Nach Unfall mit Geisterfahrer : Fahrverbot für Senioren?

Der 83-jährige Geisterfahrer krachte frontal in diesen VW Passat einer Urlauberfamilie aus Warin.
Der 83-jährige Geisterfahrer krachte frontal in diesen VW Passat einer Urlauberfamilie aus Warin.

Nach einem Unfall mit einem 83-jährigen Geisterfahrer ist die Debatte nach einer Altersgrenze neu entflammt

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09. Juni 2015, 08:00 Uhr

Nach einem schweren Verkehrsunfall mit einem 83-jährigen Geisterfahrer auf der A19 bei Rostock wird der Ruf nach der Einführung einer Altersgrenze für Fahrzeugführer wieder lauter. So fordern Berufskraftfahrer wie Bodo Päpke aus Groß Salitz eine Initiative des Gesetzgebers. Demnach sollte eine Regelung eingeführt werden, wonach Autofahrer ab einem Alter von 75 Jahren alle zwei Jahre ihre praktischen Fähigkeiten von einem Fahrschullehrer überprüfen lassen sollten. „Ich kenne genug ältere Menschen, zu denen ich am liebsten sagen würde: Komm, lass die Karre lieber stehen“, sagt der 58-jährige Groß Salitzer.

Die Forderung nach einem Alterslimit für das Führen von Kraftfahrzeuge ruft ohnehin zahlreiche Kritiker auf den Plan. So lehnen SVZ-Leser wie der Bülower Manfred Görtz ein generelles Fahrverbot für Menschen über 80 Jahren ab. „Dieses generelle Verbot bringt genauso wenig wie ein ,Menschen-TÜV’. Man hat schließlich den Führerschein in dem Vertrauen erworben, im Laufe der Zeit immer erfahrener und ruhiger im Straßenverkehr zu werden“, sagt der 67-jährige Manfred Görtz. Er weist aber auch daraufhin, freiwillig aufs Autofahren verzichten zu wollen, wenn ein Arzt ihm das nahe lege.

Und was sagt der Bundesverband der Unfallopfer zum Thema Altersgrenze beim Führerschein? Er warnt vor einer Dramatisierung und gibt zu bedenken: „Wir werden alle älter und brauchen unseren Führerschein“, meint die Präsidentin des Bundesverbandes der Unfallopfer, Marlies Siegers. Persönlich fühle sie sich oftmals im Auto eines 75-jährigen Fahrers mit viel Routine sicherer als im Wagen eines gerade einmal 20-Jährigen.

Für Aufsehen sorgt aktuell eine Initiative der Stadt Lingen. Dort erhalten ab sofort alle Verkehrsteilnehmer ab 80 Jahren ein Jahr freie Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Stadtgebiet. Einzige Bedingung: Sie geben freiwillig ihren Führerschein ab. „Damit wollen wir vor allem die Senioren ansprechen, die selbst spüren, dass sie unsicher im Straßenverkehr geworden sind“, sagt der Lingener Oberbürgermeister Dieter Krone.

Bei dem Unfall auf der A19 bei Rostock war am Wochenende eine Urlauberfamilie aus Warin verletzt worden. Ein 83-Jähriger war dort verkehrt auf die Auffahrt Rostock Süd gefahren. Wenig später krachte der Geisterfahrer frontal in den VW Passat der Urlauberfamilie. Vier Menschen wurden verletzt.

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