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Misshandlungsfall Grevesmühlen : Experte soll Amt unter die Lupe nehmen

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Nach dem Fall einer möglichen Kindeswohlgefährdung soll ein Sachverständiger evaluieren, welche Verbesserungen im Jugendamt vorgenommen werden können

Zwei Monate nach einem möglichen Fall von Kindeswohlgefährdung in Grevesmühlen zeichnen sich erste Konsequenzen beim Landkreis Nordwestmecklenburg ab. So soll ein externer Sachverständiger in die Verwaltung des Jugendamtes geholt werden. Er solle evaluieren, welche Verbesserungen gegebenenfalls vorgenommen werden können.

Den Weg dazu machte der Kreistag in seiner jüngsten Sitzung frei. Die Abgeordneten folgten damit einem Antrag der Abgeordneten Simone Oldenburg aus der Fraktion Die Linke. „Es ist nicht ehrenrührig , dass man sich externen Sachverstand einholt, damit wir genau schauen können, welche Abläufe optimiert werden können und warum einzelne Fälle häufig von Sozialarbeiter zu Sozialarbeiter wechseln“, so Simone Oldenburg. Klar machte sie dabei auch, dass irgendetwas nicht stimme und man derzeit im Nebel stochere.

Ein anonymer Brief an die Medien hatte das Unfassbare Ende Mai dieses Jahres ans Licht gebracht: Ein dreijähriger Junge aus Grevesmühlen soll offenbar von seinem eigenen Vater misshandelt worden sein. Der Schluss liegt nahe, dass das Schreiben möglicherweise direkt aus dem Jugendamt an die Öffentlichkeit lanciert wurde. Denn er sei unterschrieben worden mit „einer besorgten Kollegin aus dem Jugendamt“, wie Landrätin Kerstin Weiss erklärte. Sie selbst habe den Brief nach mehrmaligem Nachfragen dann auf Umwegen zur Kenntnis bekommen.

Wenn es wirklich eine Mitarbeiterin des Jugendamtes gewesen sei, hätte die Landrätin darauf gesetzt, dass diese zur Fachdienstleiterin gegangen wäre. „Wenn das nicht Frage kommt, gibt es noch einen Beigeordneten, eine Landrätin, einen Personalrat und auch eine Jugendhilfeausschuss-Vorsitzende. Ich hätte mir gewünscht, dass man diesen Weg wählt, bevor man an die Öffentlichkeit geht“, so die Landrätin.

Kritik musste sich Weiss derweil vom Kreistagsmitglied Dennis Klüver (Pirat) anhören. Er warf der SPD-Frau vor, keine politische Verantwortung übernehmen zu wollen, dafür aber „Angst in der Verwaltung“ zu verbreiten und mit „personellen Konsequenzen“ zu drohen. Kerstin Weiss wies dies entschieden zurück.

In die Kritik geriet während der Kreistagssitzung auch Weiss’ Beigeordnete Karla Krüger. Der CDU-Fraktionschef Thomas Grote stellte ihre Kontroll- und Sorgfaltspflicht in Frage, wenn sie erst zehn Tage nach einem Vorfall diesen mitteile und davon erst erfahren haben will. Als Antwort bekam Fraktionschef Thomas Grote unter anderem dies von Karla Krüger zu hören: „Ob sie es glauben oder nicht, ob es ein Versprecher war oder nicht, lasse ich einfach hier offen.“ Wenig später betonte Krüger: „Es ist im zuständigen Fachausschuss unter Beteiligung des entsprechenden Jugendhilfeträgers festgestellt worden, dass der zuständige Sozialarbeiter im Fall dieses kleinen Jungen (...) genau das getan hat, was man erwarten kann.“ Es habe überhaupt keine Versäumnisse auf diesem Gebiet gegeben.

Auch ein Mitglied des Jugendhilfeausschuss sieht dies so und befürchtet inzwischen, dass der Fall der möglichen Kindeswohlgefährdung „eine nicht unwesentliche Rolle in einem internen Postenstreit spielt“.

Einen Sinn würden dann auch diese Worte Karla Krügers ergeben, „dass es heute gar niemandem mehr interessiert, wie es dem Jungen geht.“

 

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erstellt am 16.Jul.2016 | 06:25 Uhr

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