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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

16. Dezember 2017 | 00:48 Uhr

Kunstaktion : Erinnerung an tote Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Wismarer Studentin holte die politische Kunstaktion in die Hansestadt / Kreuze und Gräber für die Flüchtlinge, die an der Grenze sterben

Zwölf symbolische Gräber hat die Studentin Britta Fust in Wismar angelegt. Um so auf die Flüchtlinge, die täglich an den Grenzen Europas sterben, aufmerksam zu machen. Ein Kunstprojekt im Rahmen des zehnten Jubiläums ihrer Jahresausstellung „DIA“ der Fakultät Gestaltung der Hochschule Wismar, die gestern eröffnet wurde und noch bis morgen zu sehen ist. Ein Kunstprojekt, und noch viel mehr. Der Versuch, namenlosen Toten etwas Menschenwürde zurückzugeben.

„Für das Thema muss ein Bewusstsein geschaffen werden“, sagt eben diese junge Frau. Britta Fust ist 34 Jahre alt und studiert im 2. Semester Kommunikationsdesign und Medien an der Wismarer Hochschule. Sie hat vorher internationales Management studiert, hat in Aachen, am Bodensee und im Ruhrgebiet gelebt, bevor sie nun wieder ins heimatliche Wismar kam.

Die Kunstaktion, die sie sonst nur aus anderen Großstädten kennt, hat sie nach Wismar geholt. Für eine Nacht. In der Dunkelheit hat sie mit Freunden die symbolischen Kreuze und Grabsteine aufgestellt. Vor dem Rathaus. Am Strand, an den Mauern von St. Marien genauso wie auf dem Kreisverkehr. Mit Blumen und Teelichtern. Die meisten Kreuze haben den nächsten Morgen nicht erlebt. Entwendet, weggekehrt, eingesackt. Aus den Augen, aus dem Sinn. So wie die Menschen, für die sie standen. „Tote Flüchtlinge, die an den Küsten angespült werden, werden in der Regel anonym bestattet“, beschreibt sie. Keinen Namen, keine Zahl, keine Statistik, kein schlechtes Gewissen.

Britta Fust kann sich vorstellen, dass so ein Kreuz genau dort ansetzt. „Die EU-Außengrenzen sind ein Symbol für die vielen Menschenrechtsverletzungen auf der ganzen Welt“, so die engagierte Christin. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Gräber länger öffentlich sichtbar bleiben“, sagt sie. Andere Städte reagierten anders, zwischen Ermittlungen des Staatsschutzes und festen Plätzen, auf denen die Kreuze stehenbleiben dürfen.

In Wismar standen die meisten der Gräber nur wenige Stunden. Wer sie entfernt hat, weiß die Studentin nicht. Britta Fust hat Fotos gemacht, die nun als Installation zur Jahresausstellung DIA gezeigt werden. Und die bei der weltweiten Kampagne des „Zentrums für Politische Schönheit“ als Ideengeber für diese Grabaktion zeigen, dass auch die Wismarer sich mit dem Flüchtlingsthema auseinander setzen.

„Ich habe mich auf die Suche nach dem Menschen begeben. Dem Menschen, der in einer Stadt wie Wismar lebt, und ich habe versucht, seine Ruhe zu stören, Öffentlichkeit zu schaffen und radikal humanistische Ansätze mit der Errichtung von symbolischen Grabstätten zu vertreten. Mahnmale, die einem Wegsehen entgegen stehen sollten, wurden weggeräumt, bevor sie überhaupt eine Öffentlichkeit stören konnten.“

Aber sie ist optimistisch, will mit Freunden, Mitstudenten und anderen Aktiven ganz konkret Flüchtlingen, die in Wismar ankommen, helfen. Angefangen mit einem herzlichen „Willkommen, gut, dass du da bist!“


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