Roggendorf : Eiserne Hochzeit ohne Ehefrau

Klaus Schuppenies (re.) schafft es, seinem Vater Helmut Schuppenies (87) trotz der schweren Erkrankung seiner Frau ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern.
Klaus Schuppenies (re.) schafft es, seinem Vater Helmut Schuppenies (87) trotz der schweren Erkrankung seiner Frau ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern.

Gertrud und Helmut Schuppenies gaben sich vor 65 Jahren das Jawort, doch die Jubiläumsfeier musste ausfallen

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08. November 2017, 04:45 Uhr

„Man muss es eben so hinnehmen, wie es kommt“, sagt Helmut Schuppenies. Er meint damit, dass es seiner Frau aktuell nicht gut geht, an eine große Feier gestern anlässlich ihrer Eisernen Hochzeit nicht zu denken war. Immerhin ist sie wenigstens am Tag zuvor aus dem Krankenhaus entlassen worden. „Die Luft – sie hat ein Sauerstoffgerät, an dem sie immer angeschlossen bleiben muss“, erklärt der 87-Jährige. Also nimmt er die Gratulationen der Nachbarn, Freunde und Bekannten entgegen.

Unterstützt wird er dabei von Sohn Klaus. Der ist extra aus dem mehr als 500 Kilometer entfernten Plauen im Vogtland zu Besuch gekommen, um an diesem Tag bei seinen Eltern zu sein. Der ehemalige Offizier und Zerspanungsmechaniker ist der zweitälteste Sohn von Gertrud und Helmut Schippenies und der einzige, den es so weit weggezogen hat. „Ich habe auch schon in Frankfurt am Main gelebt und gearbeitet. Aber alle Versuche, hier in der Region eine Arbeit zu finden, sind gescheitert“, sagt der 63-Jährige bedauernd. Seine Brüder Gerd, Wolf-Donart und Rolf leben in Schwerin und Roggendorf und können die Eltern im täglichen Leben unterstützen.

Gertrud und Helmut Schuppenies stammen beide aus Ostpreußen, das heute zu Polen gehört, und mussten zum Ende des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat verlassen. „Ich kam zuerst mit meiner Mutter nach Köthen in Sachsen-Anhalt und dann nach Krefeld“, erinnert sich der Senior. Seine Berufsausbildung zum Traktoristen machte er allerdings 1949 in Güstrow. Weil es dort aber keine Arbeit für ihn gab und hier in der Region Traktoristen gesucht wurden, ging Helmut Schuppenies nach Breesen. „Und da habe ich auch meine Gertrud kennen gelernt“, sagt der Jubilar. Am 7. November 1952 wurde geheiratet, Gertrud war gerade 18 und Helmut 22 Jahre alt. Im gleichen Jahr erblickte der erste Sohn das Licht der Welt. Zwei Jahre später wurde Sohn Klaus geboren und noch einmal zwei Jahre darauf kam das dritte Kind zur Welt. „In dem Jahr sind wir auch hier in diese Neubauwohnung eingezogen, die frisch fertig gestellt war“, erzählt Helmut Schuppenies. Hatte seine Frau bis dato unter anderem als Sekretärin beim Bürgermeister gearbeitet, galt nun ihre ganze Zeit und Kraft der Familie. Zumal 1963 der vierte und letzte Sohn das Glück der Familie komplett machte. Vater Helmut arbeitete da bereits als Schlosser beim KfL (Kreisbetrieb für Landtechnik) in Roggendorf. Aktuell hat das Jubiläumspaar neben ihren vier Söhnen noch drei Enkel und vier Urenkel.

Ihr Geheimnis für so eine lange Zweisamkeit: „Es gibt keins – unser Leben war ja von viel Arbeit bestimmt“, meint Helmut Schuppenies. Deshalb sei die gemeinsam verbrachte Zeit gar nicht so lang gewesen. Und Bürgermeister Rico Greger, der ebenfalls zum Gratulieren reinschaute, meint: In dieser Generation kam und kommt eine Scheidung doch eher selten vor. Sohn Klaus Schuppenies bringt es auf den Punkt: „Sei standhaft im Guten und treu in der Pflicht. Lockt die Versuchung, so folge ihr nicht.“

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