Nordwestmecklenburg : Ex-Landrat tödlich verunglückt

<p>„Große Diplomatie verfälscht immer ein bisschen die Wirklichkeit. Ich bin geradeaus, jeder weiß, woran er ist an mir“, so beschrieb sich der ehemalige Landrat Erhard Bräunig in einem SVZ-Interview. Am Freitag kam der 69-Jährige Familienvater bei einem Verkehrsunfall ums Leben.</p>
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„Große Diplomatie verfälscht immer ein bisschen die Wirklichkeit. Ich bin geradeaus, jeder weiß, woran er ist an mir“, so beschrieb sich der ehemalige Landrat Erhard Bräunig in einem SVZ-Interview. Am Freitag kam der 69-Jährige Familienvater bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

Tragischer Unfall bei Neu Degtow: Ein Autofahrer übersah Radfahrer Bräunig

svz.de von
07. August 2015, 13:30 Uhr

Der Verkehrsunfall, bei dem der ehemalige Landrat   Erhard Bräunig ums Leben kam, ereignete sich Freitag auf der B105  bei Neu Degtow. Dort war Bräunig gegen 8.20 Uhr mit seinem Fahrrad aus Richtung Wismar kommend nach Grevesmühlen unterwegs. Dann  kam ihm  ein 52-jähriger Fahrer eines Transporters entgegen, der kurz hinter Neu Degtow nach links in Richtung Hamberge abbiegen wollte. „Hierbei übersah der Transporter-Fahrer den entgegenkommenden Radfahrer, es kam zum Unfall. Der 69-jährige Radfahrer erlitt  tödliche Verletzungen“, so die Polizei. Zur Unfallaufnahme musste die B 105 bis 11 Uhr voll gesperrt werden.

Ein Diplomat wollte er nie sein

Schockierende Nachricht aus Nordwestmecklenburg: Der ehemalige Landtagsabgeordnete und Ex-Landrat  Erhard Bräunig ist Freitag Früh bei einem Verkehrsunfall nahe Grevesmühlen ums Leben gekommen. Er wäre in wenigen Monaten 70 Jahre alt geworden und hinterlässt eine Ehefrau, vier Kinder und ein Enkelkind.

Mit großer Bestürzung reagierte Sozialministerin Birgit Hesse auf die Nachricht von Erhard Bräunigs Tod: „Er war als Landtagsabgeordneter und Landrat immer eine starke Stimme für den Landkreis Nordwestmecklenburg. Auch in seiner Gemeinde Plüschow hat er als Bürgermeister deutliche Zeichen gesetzt. Meine Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei seiner Familie.“ Hesse war von 2005 bis 2008 stellvertretende Landrätin  und trat danach Bräunigs Nachfolge in Nordwestmecklenburg an.

Bestürzung herrscht auch bei langjährigen politischen Weggefährten, wie der jetzigen Landrätin Kerstin Weiss. „Er hat meinen persönlichen Werdegang stark geprägt und war mir ein großes Vorbild. Seine persönliche und unkomplizierte Art sowie sein Rat werden mir sehr fehlen“, erklärte Weiss nach Bekanntwerden des tragischen Unfalltodes.

Fassungslosigkeit herrscht auch  bei Günter Becker aus Paetrow, der mit Bräunig seit Jahren befreundet war. „Dies ist ein schwerer Verlust. Hardy war jemand, der sich auch für die Belange des kleinen Mannes einsetzte und immer ein Gehör für die Probleme anderer Menschen hatte. Mein tiefes Mitgefühl gilt in dieser schweren Stunde seiner Familie“, sagte Günter Becker.

Der SPD-Mann  Bräunig war von 1992 bis 1994 sowie von 2001 bis 2008 Landrat des ehemaligen Landkreises Grevesmühlen und späteren Landkreises Nordwestmecklenburg.  Darüber hinaus gehörte er von 1998 bis 2001 dem Landtag von Mecklenburg-Vorpommern an.

Zur Chefsache hatte er in Nordwestmecklenburg die Wirtschaftsförderung erklärt. Zusammen mit dem damaligen Wirtschaftsminister Otto Ebnet war der Politiker  ausgezogen, um Arbeitsplätze zu schaffen.   Als  nach ersten Erfolgen dann in  Dassow das größte CD- und DVD-Werk Europas pleite ging, bezeichnete Bräunig dies als Debakel. „Es war nicht zu erwarten, dass das ein so schnelles und böses Ende findet“, sagte er damals.

Als großer Diplomat  verstand sich Bräunig nie. Als Landrat beschwor er durch die Erhöhung der Kreisumlage  den  Bürgermeister-Aufstand von Rehna mit herauf. 2007 drohten Gemeindeoberhäupter offen mit Rücktritt. Rückblickend bezeichnete Bräunig dies als „normale Folge unserer Politik.“

2009 fand sich der Landrat a.D. dann selbst in den Reihen der ehrenamtlichen Bürgermeister wieder. Als  Gemeindeoberhaupt von Plüschow  schob er Investitionen in die Infrastruktur an und legte sich seinerseits mit der Führungsriege der Kreisverwaltung an.

In einem seiner letzten Interviews warnte Erhard Bräunig mit Blick auf den Erweiterungsbau der Landkreisverwaltung  in Wismar vor der Verschwendung von Steuergeldern in Millionenhöhe. Das sei ökonomischer Unsinn, sagte er.

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