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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

18. November 2017 | 05:52 Uhr

Premiere : Erste Schauschur in Klein Salitz

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Besucher der Milchschäferei erhielten einen Einblick in ein altes Handwerk

Den Wollfaden direkt nach der Schur spinnen, wenn er noch warm ist. Diese Gelegenheit nutzte am Samstag bei der Schauschur auf dem Bio-Hof der Klein Salitzer Milchschäferei eine der „Montagsspinner“, Irmtraud Biederstädt aus Lassahn. Seit rund 25 Jahren sitzt sie mittlerweile am Spinnrad. „Spinnen ist Training: für die Venen, für die Hände und für die Seele“, sagt sie lächelnd, während sich die dunkle Wolle neben ihr in einen dünnen Faden auf der Spule verwandelt. „Und die Rohwolle ist mir am liebsten, weil sie sich wegen des Fettanteils besser spinnen lässt“, stellt sie fest.

Eben trug das Schaf sein dickes Fell noch mit sich herum. Jetzt steht es dünn in einer Ecke, während Schafscherer Willi Arndt bereits das nächste vor sich auf der Bank bearbeitet. An der Rückseite des Halses beginnt der 60-Jährige, der den Beruf mit 16 Jahren erlernte. Vier bis fünf Minuten dauert eine Schafschur. Das macht an einem Arbeitstag etwa 150 Schafe.

Zu den rund 15 000 Schafen, die er so im Jahr von der dichten Wolle befreit, gehörten am Samstag auch die Tiere der Klein Salitzer Milchschäferei der Familie Andreas Richter. „Zum ersten Mal veranstalten wir diese Schauschur mit Kaffee, Kuchen und Schafgulasch für unsere Besucher“, erzählt der Landwirt, den im Jahr 2002 das Freiwillige Ökologische Jahr aus dem Erzgebirge nach Nordwestmecklenburg verschlagen hat.

An diesem Tag werden jedoch nur die Jährlinge geschoren. Die Milchschafe haben bereits im Januar ihre Sommerfrisur bekommen. Denn wenn sie erst nach dem Lammen geschoren würden, gebe es einen Milchknick.

„Mit der Wolle verdient man kein Geld“, sagt Andreas Richter, „allerdings decken die Einnahmen zumindest die Kosten des Schafscherers. Das war nicht immer so.“ Seine 130 Milchschafe liefern die Grundlage für die Käsesorten und den Joghurt des Hofes. Dazu kommen 200 Schwarzkopf Fleischschafe. Die Produkte werden über Bio-Groß- und Einzelhändler vertrieben. Ein eigener Hofladen lohnt sich nach Ansicht des Jungunternehmers nicht, da das Dorf nicht zentral genug liegt. „Für das Halten der Schafe dagegen ist es hier sehr günstig wegen der vielen Weideflächen“, sagt Richter. 

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