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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

11. Dezember 2017 | 04:58 Uhr

Gadebusch : Farbenfroher Humor auf Leinwand

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Der Künstler Feliks Büttner zwischen Kussmund der Aida und begeisterten Gymnasiasten in Gadebusch

Wer am Abend in die Aula des Gadebuscher Gymnasiums kam, hatte in etwa diese Vorstellung: International bekannter Künstler gibt sich die Ehre, erklärt seine Bilder und vor allem sich selbst. So viel zur Theorie.

Die Praxis war anders. Was Schüler, Eltern und Lehrer geboten bekamen, war eine One-Man-Show. Der Warnemünder Maler Feliks Büttner präsentierte sich als Kunst-Comedian, als einer, der einen ganzen Abend lang das Publikum zum Lachen bringt. Und ganz nebenbei wurde für die Schule ein echter Büttner geschaffen, und dann mal eben noch einer. Das war Kunstunterricht, wie er jeden Tag sein könnte.

Jeder, der schon mal eines der Aida Kreuzfahrtschiffe gesehen hat, kennt ein Bild von ihm: Der Kussmund am Bug und das wachsame Auge an der Seite, seit 1994 Markenzeichen der Reederei, sind sein Pinselstrich. Die farbenfrohen Bilder und Plakate Feliks Büttners sind weltweit bekannt, sind zweidimensionaler Humor auf Leinwand mit hohem Wiedererkennungswert. Es ist ihm egal, ob er im Atelier in seiner fast 200 Jahre alten Mühle oder vor Zuschauern malt. „Haben Sie heute Lampenfieber“, wird er von einem Schüler gefragt. Doch, natürlich, alles andere wäre doch arrogant, kommt die prompte Antwort des kleinen Mannes, der in seiner direkten, präsenten Art so groß wirkt, dass das niemand wirklich merkt.

New York, London und auf der Durchreise nach Rio – was treibt ihn in ein Gadebuscher Gymnasium? „Bin befreundet mit dem Vater einer Lehrerin. Gadebusch ist doch hübsch“, grinst der gebürtige Sachse, der früher Radrennen fuhr und seit seinem vierten Geburtstag den Pinsel kaum noch aus der Hand legte. „Ich bin total aufgeregt“, gesteht Kunstlehrerin Astrid Welke, die Büttner über ihren Vater seit ihrer Kindheit kennt. Zusammen mit Philosophielehrer Thorsten Köpp und Deutsch- und Kunstlehrerin Susanne Achsnick hat sie den Abend gestaltet. „Wir wollten“, so Köpp bei seiner Begrüßung, „zeigen, dass Schule mehr sein kann als Formeln und Naturwissenschaft.“ Man muss Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können: Dieser Satz von Friedrich Nietzsche steht deshalb als Motto über der Bühne. Büttner scheint genug Chaos in sich zu tragen für viele tanzende Sterne. Inzwischen sind seit seiner Geburt sieben Jahrzehnte verstrichen, doch die Leidenschaft für Pinsel und Farbe hat nie nachgelassen: „Ich würde mich schämen, säße ich irgendwo faul in der Ecke.“ Die Augen hinter der poppig roten Brille leuchten, die grauen Kräusellocken stehen ihm widerspenstig vom Kopf ab. Das rot karierte Hemd über den Nadelstreifen der schwarzen Hose ist schief geknöpft. Er zuckt mit den Schultern. Nicht wichtig.

„Ich bin sehr zufrieden, glücklich und irgendwie immer in Bewegung“, sagt Büttner über sich in einem ARD-Portrait, das in einem der Räume läuft. Der Mann ist authentisch. Seine offene Art kommt an bei den Jugendlichen.

Als ihm Schüler eigene Plakate, die in der Schule parallel zu Büttners Werken ausgestellt werden, vorführen und erläutern, hat er für jeden ein freundliches Wort. Seine Kritik motiviert und macht stolz, ist nie verletzend, sondern fröhlich ermunternd und zugleich ernst gemeint. „Kunst hat nichts mit Geschmack zu tun, Geschmack gehört in die Küche, das könnt ihr euch merken.“ Mit einem Lächeln im Gesicht lauscht er dem wunderschönen Gesang von Anna Wiebrandt (10. Klasse) und dem Gitarrenspiel von Frederick Wallner, die musikalisch den Abend begleiten. „Komm her, spiel ein bisschen auf deiner Gitarre, während ich male, das finde ich schön“, ermuntert er den Elftklässler und freut sich am Ende über ein Portrait und Bilder, die ihm zur Erinnerung übergeben werden.



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