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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

17. Oktober 2017 | 19:14 Uhr

Gadebusch : Erneut Abzockversuche bei Firmen

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Vertreter des Unternehmens Defimed geben sich als Landkreismitarbeiter aus und versuchen Werbeverträge für Defibrillatoren zu verkaufen

svz.de von
erstellt am 03.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Manche geben scheinbar nie auf, bestes Beispiel: Defimed. Eine Gewerbetreibende aus Gadebusch (Person ist der Redaktion bekannt) meldete sich bei der Verwaltung des Landkreises Nordwestmecklenburg. Sie zeigte an, dass bei ihr ein Mann aufgekreuzt sei, der angab, im Auftrag des Landkreises Spenden für die Installation von Defibrillatoren der Berliner Firma Defimed zu sammeln. „Der wollte mit uns einen Werbevertrag abschließen. Für die Platzierung auf einer Werbetafel sollten wir drei Jahre lang alle sechs Monate jeweils 120 Euro zahlen“, berichtet der Ehemann der Firmenbetreiberin. Doch die Unternehmerfamilie war durch die Berichterstattung der SVZ vom Januar dieses Jahres vorgewarnt.

Damals war das Unternehmen Defimed mit der gleichen Masche in Rehna unterwegs, prellte einige gutgläubige Gewerbetreibende. Zum Beispiel Hans Georg Haupt. Der Betreiber der „Moordiele“ war von dem Anliegen, von Defimed, über Werbetafeln die Anschaffung von Defibrillatoren im öffentlichen Raum zu ermöglichen, positiv eingenommen. Drei Standorte waren damals im Gespräch: die Schule in Lüdersdorf und zwei Orte in der Stadt Rehna. Haupt handelte monatliche Raten bei einer Laufzeit von drei Jahren aus. Unterm Strich kamen 720 Euro Werbebeitrag zusammen. Der Vertreter legte den Vertrag zur Unterschrift vor: „24 mal 30 Euro, ich dachte das geht“, sagte Haupt damals im Gespräch mit der SVZ.

Eine Kopie ließ der Außendienstmitarbeiter nicht da. Kurz darauf kam das böse Erwachen. Zwei Rechnungen mit Beträgen von rund 487 Euro flatterten ins Haus. Anders als vereinbart. Erst auf Nachfrage habe er bei Defimed einen Vertragsdurchschlag per Fax erhalten, so Haupt. Allerdings wurde der augenscheinlich geändert: „Sämtliche Vereinbarungen wurden darauf gestrichen, handschriftlich Änderungen vorgenommen und eine weitere Kostenpauschale draufgesetzt“, so der Rehnaer.

Nicht weniger gelinkt fühlt sich Apotheker Sven Koloske. Auch er gab seine Unterschrift für eine Anzeige und Installation auf einer Werbetafel mit Defibrillator in Rehna. Er erhält eine Durchschrift. Sein Fehler: Das Kleingedruckte auf der Rückseite findet im Glauben, Gutes zu vollbringen, keine Beachtung. „Eine Vertragskündigung ist schwer möglich“, so Koloske.

Bisher sind auch keine Defibrillatoren in Rehna aufgestellt, lediglich die Werbetafel in Lüdersdorf bei einem bereits vorhandenen Gerät wurde vergrößert.

Auf jeden Fall waren und sind die Außendienstmitarbeiter von Defimed nicht im Auftrag des Landkreises unterwegs, wie Petra Rappen gestern explizit auf SVZ-Nachfrage mitteilt. „Wir haben auch sofort Anzeige bei der Polizei erstattet“, so die Sprecherin der Kreisverwaltung. Somit hat sich die Zahl der angezeigten Fälle in denen die Polizei nun seit Jahresbeginn ermittelt von 18 auf 19 erhöht.

Und Defimed? Nachdem die SVZ im Januar vergeblich versucht hat, eine Auskunft von diesem Unternehmen zu erhalten, wurde diesmal am Telefon folgende Aussage gemacht: „Wir verkaufen Werbung im Auftrag unserer Kooperationspartner, mit denen wir einen Vertrag über die Aufstellung eines Defibrillators haben. Die Sponsorenwerbung erfolgt dann nur in deren Namen“, so Mitarbeiterin Angelika Hotz.

Defimed hält scheinbar an seinen umstrittenen Geschäftspraktiken fest. Doch bei den Unternehmern der Region beißen ihre Außendienstmitarbeiter zunehmend auf Granit, wenn es um die angebliche Finanzierung einer guten Sache geht.

 

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