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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

19. Oktober 2017 | 03:59 Uhr

Wedendorf : Elf Wohnungen für Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Landkreis mietet leer stehende Wohnräume für Asylbewerber an / Bürger von Wedendorfersee zwischen Skepis und Unterstützung

von
erstellt am 12.Okt.2015 | 00:00 Uhr

Die Verträge sind unterzeichnet, der genaue Termin steht noch nicht: In der Gemeinde Wedendorfersee werden in einem Wohnblock mindestens fünf bis maximal elf Wohnungen für Flüchtlinge bereitgestellt. Darüber informierte jetzt Bürgermeister Hans-Werner Gaul mit der stellvertretenden Landrätin Karla Krüger mehr als 70 anwesende Bürger. Sie folgten dem Wunsch des Bürgermeisters das Thema „sachlich, ohne politische Debatten zu besprechen“.

Kirch Grambow ist eines von zahlreichen Dörfern, die aktuell über leer stehenden Wohnraum im Nordwesten verfügen und Asylbewerben für die Dauer ihres Verfahrens als Heimstätte dienen sollen.

Die kurzfristig angekündigte Unterbringung sorgte im Vorfeld für reichlich Gesprächsstoff. Insbesondere die älteren Leute, die im Wohnblock seit Jahrzehnten ihr Zuhause haben, hätten „Angst vor dem neuen Unbekannten“, so eine Frau im Publikum.

Praktische Fragen der Mülltrennung, fehlende Einkaufsmöglichkeiten und in einzelnen Stimmen eine Totalverweigerung, Menschen in Not helfen zu wollen, standen zur Diskussion. Letztlich wurde der Ruf nach der „Nennung von Namen der Verursacher der Krise“ laut, die zu einer der größten humanitären Katastrophen in Syrien und an den EU-Außengrenzen führten - mit deren Auswirkungen die Menschen in Wedendorf nun erstmals persönlich konfrontiert werden.

Auf die große Politik habe sie keinen Einfluss, so Karla Krüger: „Wir als Landkreis bekommen die Aufgaben von Bund und Land zur Organisation der Unterbringung übertragen. Ein warmes, trockenes Zuhause und eine medizinische Versorgung gehören dazu.“ Aufgrund der Überfüllung der Haffburg Wismar als zentrale Unterkunft sei man bei der Suche nach Wohnraum auf Kirch Grambow gekommen und habe die Verträge mit dem privaten Anbieter geschlossen. All das passiere unter sehr großem zeitlichen Druck.

Gegen eine Hilfe sprachen sich die Menschen aus Wedendorfersee am Freitagabend nicht aus. Die Basis des Miteinanders sei die Verständigung, betonte Olaf Both und fragt: „Wie sieht es mit Dolmetschern vor Ort aus?“ Den werde der Kreis nur im Sonderfall bereitstellen können, so Krüger. Sie sieht nur eine Möglichkeit: „Wir müssen mit viel Engagement und gutem Willen herangehen.“

Aus Sicht von Frauke Sörensen kein Problem. Ihr Versuch einige skeptische Wedendorfer noch am Abend für eine unvoreingenommene Haltung gegenüber den Flüchtlingen zu gewinnen, gestaltete sich allerdings schwierig.

Niemand stünde allein, so Peter Kalugin. Er ist Kontaktbeamter des Polizeireviers in Gadebusch:„Wir sind täglich vor Ort. Meetzen und die positiven Erfahrungen in Gadebusch zeigen, dass es bislang keine Probleme mit Asylbewerben gibt.“ Vielmehr entwickle sich ein bereites Bündnis, ein Runder Tisch in Gadebusch, der Hilfsangebote wie Deutschunterricht anbiete. Grundsätzlich, so Kalugin weiter, sei es bei den Asylbewerbern nicht anders als bei den Menschen in der Region, „viele bringen sich ein, aber nicht alle seien Engel“. Er als Kontaktbeamter stehe bereit. „Für ihre Sorgen und Nöte bin ich erreichbar. Wenden sie sich im Bedarf an das Polizeirevier in Gadebusch“, so Kalugin.

Klare Unterstützung signalisierte auch Hans-Werner Gaul und warb für ein Miteinander: „Die Ängste der Menschen hier vor Ort müssen wir ernst nehmen. Meine persönlichen Erfahrungen bei einem Besuch in Meetzen haben mir gezeigt, dass es mit der Verständigung gut funktionieren kann. Es gab in Metzen nicht einen einzigen Fall, wo es Schwierigkeiten gab.“ Man müsse sich einander helfen, auch in Fragen des täglichen Lebens. Dazu gehörten neben der Mülltrennung auch technische Fragen zur Bedienung einer Waschmaschine, meint Karla Krüger. Grundsätzlich versorgen die Menschen sich selbst.

Ein genauer Bezugstermin der Wohnungen steht bislang nicht fest. „Ich gehe aber noch vom Monat Oktober aus“, sagt Krüger. Auf Anfrage der Kirch Grambower zu Herkunft und Glauben machte Krüger deutlich, dass man darauf achte, das möglichst Menschen nach Wedendorfersee kommen, die von der Konfession auch im menschlichen Umgang zueinander passten. „Sollte es dennoch unerwartet Probleme geben, besteht die Möglichkeit, dass wir bestimmte Personen herausnehmen.“ Die beste Variante Probleme anzusprechen, sei aufeinander zuzugehen. Kalugin: „Vorurteile, verhelfen uns nur zu scheitern.“

 


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