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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

20. Oktober 2017 | 23:55 Uhr

Gottesgabe : Familie entdeckt seltene Exoten

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Catharina Dörfert entdeckt auf ihrem Grundstück ungewöhnliche Schneckenart. Experten sehen neue Arten auf dem Vormarsch

svz.de von
erstellt am 23.Aug.2017 | 04:45 Uhr

Was Catharina Dörfert da in ihren Händen hält, gehört eigentlich nicht hierher: eine Gefleckte Weinbergschnecke – lateinischer Name: Cornu Aspernosum. „Ich habe diese das erste Mal vor ein paar Tagen bei Aufräumarbeiten auf unserem Grundstück gefunden“, erzählt die junge Frau. Sie wohnt erst seit April mit Mann und dem knapp einjährigen Sohn in dem neu gebauten Haus. Sie habe die Schnecke fotografiert und im Internet nachgeforscht, um welche Art es sich handelt. Als sie feststellte, dass die Gefleckte Weinbergschnecke hier nicht heimisch ist, habe sie das Foto an die SVZ geschickt, berichtet Catharina Dörfert. Und einen Tag später habe ihr Mann hinter einigen Brettern noch eine weitere Schnecke dieser Art gefunden.

Für den ausgewiesenen Schnecken- und Muschel-Experten Holger Menzel-Harloff ist dieser Fund hochinteressant, aber nicht ungewöhnlich: „Mittlerweile kann man diese Art als etabliert ansehen, sprich, dass sie heimisch geworden ist“, sagt der Mollusken-Fachmann. Menzel-Harloff ist Mitglied in der Naturforschenden Gesellschaft Mecklenburg e.V. und arbeitet seit vielen Jahren an der Roten Liste mit, auf der regelmäßig neu zugewanderte Tier- (Neozoen) und Pflanzenarten (Neophyten), so genannte Neobiota aufgelistet werden. „Die Gefleckte Weinbergschnecke war 2002 dort noch nicht verzeichnet. Aber 2006 haben wir sie bereits in den Schneckenatlas MV aufgenommen“, erklärt der Spezialist, der von hause aus Biologielehrer an einer Grevesmühlener Schule ist.

Regelmäßig ist Holger Menzel-Harloff im gesamten Land unterwegs, um im Auftrag von Behörden und Planungsbüros so genannte Schnecken-Kartierungen durchzuführen. „Insofern ist der Fund in Gottesgabe schon für mich interessant. Bisher gab es nämlich nur zwei belegte Populationen in MV – in Warnemünde und in Saßnitz. In Westmecklenburg ist das der erste mir bekannte Fund“, so der Schnecken-Kenner. Er werde in jedem Fall mit der Familie in Gottesgabe Kontakt aufnehmen und die Population kartieren. „Die Neozoen sind massiv auf dem Vormarsch. Es werden aktuell jede Menge neuer Arten bei uns nachgewiesen, die hier eigentlich nicht heimisch sind“, sagt der Biologe. Die Gefleckte Weinbergschnecke stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Sie verträgt länger andauernde Temperaturen unter fünf Grad Celsius nicht. In Frankreich wird sie wie ihre große Verwandte, die Weinbergschnecke, gegessen und in großen Mengen gezüchtet.

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