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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

16. Dezember 2017 | 19:53 Uhr

Gadebusch : Emma peppt den Seniorenalltag auf

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Seit rund einem halben Jahr besucht Therapiebegleithund Emma alle zwei Wochen das Altenheim, die Bewohner sind begeistert

svz.de von
erstellt am 16.Jan.2014 | 00:00 Uhr

Langsam, ein bisschen vorsichtig noch öffnet die alte Dame im Rollstuhl ihre Hand. Behutsam setzt sich Emma vor dem Rollstuhl auf den Boden, streckt dann ihren Hals und nimmt sich ihre Belohnung sanft aus der Handfläche. „Die Nase ist ein bisschen kalt“, sagt die alte Dame und lacht herzlich. Emma bleibt noch einen Moment vor ihr sitzen, dann steht sie auf, schüttelt sich kurz, so dass ihr langes, graues Fell fliegt, wedelt mit dem Schwanz und geht weiter, zum nächsten im Sitzkreis.

Emma gehört zu den wohl beliebtesten Besuchern im Gadebuscher Altenheim der Volkssolidarität. Alle zwei Wochen kommen die Hündin der polnischen Rasse Pon und ihr Frauchen Franziska Lübbe vom Verein Wismarer Therapiebegleithunde in die Einrichtung. Offiziell lautet Emmas Bezeichnung Therapiebegleithund. „Aber ich nenne es lieber Besucherhunderunde“, sagt Franziska Lübbe. Bis zu sechs Bewohner des Altenheims können an der Besucherhunderunde teilnehmen, die Gruppe variiert von Mal zu Mal – damit jeder der 42 Besucher regelmäßig in den Genuss von Emmas Anwesenheit kommt. Viele von ihnen leiden unter Demenz. Für Emma spielt das keine Rolle: Sie mag die Streicheleinheiten, freut sich über ihre Leckerchen, ist zu jedem einzelnen aufmerksam und sanft – und kümmert sich nicht, ob die Menschen um sie herum nach wenigen Minuten ihren Namen vergessen haben.

Für Franziska Lübbe indes spielt genau das eine Rolle: Die Inhalte jedes einzelnen Termins sind genau auf die Bedürfnisse der Bewohner abgestimmt. Wenn sie auf Anweisung von Franziska Lübbe ein kleines Leckerchen mit Daumen und Zeigefinger aus der großen Dose nehmen und an Emma verfüttern, trainieren sie ihre Feinmotorik. Wenn sie sich im Rollstuhl nach vorne beugen und den Arm ausstrecken, um den Kopf der neunjährigen Hündin zu streicheln, schulen sie ihre Beweglichkeit. Wenn sie sich darüber austauschen, was Emma gerade besonderes gemacht hat, bleiben sie miteinander im Gespräch. Wenn sie über den Hund lachen, der nach dem Spiel sogar die hölzernen Hütchen ordentlich wieder in eine Tüte räumt, empfinden sie Freude. Wenn Franziska Lübbe nach jedem Spiel fragt, wie der Hund nun noch einmal hieß, trainieren sie ihr Erinnerungsvermögen. Und wenn sie sich erinnern, dass Emma Emma heißt und vielleicht sogar wissen, dass Emma neun Jahre alt ist – dann freuen sie sich, sind stolz und lachen. Dann hat sich der der Einsatz von Emma und Franziska Lübbe allein dafür gelohnt.

Rund zwei Jahre, inklusive eines 14-tägigen Intensivkurses, dauert die Ausbildung zum Therapiebegleithund, im Jahr 2007 haben Emma und ihr Frauchen sie erfolgreich abgeschlossen. Während der Hund unter anderem Grundgehorsam, absolute Aggressionslosigkeit und Wesensfestigkeit beweisen muss und lernt, mit Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen umzugehen, wird der Hundehalter zum Beispiel in Hygiene, Erster Hilfe, Recht, Human- und Veterinärmedizin geschult. Alle zwei Jahre müssen Emma und Franziska Lübbe zur Nachprüfung. Für Emma, sagt Hundehalterin Lübbe, sei ihre Arbeit vor allem Spaß. „Das sieht man an ihrem Verhalten. Emma mag Senioren, sie mag es etwas ruhiger, sie genießt das, auch wenn es für sie anstrengend ist. 45 Minuten sind deshalb auch die Obergrenze.“ Die Autofahrt von Wismar nach Gadebusch, die vielen Menschen, die anderen Gerüche, all das sei für den Hund auch Stress – zumal Emma neben dem Gadebuscher Altenheim regelmäßig auch noch zwei weitere Einrichtungen besucht.

Für sie selbst, so die temperamentvolle 33-Jährige, seien die Besuche, die sie ehrenamtlich und neben ihrem Beruf als Filialleiterin einer Bäckerei absolviert, Entspannung pur. „Ich bin mit meinem Hund zusammen, man scherzt, man lacht – ich schalte hier einfach ab.“ Im Altenheim indes sind sowohl die Bewohner als auch die Mitarbeiter begeistert von der zwei- und vierbeinigen Unterstützung. „Wenn Emma hier ist, ist das für den Rest des Tages auch Gesprächsthema“, sagt Gudrun Klann von der sozialen Betreuung für Demenzkranke in der Einrichtung. Bei Nicole Appelmann, Heim- und Pflegedienstleiterin, gab es sogar schon Beschwerden von Bewohnern, die Emma häufiger sehen wollten. „Ich habe mir schon lange gewünscht, ein solches Angebot machen zu können“, sagt Appelmann, „es ist für uns ein Türöffner zu den Bewohnern und für die Bewohner eine schöne Abwechslung.“ Derzeit überlegten sie, wie es sich einrichten ließe, dass Emma einmal im Monat in die Tagespflege kommt. Die Hündin hat sich indes auf ihre Decke zurückgezogen. Emma hat jetzt Feierabend. Und schon jetzt freut man sich im Altenheim auf ihren nächsten Besuch.

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