Tradition in Hohen Viecheln : Fisch ist ihr Leben seit 300 Jahren

Fangfrisch auf den Tisch - so lieben es die Kunden von Fischerei-Meister Tobias Prignitz am liebsten.
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Fangfrisch auf den Tisch - so lieben es die Kunden von Fischerei-Meister Tobias Prignitz am liebsten.

Familie Prignitz hat die längste Binnenfischer-Tradition des Landes und ist weit über Mecklenburg hinaus bekannt

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27. Juni 2016, 08:00 Uhr

Am 7. Mai 1715 erhielt der Fischergeselle Jochim Hartwig Prignitz von Herzog Carl Leopold zu Mecklenburg die Fischerei im Nordteil des Schweriner Sees und der Döpe in Erbpacht. Er war als Sieger aus dem Bieterverfahren hervor gegangen. Seitdem ist der Name Prignitz untrennbar mit Süßwasserfisch aus dem Nordteil des Schweriner Sees verbunden.

„In diesem Jahr ist es ganz schlecht mit Fisch im Schweriner See. Woran das liegt, keine Ahnung. Fakt ist nur, dass der See ungewöhnlich klar ist, sechs Meter Sichtweite, das gab’s noch nie“, erzählt Tobias Prignitz mit Sorgenfalten auf der Stirn. Er betreibt bereits in 10. Generation die Erbpacht-Fischerei. Neben fangfrischem Hecht, Karpfen, Schleie, Aal, Zander, Barsch, Maräne, verschiedenen Weißfischen und Forelle bietet er die Schuppenträger auch veredelt an: geräuchert oder mariniert, in Aspik oder als Bratklops.

500 Hektar Wasserfläche im Nordteil des Schweriner Sees und zusätzlich 90 Hektar Döpe, zehn Hektar Dambecker See und noch sechs Hektar Kleekamper See werden von ihm, seinem Sohn Christopher und zwei geringfügig beschäftigten Helfern bewirtschaftet. Hinzu kommt noch der Fischimbiss und die Vermietung von Ferienwohnungen. „Anders ist das nicht zu machen. Man sieht ja, es gibt immer weniger Einzelbinnenfischer im Haupterwerb. Und mit den Preisen sind wir bereits seit etlichen Jahren stabil geblieben“, berichtet der 53-Jährige.

Für die zahlreichen Angler aus nah und fern, auch in der Region Gadebusch ist der See als hervorragendes Hechtrevier bekannt, ist der Fischer ein kompetenter Ansprechpartner. „Natürlich, wenn jemand kommt und fragt, dann gebe ich ihm die nötigen Tipps oder die Adresse von dem Angelführer aus dem Nachbarort“, erzählt er.

Ein touristischer Anlaufpunkt ist die Fischerei Prignitz auch wegen ihrer Familiengeschichte, die zur Sage geworden ist. Danach soll der Vorfahr Cordt Prignitz einst Herzog Carl Leopold das Leben gerettet haben. Aus diesem Grund ist im vergangenen Jahr ein entsprechender Stein bei der Fischerei aufgestellt, und sie als Station auf der Mecklenburger Märchen- und Sagenroute geworden.

Von Seiten der Prignitzens soll die Familiengeschichte noch viele Jahre weiter geschrieben werden, Sohn Christopher steht bereits als 11. Generation in den Startlöchern. Doch einfach wird es nicht. „Wenn ich höre, wie der WWF sagt, die Leute sollen keinen Aal mehr essen, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Wer setzt denn dann noch Aale in die Gewässer ein“, blickt der Fischerei-Meister ein wenig besorgt in die Zukunft.

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