Geschichte hautnah : Entdeckungstour in der Stadtkirche

Rundgang: Pastorin Ariane Baier erläutert  Gerhard Schotte (2.v.r.) , Karl Heinz Hubert (1. v.r.) und weiteren Vertretern der Stadt die historische Bausubstanz. Fotos: volker bohlmann
1 von 3
Rundgang: Pastorin Ariane Baier erläutert Gerhard Schotte (2.v.r.) , Karl Heinz Hubert (1. v.r.) und weiteren Vertretern der Stadt die historische Bausubstanz. Fotos: volker bohlmann

Förderverein erarbeitet Besucherkonzept zur Baugeschichte des nationalen Denkmals in 2014

svz.de von
27. Dezember 2013, 00:15 Uhr

Auf neuen und spannenden Wegen durch die Stadtkirche – das haben sich die Mitglieder des Fördervereins der Kirche zu Gadebusch auf die Fahnen geschrieben. An Ideen mangelt es nicht. Unter dem Dach der ältesten Hallenkirche zwischen Oder und Elbe lassen sich unzählige Spuren der Geschichte finden. Möglich wurde dies durch umfangreiche Sanierungsarbeiten. „In den zurückliegenden 20 Jahren flossen rund 3,5 Millionen Euro in die Sanierung des Backsteinbaus“, sagt Werner Sterzik, Vorsitzender des Fördervereins.

Die Stadtkirche ist bekannt als imposantes Bauwerk. Ein Schatz, der einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte, betonen Vorstand und Mitglieder des Fördervereins. Ihm gehören neben Werner Sterzik, Karl Heinz Hubert und Gerhard Schotte an.

Das Trio feilt am Konzept zur Einbindung der historischen Stätte in ein touristisches Vorhaben. Im kommenden Jahr soll es stehen. Ein Papier, an dem Stadt und Kirche hinsichtlich einer Vermarktung des Denkmals von nationaler Bedeutung gemeinsam wirken wollen. Den Titel „Denkmal von nationaler Bedeutung“ trägt die Hallenkirche seit dem Jahr 2006. Den Grundstein dafür legten Bauleute schätzungsweise vor 1200 Jahren, als sie mit der Errichtung des Backsteinbaus begannen.

Heute hat die Stadtkirche St. Jakobus und St. Dionysius einen besonderen Stellenwert auf der Landkarte historischer Bauwerke in Deutschland. Ein Ergebnis der Arbeit des Fördervereins und der Kirchgemeinde, die seit 20 Jahren die Sanierung voranbringen. „Die Hülle steht, sie wurde über Jahre gestaltet. Jetzt geht es um die Inhalte“, so das Vorstandstrio.
Neue spannende Details, die lassen sich unter dem Ziegeldach des sakralen Bauwerks entdecken. Hoch oben über der Marienkapelle führen Holzbohlenwege über das historische Gewölbe der Hallenkirche. „Gadebusch verfügt über romanische Kreuzgrat- und Kreuzrippengewölbe (Gotik). Es stellt sich heute die Frage, wie die Baumeister diese teils freitragenden Konstruktionen bewerkstelligt haben“, sagt Gerhard Schotte.

Baugeschichte beinahe zum Anfassen. „Betreten werden dürfen die Gewölbe natürlich nicht“, sagt Pastorin Ariane Baier bei einem Rundgang mit der Spitze des Fördervereins und Vertretern der Stadt Gadebusch. Der Rundgang Stadtkirche wird auf den zur Sanierung angelegten Bohlenwegen dennoch zu einer Reise in die Geschichte. Dafür reicht allein ein Blick in das Gebälk. Eichenholzbalken von bis zu 14 Metern Länge und 60 Zentimetern Seitenmaß finden sich im Dachgeschoss. „Holzbalken, die zwischen 500 und 600 Jahre alt sind und beim Umbau des Flachdaches zum Satteldach um das 14. Jahrhundert erneut zum Einsatz kamen“, so Gerhard Schotte. Holz von Eichen, die vermutlich in unmittelbarer Umgebung der Stadt Gadebusch wuchsen.

Es sind Baustoffe aus einer bewegenden Zeit. Die Kirche erhielt um 1450 die bronzenen Tauffünte mit Darstellung der Passions- und Ostergeschichte, einen Turmhelm mit Glockengeschoss (1459), die Triumphkreuzgruppe und 1549 die Reformation der Pfarrkirche St. Jacob. Nicht zuletzt das Privileg von Gadebusch, als Münzprägestadt Geschichte zu schreiben. „Der Münzmeister Bernhard Junkelingk prägte im Jahr 1549 in Gadebusch den Reformationstaler“, sagt Gerhard Schotte. Ein Auftrag des Herzogs zu Mecklenburg, Johann Albrecht I (1525 bis 1576). Der Taler zeigt das Brustbild des Herzogs mit einer lateinischen Unterschrift: „Domine ne da inimicis verbi tvi letit“. Dies bedeute sinngemäß so viel wie : „Herr gib den Feinden deines Wortes nicht den Sieg“, so Schotte. Reformatorisches Gedankengut auf einem Gadebuscher Taler – Heimatgeschichte zum Anfassen, die nicht allein im bevorstehenden Luther-Jahr 2017 für Gadebusch von Beutung ist.

Geschichte und Geschichten, die in irgendeiner Form mit dem historischen Kirchbauwerk verwoben sind. All diese Begebenheiten spannend zu erzählen, ist das Anliegen des Fördervereins. Der baut dabei gerne auf die Fachkenntnis von Pastorin Ariane Baier, die die Sanierung im Detail begleitete. „Die Kirch- und Gewölbeführung soll somit Teil der Öffentlichkeitsarbeit werden“, meint Sterzik und verweist dabei auf seit vier Monaten laufende Internetpräsenz des Fördervereins. Darüber gebuchte Führungen seien Erfolg versprechend gelaufen. So reisten Gruppen aus Sternberg und der Prignitz für einen baugeschichtlichen Rundgang an. Feste Öffnungszeiten, die gibt es für die Kirche längst nicht mehr. Durchreisende finden fast immer eine offene Tür als auch Ansprechpartner in Gadebusch.




zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen