Wismar : Fischer klagen über Ertragsflaute

Gewicht und Qualität des Dorsches aus der westlichen Ostsee sind nach wie vor sehr gut, auch wenn er sich derzeit rar macht. Das bestätigt der Wismarer Berufsfischer Stefan Kübart.
Gewicht und Qualität des Dorsches aus der westlichen Ostsee sind nach wie vor sehr gut, auch wenn er sich derzeit rar macht. Das bestätigt der Wismarer Berufsfischer Stefan Kübart.

Der Dorsch macht sich derzeit vor Wismar rar / Ungeachtet dessen gibt es Pläne, den Fang weiter einzuschränken

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10. August 2015, 23:16 Uhr

Netze säubern ist eine zeitintensive Angelegenheit. Aber eben notwendig, um damit den nächsten Fang vorzubereiten. Für Berufsfischer wie den Wismarer Martin Saager (37) war dies in den vergangenen Tagen eine der Hauptbeschäftigungen. Denn hinaus zu seinen Stellnetzen konnte er in der vergangenen Woche kaum. Inzwischen macht er gegen 3 Uhr früh wieder die Leinen los und fährt in Richtung innere Wismarbucht. Aber meist ist er früher als sonst zurück, denn viel ist nicht in den Netzen, einige Schollen, jede Menge Krebse und angespülter Schlick mit Seetang und anderem Zeug vermischt. Die Erlöse decken kaum die Betriebskosten.

Dass sich der Dorsch als ertragreichster Fisch im Hochsommer rar macht, ist bekannt. Leider wollen sich auch Aal und Co. nicht so recht zeigen. „Die Situation ist mehr als unbefriedigend, zumal es weitere Pausen wegen des Wetters zu geben scheint“, erklärt er die prekäre Situation. Dann kommen beim jüngsten der drei ansässigen Wismarer Berufsfischer einmal mehr Existenzängste auf. Vor allem weil in Brüssel schon wieder an der Fangquotenschraube für diesen an sich lukrativen Edelfisch gedreht wird.

„Die Sorgen sind absolut berechtigt“, bestätigt Elvira Rothe (59), Geschäftsführerin der Fischereigenossenschaft Wismarbucht. „Was auch immer Experten auf wissenschaftlicher Basis fordern und prognostizieren, wir konnten die Vorjahresquoten für den Dorsch in unserem Bereich nicht mal ganz abfischen.“ Zum einen konnten kleine Boote wegen des schlechten Wetters häufig nicht auslaufen. Zum anderen drang der so genannte „Brotfisch“ selbst nicht weit genug bis zur inneren Wismarbucht vor.

Ungeachtet dessen soll der Fang im kommenden Jahr erheblich eingeschränkt werden. Zumindest zielen Überlegungen aus meeresbiologisch-wissenschaftlicher Sicht darauf ab, Fangreduzierungen von bis zu 80 Prozent zu erwägen. „Ein so großer Einschnitt würde so manchen der noch wenigen Berufsfischer an die Grenzen der Existenz bringen“, fürchtet Rothe.

„Aber möglicherweise einigt man sich bei realistischer Betrachtung am Ende auf 25 bis 30 Prozent“, weiß die Frau vom Fach aus Erfahrung. Denn auch im Vorjahr sei die um 40 bis 50 Prozent geforderte Fangkürzung durch den Internationalen Rat für Meeresforschung letztendlich nicht in die Praxis umgesetzt worden.

Nun richtet sich die Hoffnung auf das weitere Zugverhalten des Dorsches, begünstigt durch eine besonders intensive Salzwassereinströmung von der Nord- in die Ostsee im Dezember vorigen Jahres. Die könnte Dank einer nachhaltigen Wasservermischung gerade in der westlichen Ostsee eine Verbesserung des Lebensraumes des Dorsches bewirken und damit zu einer vermehrten Ansiedlung auch an unseren Küsten führen.

Trifft dies zu, würde es bis zum kommenden Frühjahr gute Dorschfänge geben. „Dann noch eine erhebliche Reduzierung der Fangquote hinnehmen zu müssen, wäre für manchen Fischer wirklich existenzbedrohlich“, konstatiert die Geschäftsführerin. Gleichzeitig beobachtet sie die zusätzliche Dorschabfischung durch die Angler skeptisch. Dies habe bemerkenswerte Größenordnungen erreicht. Untermauert wird dies durch statistische Erhebungen des Thünen Institut für Ostseefischerei Rostock im Jahre 2013. Demnach sollen die 163  000 deutschen Angler 3  206 Tonnen Dorsch geangelt haben. Die Erträge der Berufsfischer beliefen sich auf 3  237 Tonnen.

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