Wismar : Fehlt Awo das nötige Fachpersonal?

Schon wieder Ärger: Der Integrationslotsendienstes steht erneut in der Kritik.
Schon wieder Ärger: Der Integrationslotsendienstes steht erneut in der Kritik.

Obwohl der Sozialverband offensichtlich nicht über geeignete Mitarbeiter verfügte, bewarb er sich um Integrationslotsen-Auftrag

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11. August 2015, 23:43 Uhr

Die Anforderung ist eindeutig: Die Integrationslotsen sollen eine geeignete fachliche Ausbildung, insbesondere auf den Gebieten soziale Arbeit, Erziehung und Verwaltung haben. Sie sollen migrationsspezifische Kompetenzen haben und mindestens eine Fremdsprache sprechen. So steht es im Konzept, das die Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Wismar dem Landkreis Nordwestmecklenburg vorgelegt hat. Dafür gab es 200 000 Euro (wir berichteten). Der Kreis hatte lediglich die Awo gebeten, ein Konzept vorzulegen. Andere Sozialverbände wurden gar nicht erst gefragt.

Nun gibt es wegen Zweifeln, ob die Awo überhaupt über das nötige Fachpersonal verfügt erneut Kritik am Vorgehen des Landkreises. „Es ist ja wünschenswert, dass es Fortbildungen gibt, aber diese sollten doch vor Beginn einer Tätigkeit stattfinden“, sagt Simone Oldenburg von den Linken.

Denn erst jetzt wird mit Uwe Feuersenger einer der Awo-Intetgrationslotsen auf diesem Gebiet geschult. Er wurde im Juni als Integrationslotse vorgestellt und arbeitet 25 Stunden als Lotse, die verbleibenden 15 Stunden für seinen Vollzeitvertrag ist er als technischer Leiter der Awo Wismar tätig, als Chef der Hausmeister.

Uwe Feuersenger habe einen Meisterabschluss mit Ausbildungsbefugnis, eine Fortbildung im Qualitätsmanagement in der Sozialwirtschaft absolviert und im Juni eine weitere Fortbildung des Flüchtlingsrates besucht, erklärt Awo-Geschäftsführer Matthias Koch auf SVZ-Nachfrage. Das heißt, die Arbeiterwohlfahrt hat mit der Schulung von Uwe Feuersenger just in dem Moment begonnen, als dieser seine Arbeit als Integrationslotse aufgenommen hat.

Und hier stellt sich nun andererseits die Frage, warum die Awo überhaupt ein Konzept für diese lukrative Leistung abgegeben hat, obwohl sie offensichtlich gar nicht in der Lage war, diese mit vorhandenem oder aber einzustellendem Personal abzudecken.

Matthias Koch verweist auf das Problem, Fachkräfte zu finden. „Es ist wahnsinnig schwierig, aktuell sozialpädagogisch ausgebildetes Personal zu finden“, sagt er. So habe die Awo gerade in jüngerer Zeit zwar Stellen ausgeschrieben, aber ohne Erfolg. Klassischerweise werden Sozialarbeiter im Kinder- und Jugendbereich ausgebildet. Migrationsspezifische Kenntnisse hätten nur sehr wenige.

Die Wahl sei auf Feuersenger gefallen, weil er seit 1993 und damit über 20 Jahre zahlreiche soziale Projekte geleitet hat, die sich mit arbeitslosen Jugendlichen und straffällig gewordenen Personen beschäftigten. Erfahrungen in der Migration hat er hier mit Personen aus Russland, dem Irak und Armenien gewinnen können. „Uwe Feuersenger ist eine integere Person, die die regionalen Strukturen kennt“, sagt Koch.

Noch etwas fällt aber auf: Entsprechend des Konzeptes sollte der Lotse mindestens eine Fremdsprache sprechen. Auch hier gibt es Schulungsbedarf. Uwe Feuersenger habe Grundkenntnisse in Englisch und Russisch – „beides werde derzeit aktiv geschult“, sagt Matthias Koch. Zudem hat die Awo Wismar jüngst einen Sprachmittler aus der Hansestadt für die arabische Sprache gewinnen können.

Für Simone Oldenburg Grund genug, ihre Kritik am Landkreis zu untermauern. „Es gibt einen Fachkräftemangel in diesem Bereich. Das hätte man reduzieren können, wenn es eine Ausschreibung gegeben hätte.“ Dann hätten sich auch Verbände bewerben können, die bereits über das Fachpersonal verfügen. „Das muss eine Lehre sein, sich zukünftig ans Vergaberecht zu halten.“ Der Landkreis äußerte sich gestern nicht auf Nachfrage.

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