Seminar : Feinschnitt für gesundes Obst

Korrektes Ausasten verschafft den reifenden Früchten später genug Licht.  Günther Brandt (M.) zeigt den Kurs-Teilnehmern, wie man Äste richtig beschneidet.
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Korrektes Ausasten verschafft den reifenden Früchten später genug Licht. Günther Brandt (M.) zeigt den Kurs-Teilnehmern, wie man Äste richtig beschneidet.

Der richtige Schnitt hält Obstbäume gesund und bringt reiche Ernte / In Boddin erklärte Günther Brandt, worauf zu achten ist

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25. März 2014, 00:00 Uhr

Die theoretische Einführung ist kurz gehalten. Denn Obstbaumschnitt ist vor allem eines: Praxis. Schnell geht es nach draußen. „Jeder Baum ist einzigartig“, erläutert Günther Brandt, Obstbauer seit 45 Jahren. „Art, Wuchsform, Gesundheit und Standort einerseits, die Vorstellungen des Gärtners andererseits, bestimmen wo geschnitten wird.“ Brandt regiert über eine ganze Armee von Apfelbäumen, verteilt auf den 190 Hektar der BoddinObst-Plantagen. Heute hören ihm nicht seine Mitarbeiter zu, sondern Teilnehmer eines von der Volkshochschule Nordwestmecklenburg angebotenen Seminars.
Das Wetter ist trocken und kühl. „Gute Bedingungen für den Schnitt“, sagt Brandt. Die beste Zeit dafür sind regenfreie Tage zwischen Anfang März und Mitte Mai. Im späten August folgt noch einmal ein leichtes Freischneiden, „um so den Früchten etwas mehr Licht zu verschaffen, das verbessert ihre Färbung.“ Gutes Werkzeug ist unerlässlich. „Ast- und Baumscheren sollten möglichst leicht und ebenso wie die Astsägen und Schnittmesser sehr scharf sein“, erklärt der Fachmann seine Ausrüstung.

Stumpfes Werkzeug erschwert die Arbeit und verletzt den Baum unnötig. Eine Nachbehandlung brauchen trockene, saubere Schnittflächen nicht. Vielmehr habe die Erfahrung gezeigt, dass unbehandelte Schnittflächen schneller und sauberer zuheilen.
In den ersten drei bis fünf Jahren bekommen Obstbäume ihren Erziehungschnitt. Damit wird die gewünschte Stammhöhe festgelegt, die Grundform der künftigen Baumkrone bestimmt. „Diese kleinen, braunen Stellen hier sind Baumkrebs, eine Viruserkrankung“, erklärt Günther Brandt. Daran gehe der Baum zwar nicht ein. Dennoch helfe ihm das beherzte Ausschneiden der Stellen an kräftigen Ästen, bei schwächeren Austrieben deren Entfernen. „Was ist mit Flechten und Efeu?“, fragt Hans Groß aus Lützow. Er ist dabei, seinen Baumbestand zu verjüngen. „Ich habe bislang einfach drauflos geschnitten, meistens zu viel“, gesteht er.

Diesmal soll alles richtig gemacht werden. „Efeu ist ein Konkurrent, gehört nicht an den Obstbaum, Flechten schaden dem Baum nicht, sie können bleiben. Ihre Entfernung würde die Rinde zu sehr verletzen. Das öffnet die Tür für Krankheiten“, beantwortet der Fachmann seine Frage.
Für einen guten Ertrag sollte der erwachsene Baum durch regelmäßigen, aber nicht unbedingt jährlichen Schnitt in Form und gesund gehalten werden. Gar nicht so schwer, wenn einige Grundregeln beachtet werden. Blüten und Fruchtbildung brauchen Licht. Darum sollten sich die Äste gegenseitig nicht zu sehr beschatten.

Je steiler der Zweig, desto mehr wächst er in die Höhe, je stärker die Abwinklung vom Stamm, desto mehr Blüten werden gebildet. Schräger Anschnitt (Schnittfläche oben) provoziert schrägen Austrieb im Schnittjahr, Blüten im Folgejahr, Fruchtbildung im zweiten Jahr nach Schnitt. „Häufigster Fehler“, so Brandt, „ist das Abschneiden der Triebspitzen am letztjährigen Holz.“ In diesen Spitzen sitzt die Wachstumssteuerung des Baumes. Werden sie mit sogenannten Querschnitten entfernt, verliert der Baum die Orientierung. Zu weit ausladende Äste werden besser direkt oberhalb eines Kurztriebes mit einem Schrägschnitt eingekürzt.

Ein weiterer Fehler ist der radikale Rückschnitt sogenannter Wassertriebe. Sie entstehen, wenn nach Windbruch oder übermäßigem Rückschnitt die Wurzeln zu viel Wasser in die Krone leiten. Mindestens ein Drittel des letztjährigen Austriebs sollte davon am Baum bleiben. „Daran kann er seine überschüssige Kraft abarbeiten, statt wieder neue Wassertriebe zu entwickeln. In den Folgejahren werden dann wieder jeweils zwei Drittel entfernt“, erläutert der Seminarleiter.
Zuerst zaghaft, am Ende immer mutiger, legen die Teilnehmer Hand an, entwickeln einen Blick für störende Äste und Zweige, arbeiten sich nach dem Rat Brandts vom Groben zum Feinen durch. Axel Druwe aus Grevesmühlen will seine Streuobstwiese verjüngen. „Jetzt weiß ich, wie ich vorgehen muss.“


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