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Spezialisten trainieren Verhalten bei vermeintlicher Geiselnahme : Filmreife SEK-Übung in Lützow

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erstellt am 23.Apr.2013 | 07:42 Uhr

Lützow | Dramatische Szenen wie beim "Tatort": Ein Mann stürmt in eine Sparkassen-Filiale und nimmt zwei Bankangestellte als Geiseln. Was für jeden ein Albtraum ist, entpuppt sich in Lützow als Übung. Für Einwohner ist das auf den ersten Blick nicht ersichtlich. "Ist hier Krieg", fragt der Fahrer eines Kleintransporters. Denn das Gelände vor der Sparkasse und dem Lützower Amtsgebäude ist abgesperrt. Hier kommt auch er nicht durch. Der Geiselnehmer fordert derweil 100 000 Euro Lösegeld und einen Fluchtwagen. Die Polizei geht davon aus, dass der Mann auch Sprengstoff bei sich hat - so das Szenario.

Das Spezialeinsatzkommando der Polizei (SEK) und eine besonders geschulte Verhandlungsgruppe des Landeskriminalamtes sind auf dem Weg zum Einsatzort Lützow. "Den Geiseln kommt jede Minute wie eine Ewigkeit vor", macht Synke Kern vom Landeskriminalamt klar. Bei den Einsatzkräften sei derweil der Adrenalinpegel sehr hoch. "Sie fühlen sich für die Geiseln verantwortlich. Das Schlimmste für sie ist, wenn Kinder als Geiseln genommen werden", verdeutlicht Kern.

Stunden sind seit dem Überfall zur Mittagszeit verstrichen. Dann sagt ein SEK-Mann per Funk: "Sie sind aus Schwerin raus. Abgabe 17.15 Uhr wird gehalten." Minuten später ist ein gepanzerter Kleintransporter in der Nähe der Sparkasse zu sehen. An Bord das Unfassbare: keine 100 000 Euro Lösegeld, sondern vier Pizzen und drei Cola für den Geiselnehmer und die Angestellten. Ein Polizist mit Splitterschutzweste und Spezialhelm bringt Pizzen und Cola flaschen Richtung Sparkasse. Er geht in die Knie, legt Essen und Getränke vor die Filiale. Als er weg ist, wagt sich der vermeintliche Geiselnehmer mit einer Angestellten an die Tür. In der rechten Hand hält er eine Pistole. Die Übergabe der Pizzen klappt.

Dass Bankangestellte nicht den Helden spielen sollen und auf die Forderungen von Geiselnehmern nach Möglichkeit eingehen sollen, wird ihnen schon in der Ausbildung beigebracht. "Geld ist ersetzbar, das Leben nicht", sagt Mario Löscher von der Sparkasse Mecklenburg-Nordwest. Er half dabei, dass die Einsatzkräfte eine direkte Telefonverbindung mit dem "Geiselnehmer" herstellen konnten und nicht in einer Service-Warteschleife landeten. In Telefongesprächen will die Polizei den Geiselnehmer von seinem Vorhaben abbringen. Nach mehrstündigen Verhandlungen gibt der Geiselnehmer am späten Abend auf. Als Motiv gab er Geldnot an, sagte Übungsleiter Lutz Müller.

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