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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

25. September 2017 | 11:58 Uhr

Gadebusch : Erichs Salonwagen ist am Ziel

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Umbauarbeiten am Bahnhof von Gadebusch bis August / Holger Hempel plant das Ankoppeln einer Lokomotive

Es herrscht jene tiefe Stille der Nacht, bevor die erste Amsel den Tag begrüßt. In schweigender Prozession bewegen sich ein 100-Tonnen-Schwertransport und Menschen im Schritttempo die Bahnhofstraße entlang, kommen kurz vor dem Alten Bahnhof zum Stehen. Grelles Scheinwerferlicht erhellt das Gelände, mischt sich mit dem Gelb und Blau der Blinklichter, die den Sondertransport markieren.

Was am Freitag noch an einer fehlenden Genehmigung für den Transport des aus den späten 1960er-Jahren stammenden Salon Schlafwagens scheiterte (SVZ berichtete), wurde in den frühen Morgenstunden des Samstag doch noch Wirklichkeit: Nach Monaten der Vorbereitung steht der komplette Salonwagen des DDR-Regierungszuges nun am alten Bahnhof in Gadebusch. Die Transportkosten belaufen sich auf rund 15 000 Euro.

Von seiner Zeit als Reisequartier von DDR-Politikern wie Stoph und Honecker zeugt nur noch der weitgehend originalgetreu erhaltene Kontrollraum. Die Abteile sind mit Kindermotiven bemalt: Zuletzt dienten sie im Lokschuppen Pasewalk Kindern und Jugendlichen als Herberge. „Ich kann es noch gar nicht fassen, dass er endlich da ist“, freut sich Initiator Holger Hempel.

Abfahrt Pasewalk war Freitag, 21 Uhr, Ankunft pünktlich drei Uhr Gadebusch, wo seit dem Entladen der Drehgestelle am Vortag, ein Kran auf die neue Lieferung wartete. Ein zweiter Kran hatte nach dem Entladen der Drehgestelle abgebaut werden müssen. „Sonst wäre für den Waggon kein Durchkommen gewesen“, erklärt Kranführer Jürgen Rabe. Als der Kran wieder steht, kann um vier Uhr dreißig der erste Tragegurt am Waggon befestigt werden. Noch einmal gibt es Schwierigkeiten, weil der rot-weiße Koloss dort, wo der zweite Gurt liegen müsste, auf einem Stahlträger ruht. Um 5.07 Uhr schwebt der 24,5 Meter lange Waggon endlich in 25 Metern Höhe in Richtung Schienenstrang. Rabe: „Jeder Kran trägt 20 Tonnen. Wichtig ist, dass die Gegengewichte am Kran und die Position der Gurte an der Ladung korrekt sind. Das wird im Vorfeld geplant. Beide Kräne stehen über Funk in Verbindung.“ Unter dem Beifall der Helfer und diesmal zahlreicher erschienenen Zuschauer wird er passgenau auf den wartenden Drehgestellen abgesetzt und fixiert. Mit der Unterzeichnung des Entladeprotokolls ist die Aktion um 6.16 Uhr abgeschlossen. „Ich habe seit drei Nächten nicht geschlafen, bin glücklich und total kaputt“, sagt Station-Burgsee-Chef Holger Hempel.

Für Lkw-Fahrer Rainer Schmitz endet eine lange Schicht: „Die Ladung war ungewöhnlich, nicht ihr Transport. Knifflig war das Verlassen des Geländes in Pasewalk und Bahnübergänge wegen der Oberleitungen. Sie sind fünf Meter hoch, wir hatten genehmigte 4,47 Meter Gesamthöhe.“

Der Organisator Holger Hempel hat bereits weitere Pläne, denn neben dem Waggon ist noch ein Freiraum auf dem Schienenstrang: „Da wäre Platz genug für eine Lokomotive“, meint Hempel schmunzelnd.


 




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