hilferuf : Endstation am Fahrstuhl

Hier geht es abwärts, aber nicht für Aicke Hamann, denn die sanfte Tour mit dem Fahrstuhl funktioniert nicht.
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Hier geht es abwärts, aber nicht für Aicke Hamann, denn die sanfte Tour mit dem Fahrstuhl funktioniert nicht.

„Hürdenlauf“ für Rollstuhlfahrer Aicke Hamann aus Rehna: Ein defekter Aufzug sorgt für Streit im alten Postamt, wo Hamann wohnt.

svz.de von
06. Dezember 2013, 22:00 Uhr

Aicke Hamann wünscht sich nichts sehnlicheres als eine freie Fahrt mit seinem Rollstuhl. Seit einigen Tagen muss der Rehnaer allerdings einige Hürden meistern: Der Fahrstuhl in seine Mietwohnung im ehemaligen Postamt ist außer Betrieb. „Einfach stillgelegt, anstatt diesen nach einer Notreparatur wieder in Gang zu setzen“, sagt Hamann. Mittlerweile streiten sich die in Reichsdorf beheimateten Vermieter mit Hamann über einen im Rehnaer Haus ansässigen Anwalt. Es geht um die Übernahme der Verantwortung für den Schaden als auch der Reparaturkosten. Grund: Der Vermieter macht Aicke Hamann für den Defekt verantwortlich.

Ein Blick zurück: Am 20. November will Aicke Hamann um 5.30 Uhr seinen Zug nach Schwerin erreichen. Als er den Fahrstuhl nutzen will, reagiert der Aufzug nicht. Ein paar Telefonate später, tragen Freunde den Gehbehinderten die Treppe hinunter. Da er nach eigenen Angaben die Eigentümer nicht erreicht, informiert er „die Servicefirma, über eine im Fahrstuhl aufgeführte Telefonnummer“. Noch am selben Tag wird der Fahrstuhl überprüft und repariert. „Ich bin mit dem Handwerker hochgefahren. Der hat mir alles erklärt. Veränderungen an der Tür waren für mich erkennbar, das Schloss ging schlechter auf als zuvor“, sagt Hamann.

Sechs Stunden darauf heißt es erneut Treppenaufgang benutzen: „Der Aufzug wurde stillgelegt, ohne Vorabinfo“, beklagt Hamann. In einem Brief an die Vermieter moniert der Rehnaer, dass er „eingesperrt“ sei, sich „nicht versorgen kann“ und die „Lebensqualität eingeschränkt ist“. Hamann behält sich vor, die anfallenden Kosten in Rechnung zu stellen, gegebenenfalls von seinem „Recht Gebrauch zu machen, die Miete um 80 Prozent zu mindern“.

Die zugespitzte Situation ist für Hamann reine Willkür. Er sieht seinen Nachbarn, Hanno Hoffmann, in der Verantwortung: „Der hat den Aufzug einfach stillgelegt“.

Ein Vorwurf, den Hoffmann energisch zurückweist. In einem Brief an Aicke Hamann macht der Anwalt deutlich, dass er die Vermieter vertritt. Gleichzeitig ergeht die Forderung an Hamann, dass er die am 20. November erbrachte Serviceleistung in Höhe von 396,27 Euro zu tragen hat. „Es bestand zu keiner Zeit eine Notsituation. Herr Hamann hat ohne Befugnis eine Firma mit der Reparatur beauftragt“, sagt Hanno Hoffmann. Darüber hinaus habe diese Maßnahme nicht zur Betriebssicherheit beigetragen. „Der Aufzug musste stillgelegt werden, da sicherheitsrelevante Teile kaputt sind. Da dies so ist und Unfallgefahr bei Benutzung des Aufzuges droht, musste der Aufzug aus Haftungsgründen stillgelegt werden“, so Hoffmann.

Die Einschränkungen für den Rollstuhlfahrer seien bedauerlich, meint der Anwalt, aber es gebe noch weitere betroffene Mieter im Haus. Ein Gespräch im Vorfeld hätte zur Klärung des Sachverhaltes beigetragen. „Ein TÜV-Termin war längst vereinbart. Die Reparaturleistungen belaufen sich auf etwa 4800 Euro“, so Hoffmann. Darüber hinaus macht er Hamann für den „Schaden am Lift verantwortlich“. Unter anderem weise der T-Träger Verwerfungen auf, funktioniere der Türstopper nicht mehr.

Die Verantwortung für derartige Schäden will Aicke Hamann nicht übernehmen. Er wolle sich einen Rechtsbeistand nehmen, zumal er seit „einem Jahr auf die Schäden hinweist“. „Es mag sein, dass die Schäden durch Fehlbedienung entstanden sind, aber nicht durch meine Person“, sagt der Rehnaer. Ein Nachbar habe erhebliche Probleme mit der Türautomatik gehabt, stattdessen manuell eingegriffen und nicht die Ratschläge angenommen. All das sei mehr als sechs Monate her. „Trotz Hinweise hat niemand auf die Situation reagiert. Im übrigen erfolgte durch meine Person keine Auftragsvergabe. Ich habe lediglich die Reparaturfirma über die Situation informiert. Eine Servicenummer eines ortsansässigen Handwerkers ist nicht bekannt“, sagt Aicke Hamann.

Wie der Streit um die erbrachten Leistungen ausgeht, bleibt ungewiss. Hanno Hoffmann geht unterdessen davon aus, dass der Aufzug nach Lieferung der Ersatzteile aus Fernost „noch vor den Feiertagen wieder in Betrieb geht“.


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