zur Navigation springen

Biosphärenreservat Schaalsee : Eisvogel ist kein Freund von Schnee und Eis

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Lang anhaltende Frostperioden stellen eine ernsthafte Bedrohung für den kleinen Eisvogel dar, da er offenen Wasser für die Jagd braucht

svz.de von
erstellt am 18.Feb.2017 | 04:45 Uhr

Wochenlang waren die zahlreichen Gewässer im Unesco-Biosphärenreservat Schaalsee mit Eis bedeckt. Zeitweise gab es nur in den windgeschützten Buchten des Röggeliner, des Lankower und des Mechower Sees noch offene Wasserflächen. An diesen Stellen sah ich hin und wieder einen Eisvogel (Alcedo atthis) auf überhängenden Ästen über dem Wasser sitzen. Auch wenn sein Name etwas anderes vermuten lässt, zu Eis und Schnee fühlt sich der Eisvogel keineswegs hingezogen. Im Gegenteil, lang anhaltende Frostperioden stellen eine ernsthafte Bedrohung für den kleine Vogel dar, braucht er doch offenen Gewässer um seine Nahrung, kleine Fische, Molche und Wasserinsekten, zu erbeuten.

Seinen deutschen Namen verdankt der Eisvogel wohl eher seinem farbenfrohen Gefieder. Einige Autoren gehen davon aus, dass der Eisvogel ursprünglich „Eisenvogel“ hieß, da seine Rückenfedern stahlblau und die Unterseite rostrot gefärbt sind. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Name vom altdeutschen „eisan“ abstammt, was soviel wie „schillern“ oder „glänzen“ bedeutet. Wegen seines in allen Blautönen schillernden Gefieders wird der Eisvogel im Volksmund auch gern als fliegender Edelstein bezeichnet.

Auch im Unesco-Biosphärenreservat Schaalsee lebt der Eisvogel in einer kleinen aber relativ stabilen Population. Er ist eine von 29 besonders geschützten Arten des Europäischen Vogelschutzgebietes Schaalsee-Landschaft. Europäische Vogelschutzgebiete bilden ein zusammenhängendes Netzwerk von Schutzgebieten in Europa, das sich besonders dem Schutz von Vögeln und deren Lebensräumen widmet. Alle EU-Mitgliedstaaten sind verpflichtet, solche Gebiete auszuweisen.

Man schätzt, dass in Deutschland etwa 9000 bis 14  000 Brutpaare des Eisvogels leben. Der Bestand unterliegt starken Schwankungen, denn der Eisvogel lebt ein gefährliches Leben. In besonders kalten Wintern kann es zu hohen Verlusten von bis zu 90 Prozent einer Population kommen. Auch die Verluste von Jungvögeln und Gelegen sind erheblich, besonders bei Hochwasser und in langen Regenperioden. Durch eine hohe Reproduktionsrate – ein Eisvogelpaar kann im Jahr bis zu 20 Junge großziehen – können witterungsbedingte Verluste in wenigen Jahren ausgeglichen werden. Das setzt allerdings voraus, dass die Eisvögel geeignete Lebensräume finden, in denen es störungsarme Gewässer mit Ansitzmöglichkeiten für die Jagd, sowie ufernahe, sandige Abbruchwände für den Bau der Bruthöhlen gibt. Wenn durch das Biosphärenreservatsamt Gewässer renaturiert, Bäche aus ihren unterirdischen Verrohrungen wieder ans Tageslicht geholt oder Ufer bepflanzt werden, profitiert davon immer auch der Eisvogel.

Am morgigen Sonntag lädt mein Kollege Mario Axel zu einer Winterwanderung um den Mechower See ein. Start ist um 10 Uhr am Grenzhus in Schlagsdorf. Mit etwas Glück können Sie dabei vielleicht auch einen Eisvogel entdecken.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen