Rehna : Einmal Wüste und wieder zurück

„Da läuft alles auf die Straße“, berichtet Jürgen Backsmann – so zum Beispiel diese Kamele, denen die Abenteurer bei ihrer Tour begegneten.
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„Da läuft alles auf die Straße“, berichtet Jürgen Backsmann – so zum Beispiel diese Kamele, denen die Abenteurer bei ihrer Tour begegneten.

Der Rehnaer Jürgen Backsmann fuhr für den guten Zweck bis ins afrikanische Gambia – quer durch die endlose Einöde

svz.de von
09. Februar 2018, 04:45 Uhr

Die Straßen verschwinden unter gelbem Sand, die Leere der Wüste ist das einzige, was vor Jürgen Backsmanns Augen flimmert – eine Reise für den guten Zweck führte den Rehnaer bis nach Afrika. Einmal Gambia und wieder zurück. Es ist nun knapp drei Monate her, dass der 57-Jährige das größte Abenteuer seines Lebens auf sich genommen hatte. Nun, nach seiner Rückkehr, schildert er seine Eindrücke von einer Reise voller Einschränkungen und Erkenntnisse.

„Für mich war es eine erwartete Reise“, sagt Jürgen Backsmann. Er war das erste Mal bei der Rallye „Dresden - Dakar - Banjul“ (DBO) dabei. 1300 Euro investierte der Rehnaer Verkäufer in einen Transporter, den er selbst bis ins knapp 7500 Kilometer entfernte Gambia fuhr. Dort wurde er versteigert, der Erlös ging an Hilfsprojekte vor Ort. Für Jürgen Backsmann war es Hilfsaktion und Abenteuerreise zugleich. Und sie hat sich gelohnt. „Insgesamt 2300 Euro wurden für meinen Wagen gezahlt – und damit knapp 1000 Euro mehr, als ich angepeilt hatte“, freut sich der Rehnaer.

Der gute Preis ist der Lohn für die Tage in der Wüste, die stundenlangen und schröpfenden Touren auf zerfurchten Straßen und notdürftige Reparaturen. In der Zeit, die sein Urlaub war, duschte Jürgen Backsmann unter dem plätschernden Strahl von Wassertanks in Wüstencamps und verzichtete auf Fleisch. Denn dieses sei „nicht definierbar“ gewesen. Stundenlanges Warten an Grenzen und Kontrollen begleiteten die Reise ebenso wie gerissene Schläuche, überhitzte Motoren und drei Militärfahrzeuge. Die mit Maschinengewehren bewaffnete Eskorte flößte Respekt ein, verdeutlichte den Ernst der Lage aber nicht weniger als Krankheiten. „Einer der anderen Reisenden zum Beispiel musste einen Tag lang an den Tropf, weil er zu halluzinieren anfing. Er hatte seine Malaria-Prophylaxe nicht passend genommen.“

Die ganze Reise begann, wie Jürgen Backsmann und sein Rallye-Team von den Nordhäuser-Wüstenfüchsen geplant hatte, mit der Verabschiedung durch den Bürgermeister und den Landrat in Nordhausen. Bis dort fuhr der Verkäufer aus Rehna allein und unterzog dem Opel Moreno einem ersten Test. Die weitere Reise führt durch ein verregnetes Deutschland, ein nicht minder verregnetes Frankreich, über Spanien und nach Marokko. „Bis dahin ging noch alles gut. Dann beim Übersetzen begann der Ärger. Alle unsere Autos mussten auf Waffen und Drogen untersucht werden, drei Plan-Lkws mussten noch sehr viel länger warten“, erinnert sich der 57-Jährige. Und dann ging es ab in die Wüste.

Für eine Strecke von etwa 700 Kilometern braucht Jürgen Backsmann in Deutschland geschätzte sechs Stunden. Dieselbe Entfernung in Afrika: zehn bis zwölf Stunden. „Zum Beispiel auf einer Strecke in Mauretanien von 470 Kilometern waren nur 30 Kilometer echte Straße – nur mal so zum Vergleich“, sagt der Abenteurer. Um durch die Wüste zu kommen, verringerten die Fahrer den Reifendruck ihrer Autos auf knapp unter einem Bar. Zum Vergleich: Auf der Straße fährt ein Wagen mit 2,2 bis 2,5 Bar. Pannen wurden provisorisch repariert, wegen einer kaputten Kupplung jedoch verzögerte sich die Reise ein wenig. „Es war unfassbar schwer, einen Ersatz aufzutreiben“, erklärt Jürgen Backsmann.

Schließlich aber erreichten sie ihr Ziel. Nach der Versteigerung der Autos schauten sich Jürgen Backsmann und seine Reisegefährten – immerhin waren 37 Autos aus Nordhausen losgefahren – die Hilfsprojekte vor Ort an. „Da wird man als Europäer mal geerdet. Wann ist man in Deutschland arm? Hier können sich manche Familien nicht einmal die 50 Cent Schulgeld für ihr Kind leisten. Und gelebt wird von der Hand in den Mund.“ Laut Jürgen Backsmann wollen viele der Flüchtlinge, die aus Gambia stammen, nicht weg. „Darum muss man ihnen dort eine Perspektive schaffen – und das fängt mit der Schulbildung an.“

Für den Abenteurer Jürgen Backsmann soll es allerdings nicht das letzte Mal gewesen sein, dass er gen Banjul fährt. „2020 ist schon angepeilt. Auch diesmal mit einem Transporter“, so der Rehnaer abschließend.

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