Abenteuer : Ferienkinder als Lokomotivführer

Sven Reiher zeigt den Kindern und Anja Lehmkuhl die Bestandteile eines Triebwagens.
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Sven Reiher zeigt den Kindern und Anja Lehmkuhl die Bestandteile eines Triebwagens.

Bei der Odeg erwarben 14 Schüler aus Bad Kleinen den Junior-Triebwagen-Führerschein

svz.de von
19. August 2016, 05:00 Uhr

Die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft, kurz Odeg, bedient u.a. die Strecke Rehna - Schwerin und dann weiter Richtung Parchim. Dort wurde sie auch 2002 gegründet und hat als größte private Eisenbahn Ostdeutschlands bis heute ihren Hauptsitz.

Tybor und Natalie, Lilly und Erik aus Bad Kleinen haben es sich nicht träumen lassen, dass sie an einem Ferientag morgens mit dem Zug nach Parchim fahren und am Nachmittag mit ihrem frisch erworbenen Junior-Triebwagenführerschein nach Hause kommen. Aber genau dieser Traum hat sich ihnen und zehn weiteren Kindern der Ferienbetreuung der Regionalen Schule am Schweriner See erfüllt.

„Ich habe vor einem Monat am Tag des offenen Hofes in Parchim den Sven Richter kennen gelernt. Er hat damals dort die Odeg mit einem Stand und einem Fahrsimulator präsentiert und ich habe ihn gefragt, ob wir die Odeg mal mit den Schülern besuchen kommen können“, erzählt Anja Lehmkuhl, Leiterin der Kita „Uns Flinkfläuter“, die in den Ferien auch die Hortkinder betreut. Prompt folgte die Einladung von Sven Reiher, der in Parchim die Aus- und Fortbildung der Odeg leitet. Und so fuhren die 14 Schüler und zwei Betreuerinnen zuerst vom Bahnhof Bad Kleinen aus mit der Deutschen Bahn AG nach Schwerin. Dort wurden sie mit dem „Taxi“ von der Odeg abgeholt. „Das Taxi war ein zweigliedriger Triebwagen der Odeg, der uns direkt aufs Gelände der Privatbahn fuhr“, berichtet Lehmkuhl.

Dort angekommen erwartete die Kinder zuerst eine Führung durch die Werkstatt, einschließlich der großen Zug-Waschanlage. Sodann gab es eine relativ kurze Einweisung und Belehrung über Verhaltensweisen, Verbote und Regeln, um dann jeden Teilnehmer mit einer orangefarbenen Warnweste auszustatten. So gerüstet ging es sofort an die Praxis, das heißt, immer zwei Kinder, gender-like immer Junge und Mädchen gemeinsam, bildeten eine Triebwagenbesatzung. Diese fuhr völlig auf sich gestellt, eine etwa vier Kilometer lange Schienenstrecke einschließlich Weichen bis zu einem Zielpunkt. Dort wurde getauscht und es ging zurück. Verbunden mit der Außenwelt, sprich den Ausbildern Sven Reiher und seinem Kollegen Uwe Schult, waren die Junior-Triebwagenführer in spe nur über eine Sprechverbindung.

„Natürlich machen wir das auch, um die Jugendlichen von der Bahn und dem Beruf des Lokführers zu begeistern und rechtzeitig in die Nachwuchsgewinnung zu gehen“, sagt Sven Reiher. Im Übrigen sei dieser Beruf auf absehbare Zeit absolut krisensicher. Sie kämen kaum mit der Ausbildung hinterher, so viele Triebwagenführer würden gebraucht. „Es gibt wohl keinen ausgebildeten Lokführer, der nicht auch als Lokführer arbeitet“, so der Ausbildungschef.

Am Ende des Kurzlehrgangs erhielt jedes Kind ein Zertifikat in Form eines Ausweises auf dem geschrieben stand, dass sie jetzt Junior-Triebwagenführer seien. Und wer weiß, vielleicht entscheidet sich ja die eine oder der andere, diesen Weg zu gehen und eine Ausbildung zu machen: Das hieße nach dem Realschulabschluss drei Jahre Lehre mit Schule in Berlin und Praxis in Parchim. Nach erfolgreichem Abschluss entfällt dann der Zusatz „Junior“ auf dem Ausweis des Triebwagenführerscheins.

Auf jeden Fall, da sind sich Lehmkuhl und Reiher einig, wird dieser Tag keine einmalige Sache gewesen sein, sondern seine Fortsetzung in der Zukunft finden.

„Gleiches gilt natürlich auch für Schüler aus Gadebusch, Rehna oder Lützow - eigentlich egal woher, sie sind uns alle Willkommen“, erklärt Reiher auf SVZ-Nachfrage. Interessierte Schulen können sich an die Odeg wenden.

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