„Einfach Türen auf, Bürger rein“

Im Wismarer Rathaus soll einmal jährlich ein „Tag der offenen Tür“ stattfinden.
Im Wismarer Rathaus soll einmal jährlich ein „Tag der offenen Tür“ stattfinden.

Rathaus Wismar hat ungeahnte Probleme mit einem angedachtem Tag der offenen Tür / Verwirrung an allen Ecken

svz.de von
03. Dezember 2014, 00:40 Uhr

Wie schwer ist es eigentlich, einen Tag der offenen Tür zu organisieren? Eigentlich ganz einfach, möchte man meinen. Schulen, Kindertagesstätten, Feuerwehren, Sportvereine – überall gibt es einen Tag der offenen Tür. Nur die Wismarer Bürgerschaft schlingert hier offensichtlich irgendwo zwischen überfordert und hilflos in der Weltgeschichte herum. Schon der Antrag zur bloßen Einführung eines solchen Tages ab kommendem Jahr im Rathaus der Hansestadt schaffte es nicht bis zur Abstimmung und wurde stattdessen in den Verwaltungsausschuss der Bürgerschaft verwiesen. Unglaublich.

„Wir wollen den Bürgerinnen und Bürgern hier an der Stätte der Wismarer Demokratie einen roten Teppich ausrollen, unsere Arbeit und unsere Arbeitsplätze zeigen. Sie sollen sehen, wer ist die Bürgerschaft und wer die Verwaltung“, sagte Bürgerschaftspräsident Tilo Gundlack von der antragstellenden SPD-Fraktion. Doch die hatte mit einem Satz in der Beschlussvorlage selbst für unnötige Irritationen und Diskussionen gesorgt. „Zum Tag der offenen Tür sollen auch Vereine, Verbände und weitere Institutionen eine Gelegenheit zur Präsentation ihrer Arbeit erhalten“, hieß es dort. Und schon rollte die Diskussion um eine Ehrenamtsmesse im oder aber rund ums Rathaus der Hansestadt an. „Entweder Tag der offenen Tür oder Ehrenamtsmesse. Wo sollen denn sonst die ganzen Menschen hin“, fragte Christa Hagemann (Die Linke). „Beides zusammen geht nicht“, stellte Tino Schwarzrock (Grüne) fest. „Ehrenamtsmesse gibt es schon“, bemerkte dann auch Tilo Gundlack und ließ besagten Satz aus der Beschlussvorlage streichen.

Somit wäre der Weg zur Abstimmung über einen Tag der offenen Tür im Rathaus der Hansestadt Wismar eigentlich frei gewesen. Eigentlich, denn Tino Schwarzrock fragte sich noch, wer denn wohl die mit der Organisation des Tags der offenen Tür betraute vierköpfige Arbeitsgruppe bilden solle. Und Kerstin Adam (SPD) beantragte schließlich nach ihrer Feststellung, dass da noch zu viele Fragen zu klären seien, die Vorlage in den Verwaltungsausschuss zu verweisen. „Ich sehe einige Bedenken, auch wegen der Kosten“, befand dann auch noch René Domke, der FDP-Experte in Finanzfragen.

„Liebe Mitglieder der Wismarer Bürgerschaft, was ist eigentlich an der Durchführung eines Tages der offenen Tür so schwer? Kuchen backen, Kaffee kochen, für die Kleinen einen Kakao. Türen auf, Bürger rein, informieren und diskutieren. Politik und Verwaltung erlebbar, begreifbar und transparent machen. Ganz einfach.“

Das sah Siegfried Ballentin, der Vorsitzende der CDU-Fraktion in der Bürgerschaft, offensichtlich ähnlich: „Dafür wird eigentlich kein Beschluss gebraucht.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

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