam am Aussterben.


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