Tierisch : Faszination Fledermaus

Auch mehrere Exemplare des Braunen Langohr verfingen sich in den Netzen. Die Handschuhe dienen der Sicherheit der Fledermäuse und der eigenen Sicherheit. Fledermäuse haben spitze Zähne und ein kräftiges Gebiss.
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Auch mehrere Exemplare des Braunen Langohr verfingen sich in den Netzen. Die Handschuhe dienen der Sicherheit der Fledermäuse und der eigenen Sicherheit. Fledermäuse haben spitze Zähne und ein kräftiges Gebiss.

Zusammen mit den Flughunden sind sie die einzigen fliegenden Säugetiere / Sie jagen mit Hilfe von Ultraschalllauten

svz.de von
19. September 2015, 00:00 Uhr

Fledermäuse sind faszinierende Tiere. Zusammen mit den Flughunden sind sie die einzigen Säugetiere, die fliegen können. Auch ihre Art, mit Hilfe von Ultraschalllauten zu jagen, ist einmalig. Die Tiere verfügen außerdem über ein breites Spektrum von Soziallauten, die auch wir Menschen hören können. Muttertiere finden so ihre Jungen auch in Höhlen mit Tausenden Tieren.

Meine Begeisterung für Fledermäuse teile ich mit vielen Menschen. In der vergangenen Woche habe ich gemeinsam mit meinem Kollegen Holger Siemer, Fledermausexperte beim NABU, in einem Waldgebiet nahe Zarrentin eine Nacht damit verbracht, Fledermäuse zu fangen und zu vermessen. In diesem Waldgebiet wurden in den vergangenen Jahren durch das Biosphärenreservatsamt mehrere alte Bunker zu Fledermausquartieren umgebaut. Das geschah mit relativ geringem Aufwand. Die Bunker mussten zunächst verschlossen, gesichert und mit Einflugöffnungen versehen werden. Dann galt es, für entsprechende Luftfeuchte zu sorgen und Versteckmöglichkeiten zu schaffen. Dazu wurden Wasserbehälter aufgestellt und mit Steinen und Blechen die Struktur der Wände fledermausfreundlich gestaltet.

Schon im ersten Winter wurden die Bunker von einigen Fledermäusen als Winterquartier angenommen. Bei der Wahl ihrer Winterquartiere sind die Tiere vorsichtig und wählerisch, schließlich geht es um ihr Überleben. Potenzielle Winterquartiere werden bereits ab Ende August gezielt angeflogen und besichtigt. Die Fledermäuse „schwärmen“ sagt man.

Durch die Fangaktion wollten wir erfahren, ob auch unsere neuen Höhlen bereits in diese Besichtigungsflüge einbezogen werden und welche Fledermausarten sich besonders für sie interessieren. Bereits um 19 Uhr begannen wir mit dem Aufbau der Netze. Aber erst gegen 22 Uhr, als uns die Kälte langsam in die Glieder kroch und erste pessimistische Gedanken aufkamen, begannen die Fledermäuse zu schwärmen. Plötzlich umflogen sie uns zu Dutzenden. Ziel ihrer Flüge waren eindeutig die Bunker. Ein hauchdünnes Netz von zehn Metern Länge und vier Meter Höhe stand vor der Einflugsöffnung. Trotzdem gelang es vielen Fledermäusen, dieses Netz zu orten und geschickt zu umfliegen. Insgesamt elf Tiere verfingen sich aber doch in dem Netz und konnten von uns bestimmt und vermessen werden. Es waren jeweils mehrere Exemplare des Braunen Langohrs, der Fransenfledermaus, der Wasserfledermaus und der Mückenfledermaus.

Im Sommer hatten wir mit dem Detektor außerdem häufig den Großen Abendsegler geortet. In dieser Nacht war er nicht dabei. Was nicht verwundert, denn der Große Abendsegler ist unsere einzige heimische Fledermausart, die nicht in Höhlen, sondern in alten Bäumen überwintert. Außerdem jagt er hoch über den Baumwipfeln und kam so gar nicht in die Nähe unserer Netze. Bis die Fledermäuse sich tatsächlich in den Winterschlaf begeben dauert es noch einige Wochen. An welchem Ort sie überwintern werden, wissen die meisten jedoch schon.

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