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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

19. November 2017 | 09:54 Uhr

Grevesmühlen : Ermittlungen nach Brom-Unfall

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Gegen einen Lehrer ist ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet worden

von
erstellt am 19.Dez.2014 | 21:15 Uhr

Der Brom-Unfall im Grevesmühlener Gymnasium wird voraussichtlich ein juristisches Nachspiel haben. So ist gegen einen Lehrer ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet worden. Entsprechende Informationen unserer Zeitung bestätigte ein Polizeisprecher auf Anfrage.

In das Zentrum der Ermittlungen ist der Mann geraten, der zum Unfallzeitpunkt Siebtklässler unterrichtete. Dabei soll eine Bromflasche auf den Boden gefallen und zerbrochen sein. Diese Unachtsamkeit wurde 30 Gymnasiasten in Grevesmühlen zum Verhängnis. Sie klagten über Übelkeit und Kopfschmerzen. Auch einige Lehrer waren betroffen. 13 Kinder mussten zur Beobachtung eine Nacht lang in zwei Krankenhäusern verbringen (SVZ berichtete). Ob gegen den Mann Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung erhoben wird, entscheidet die Staatsanwaltschaft Schwerin. Sie kann das Verfahren auch einstellen – im Fall einer geringen Schuld oder wenn ein Tatverdacht nicht gegeben ist.

Der Brom-Unfall in Grevesmühlen hatte landesweit für Aufsehen gesorgt. Auch deshalb, weil in zahlreichen Schulen das Thema Brom erst in der 9./10. statt 7. Klasse auf dem Unterrichtsplan steht. Darüber hinaus machten inzwischen Spekulationen die Runde, wonach der Lehrer das Brom von Zuhause mitgebracht haben könnte.

Die Grevesmühlener Schulleiterin Ute Debold widerspricht dem vehement. „Das Brom stammt aus unserem gesicherten Schulbestand. Der engagierte Kollege wollte außerdem nicht experimentieren, sondern demonstrieren, welchen Aggregatzustand Stoffe haben. Wir wollen anschaulichen Unterricht“, so die Grevesmühlener Schulleiterin. Nach ihren Angaben wird der Chemie-Fachraum von Januar an wieder für den Unterricht genutzt. Möglich sei dies bereits gewesen. Darauf habe man aber aus psychologischen Gründen verzichtet.

Unfälle mit Brom hat es bereits in mehreren Schulen Deutschlands gegeben. 2013 mussten zwei Chemielehrer in Hennef in ein Krankenhaus gebracht werden, nachdem sie mit Brom in Kontakt geraten waren. In Weil am Rhein erlitten 2011 insgesamt 22 Schüler, die den giftigen Dämpfen ausgesetzt waren, Reizungen. In den selben Jahren wurden zudem in Beilstein (Kreis Heilbronn) 13 Schüler und die Lehrerin nach einem Brom-Unfall vorsorglich in Krankenhäuser gebracht.

Die Brom-Unfälle lösten jeweils Großeinsätze aus. So auch im Fall von Grevesmühlen, wo Notärzte und Sanitäter, Polizei, Katastrophenschutz und Feuerwehr zum Gymnasium eilten. „Notfallplan und Sicherungskette funktionierten. Zu jeder Zeit war die Kontrolle der Situation gegeben“, so Schulleiterin Ute Debold.

Rettungskräfte empfehlen nach Brom-Unfällen unverzüglich auch die Feuerwehr wehr zu alarmieren. Denn Bromdämpfe sind giftig, können zu Atemnot, Lungenentzündung und Lungenödem führen. „Wer Brom verschüttet und erst eine Stunde später die Feuerwehr alarmiert, hat den Beruf verfehlt“, warnt ein Feuerwehrmann.

 

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