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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

16. August 2017 | 15:06 Uhr

Wismar : Filmperlen wieder auf der Leinwand

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Der Archivverein lädt zusammen mit dem Landesfilmarchiv zur nächsten „Archivalie des Monats“ ein

Der Archivverein lädt zusammen mit dem Landesfilmarchiv am Dienstag, 14. Januar, um 19 Uhr zur nächsten „Archivalie des Monats“ ein. Dieses Mal werden einige Winterfolgen von „Wismar im Spiegel der Zeit“ gezeigt.

„Das ist ein höchst interessantes Zeitdokument“, sagt Karl-Heinz Steinbruch vom Landesfilmarchiv in Wismar. 24 dieser filmischen Monatsschauen haben zwischen 1960 und 1962 über Aktuelles aus der Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport, aber auch Kurioses und sogar Kritisches aus der Stadt und der Region berichtet. Höchst professionell mit sehr gut bezahlten Fachleuten, einem Opel Kombi als Dienstwagen und im Monat 13 000 Besuchern alleine im Wismarer Kino. „Wismar im Spiegel der Zeit lief immer vor dem Hauptfilm im Kino“, so Steinbruch. Und die Wismarer gingen gerne ins Kino in Zeiten, in denen die wenigsten einen eigenen Fernseher zu Hause hatten.

Die Filme – alle 24 so entstandenen Kurzfilme – sind etwas besonderes. Nicht nur, weil sie auf höchst professionellen Niveau entstanden sind, gedreht auf 35 Millimeter-Material und synchronisiert im DEFA-Studio. „Das haben die Leute in ihrer Freizeit gemacht, weil das DEFA-Studio einfach zu teuer war“, berichtet Steinbruch. Finanzprobleme überschatteten das DDR-weit einzigartige Projekt zur „Verbesserung der politisch-ideologischen“ Bildung. „Geplant war, dass jeden Monat eine Folge kommt.“ 1960 wurden zehn produziert, 1961 elf. Bereits in dem Jahr stand das Projekt vor dem finanziellen Aus. „Es konnte weiter gehen, weil ein Mitarbeiter im Theater abgehauen war, sein Gehalt wurde für die Produktionskosten genommen.“ Karl-Heinz Steinbruch erzählt von den Kosten für solch eine Produktion, angefangen vom Lohn der beiden Fachleute bis hin zu den Kosten für die Arbeit im Studio, das Schneiden und Kopieren. Auftraggeber war die Kreisleitung Wismar der SED, dort musste jeder Film auch „abgenommen“ werden, bevor er in die Kinos kam. Stadt, aber auch Werft und verschiedene LPG finanzierten die Filme, dafür mussten die Filmemacher sich verpflichten, monatlich aus der Werft beispielsweise zu berichten.

Neun Folgen – jeweils vom Januar, Februar und März – aus den drei Jahren werden am Dienstag, 14. Januar, im Archiv gezeigt. Es geht beispielsweise um Kurt Runau vom VEB Seehafen, der 1959 vom Verfassungsschutz in Hamburg inhaftiert wird. Oder über die LPG „Frohe Zukunft“ in Dorf Mecklenburg und ihre Tipps zur Vollmilchsparende Kälberaufzucht. Und um die „erste sozialistische Eheschließung im VEB Seehafen“. Berichtet wird vom Bau der „Fritz Heckert“ und den Einsatz von „Neptunit“ in Kabinenwänden, dazu über die schlechte Busverbindung nach „Neu Wendorf“ und den Winterschlussverkauf beim Konsum und der HO. Der Eintritt zum Filmabend kostet drei Euro zugunsten des Archivvereins.


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erstellt am 09.Jan.2014 | 12:00 Uhr

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