Geschichte : Erinnerungen an die Grenzöffnung

Vor 25 Jahren herrschte bei der offiziellen Grenzöffnung dichtes Gedränge auf der sanierten Rothenhusener Wakenitzbrücke. Den ersten Belastungstest hatte die Brücke bestanden. Zunächst wurde sie nur für Fußgänger und Radfahrer freigegeben.
Vor 25 Jahren herrschte bei der offiziellen Grenzöffnung dichtes Gedränge auf der sanierten Rothenhusener Wakenitzbrücke. Den ersten Belastungstest hatte die Brücke bestanden. Zunächst wurde sie nur für Fußgänger und Radfahrer freigegeben.

Am 12. April 1990 öffnete sich um 17 Uhr die Grenze bei Rothenhusen: SVZ- Autor Horst Koemme war mit Kamera und Notizblock damals dabei.

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11. April 2015, 16:00 Uhr

Vor 25 Jahren, am Gründonnerstag, dem 12. April 1990, um 17 Uhr öffnete sich die Grenze bei Rothenhusen. Wegen der innerdeutschen Grenze war die Wakenitzbrücke über 40 Jahre gesperrt. Am Tag darauf war in der Tageszeitung zu lesen: „Und wieder geht die Grenze ein bisschen mehr auf. Jubel, Freudentränen und ein Gedränge, dass zeitweise nichts mehr ging – Tausende passieren den neuen Grenzübergang Rothenhusen/Utecht. Die Grenzöffnung wurde Hüben und Drüben volksartig gegangen.“

Bereits am Heiligabend, dem 24. Dezember 1989, kam es zu den ersten Kontakten mit den kommunalen Vertretern aus Groß Sarau und Utecht. Dabei wurde das gemeinsame Vorgehen zur Grenzöffnung besprochen. Am 27. Dezember 1989 demonstrierten mehr als 200 Bürgerinnen und Bürger aus den beiden Gemeinden in Utecht und auf der Wakenitzbrücke mit dem Ruf „Tor auf“. Zu einer gemeinsamen Sitzung am 13. Januar 1990 im Gemeindehaus Groß Sarau trafen sich der Rat der Gemeinde Utecht und der Gemeinderat von Groß Sarau.

Eine Bürgerversammlung fand fünf Tage später im Kulturhaus Utecht statt. Dabei überbrachte der Rat des Kreises Gadebusch die negative Nachricht, dass keine finanziellen Mittel für die Öffnung des Grenzüberganges Wakenitzbrücke zur Verfügung stünden. Um die Grenzöffnung nicht noch weiter hinauszuschieben, gab die lauenburgische Gemeinde Groß Sarau die Zusage, finanzielle Mittel bis 50  000 D-Mark bereitzustellen, damit umgehend mit den Vorbereitungen zur Grenzöffnung begonnen werden konnte.

Am 10. Februar 1990 machten sich zwanzig Bürger an die Arbeit, die alte Trasse zwischen Wakenitzbrücke und Utecht vom Buschwildwuchs zu befreien und das Holz abzufahren. Für die Aktion spendete der Unternehmer Karl Penzien aus Groß Grönau drei Motorsägen. Der Kies für die Tiefbauarbeiten wurde von der LPG Molzahn gespendet. Auch an den Wochenenden und nach Feierabend leisteten Utechter Bürger freiwillig Arbeiten an der Zuwegung.

Nach Entscheidung über die Öffnung durch den DDR-Ministerrat, beauftragte der Kreis Herzogtum Lauenburg sofort Mitte März 1990 die Firma Berndt aus Ratzeburg mit der Sanierung der Brücke; denn der Zahn der Zeit hatte die im Jahre 1927 erbaute Brücke arg zugesetzt. Die stolze Geldsumme von 100  000 D-Mark war erforderlich, um die Sanierung der Wakenitzbrücke pünktlich zum Osterfest 1990 zu ermöglichen.

Anfangs durfte die neue Wegeverbindung zwischen Rothenhusen und Utecht nur von Fußgängern und Radfahrern benutzt werden. Später wurde sie auch für Kraftfahrzeuge freigegeben. Nach der Grenzöffnung kam es immer wieder aus Sicherungsgründen zur Sperrung der maroden Wakenitzbrücke. Die Tragfähigkeit wurde von sechs Tonnen auf drei Tonnen herabgesetzt. Die letzte lange Vollsperrung erfolgte wegen Neubau der zweispurigen Wakenitzbrücke vom 4. August 2008 bis zur Einweihung an 3. April 2009 und danach noch einmal wegen des Baues des Otterntunnels. Mit viel Geduld und finanziellen Opfern wegen der großen Umwege haben die Anlieger nach rund 20 Jahren nach der Grenzöffnung auch diese Unannehmlichkeiten überwunden.
 

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