Feuerwehr gadebusch : Fahrzeugschenkung an Ersthelfer

Das Ersthelfer-Fahrzeug der Feuerwehr verfügt über alle notwendigen Einrichtungen wie ein Defibrillator, der bei einem plötzlichen Herzstillstand Leben retten kann.
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Das Ersthelfer-Fahrzeug der Feuerwehr verfügt über alle notwendigen Einrichtungen wie einen Defibrillator, der bei einem plötzlichen Herzstillstand Leben retten kann.

Stadt Gadebusch billigt Aufnahme von 13 Jahre alten Fahrzeug in Bestand der Wehr

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16. Mai 2017, 04:45 Uhr

Der Startschuss erfolgte im April, mittlerweile liegen zehn Einsätze hinter den Mitgliedern der First Responder Gruppe, den Ersthelfern, der Feuerwehr Gadebusch. „In drei Fällen war das Leben von Menschen in Gefahr“, sagt Feuerwehrmitglied Arne Schlien. Er sitzt zudem als Stadtvertreter im Kommunalparlament. Dort diskutierten die Kommunalvertreter die Unterstützung der ehrenamtlichen Einsatzgruppe.

Anlass war die Schenkung eines gebrauchten Einsatzfahrzeuges. Ein Mercedes mit Komplettausstattung für den Ernstfall. 1000 Euro kostete der fahrbare Untersatz, finanziert durch Eigenmittel und Unterstützung durch den Landkreis. Ein ehemaliger Arzteinsatzwagen aus dem Jahr 2004 mit rund 240 000 Kilometern auf dem Tachometer. „Es ist schön, etwas geschenkt zu bekommen. Allerdings gibt es in diesem Fall einen Pferdefuß – das Alter und die Kilometerleistung des Fahrzeuges“, so Stadtvertreter Günter Blankenberg. Es wäre zielführender gewesen, wenn die Wehr im Vorfeld die Stadtvertretung kontaktiert hätte. Niemand wisse, was der Tüv eines Tages zu dem betagten Fahrzeug sagen wird.

Grund: Mit Annahme der Schenkung geht das Fahrzeug in den Zuständigkeitsbereich der Stadt über. Folge: Die Stadt muss die Unterhaltungskosten tragen.

Auch Stadtvertreter Wolfgang Flaegel sieht mit Übergang des Fahrzeuges die Gefahr von unüberschaubaren Kosten: „Das ist ein Altwagen. Ein Antrag zum Erwerb eines Neuwagens an die Stadt wäre in jedem Fall besser gewesen.“ Angst vor dem Verbrauch der verbauten Drei-Liter-Maschine und eine schleichende Abwanderung von Aufgaben des Rettungsdienstes an ehrenamtliche Einheiten sorgten bei Heiko Lembck und Thomas Konieczny für weitere Fragen.

Fragen, auf die die Stadt bereits vor einem Jahr Antworten hätte finden können. „Die Feuerwehr hat im Januar 2016 das Projekt Ersthelfer vorgestellt. Vorschläge zur Unterstützung gab es damals nicht“, resümiert Arne Schlien. Stattdessen investierten die Brandschützer reichlich Freizeit in die Aufarbeitung des Fahrzeuges. „Alles in Eigenregie“, so die beiden Brandschützer René Hildebrandt und Patrick Schlien. Argumente, wie eine fehlende grüne Plakette und ein erhöhter Benzinverbrauch, können aus Sicht der Wehr dem Einsatzziel des Autos nicht entgegen stehen. Weder Berlin mit Einschränkungen für Fahrzeuge mit höherem Schadstoffausstoß noch ein umfangreicher Kilometereinsatz seien für das Ersthelfer-Fahrzeug angedacht. „Wir sind in der Region Brüsewitz-Gadebusch-Rehna unterwegs“, so Schlien.

Kernaufgabe der Gruppe bleibe die Unterstützung der Rettungssanitäter, wenn deren Einsatzfahrzeug die Hilfsbedürftigen aus einsatztechnischen Gründen nicht sofort erreichen kann. „In solchen Fällen bereiten wir alles vor, damit die Ärzte umgehend handeln können“, sagt Patrick Schlien. Darüber hinaus erfolgt eine Betreuung. „Die Idee, solch eine Gruppe ins Leben zu rufen, wurde bei einem Einsatz mit Türöffnung geboren. Damals fanden wir eine hilfsbedürftige Person vor“, sagt Schlien. In solchen Fällen würde die spätere Alarmierung von Ersthelfern Zeit kosten.

Arne Schlien macht auf der Tagung deutlich: „Lehnt die Stadt die Annahme des Fahrzeuges ab, müssen wir die Ersthelfergruppe auflösen.“ Das wiederum würde bedeuten, dass mit der Gründung der First Respondergruppe fünf grundsätzlich neu gewonnene Einsatzkräfte ihr Engagement in Frage stellen könnten.

Fatale Außenwirkung, betonte Gadebuschs Bürgermeister Ulrich Howest und erinnerte an das Engagement: „15 Mitglieder der Wehr absolvierten eine Ausbildung zum Ersthelfer inklusive Prüfung.“ Mit drei Neinstimmen und einer Enthaltung billigte die Stadtvertretung die Schenkung.

Günter Blankenberg blieb bei seiner Kritik: „Es ist besser im Vorfeld zu fragen, damit wir nach einem Weg suchen können.“ Frank Speck appellierte an die Stadtvertretung, das Projekt über zwei Jahre zu verfolgen, um nach einer technisch besseren Fahrzeuglösung zu suchen.  

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