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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

24. Oktober 2017 | 11:50 Uhr

Rehna : Eine Zeitreise in die Vergangenheit

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Klosterführer luden Geschichtsinteressierte zu einer kostenlosen Sonderführung in Rehna ein. Baumeister kam vermutlich aus Italien

Die Mittagssonne war trügerisch. Ein kalter Westwind pfiff um die Ecken des Rehnaer Kirchturms, während Simone Jürß den Teilnehmern der Kirchen- und Klosterführung die Besonderheiten des Backsteinbaus erklärte. „Steine“ lautete das Thema der Sonderführung zum Anlass des Weltgästeführertages. Wie in den Vorjahren war der Andrang trotz der frühen Jahreszeit groß. „Wir haben gut 50 Teilnehmer“, so Hobby-Stadtführerin Jürß.

Während die eine Hälfte ihrem Kollegen Martin Reininghaus ins warme Refektorium folgt, harrt die andere Hälfte in der Kälte aus um zu hören, wie zu Beginn des 13. Jahrhunderts jene Backsteine entstanden, aus denen Kirche und Turm gebaut wurden. Backsteine zu brennen sei eine Kunst gewesen. Über Winter wurde der Lehm eingeweicht und durch den Frost aufgebrochen.

Zwischen März und November wurde er zunächst in Form gebracht und langsam getrocknet. Dabei entwichen eingeschlossene Gase, die sonst den Ziegel beim Brennen gesprengt hätten. Trotzdem war nur ein Drittel der Ziegel nach dem Brennen perfekt, die anderen bekamen entweder zu viel oder zu wenig Wärme ab.

Fuhrwerk um Fuhrwerk, jedes mit 200 Steinen beladen, musste herangekarrt werden. Allein die unteren acht Meter des Turmes verbrauchten 200 Wagenladungen. Waren die Ziegel aufgebraucht, musste bis zur Folgesaison gewartet oder umdisponiert werden. Am Turmfries ist dies gut zu sehen. Während an drei Seiten Rundbögen eingesetzt wurden, wechselte man an der vierten zu Spitzbögen: Rundbögen waren offensichtlich zu wenige bestellt worden und um weiterbauen zu können, behalf man sich mit noch vorhandenen Spitzbögen.

„Vom romanischen Ursprung der Kirche ist nicht viel erhalten“, erklärt Simone Jürß ihren Zuhörern. Vor allem eine bestimmte Anordnung der Steine und die in die Außenmauer integrierte Treppe verraten ihn heute noch. „Der Baumeister muss in Italien gewesen sein, hat vielleicht sogar dort gearbeitet.“ Genaue Überlieferungen sind rar. Generationen haben an Kirche und Kloster gebaut, jede nach ihren Möglichkeiten und Ansprüchen die Gebäude verändert, ohne es zu dokumentieren.

Im Refektorium nimmt Martin Reininghaus die Gruppe mit auf eine kurzweilige Reise durch die Frühzeit der Besiedelung Mecklenburgs zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert. „Fachkräftemangel war schon damals ein Problem“, lacht Reininghaus. Gastarbeiter wurden gebraucht, denn die entvölkerten Landstriche des Nordens sollten kultiviert werden. „Fachkräfte dazu wurden durch so genannte Lokatoren angeworben.“ Vor allem in Westphalen. Das dortige Rhena dürfte Namensgeber der Stadt Rehna gewesen sein. Nach wochenlanger Reise über 450 Kilometer kamen sie mit Saatgut und Kreuz nach Mecklenburg, führten die Dreifelderwirtschaft ein und christianisierten das Land. „Es war zugleich Besiedelung und Kreuzzug gegen die ungläubigen Slaven, denn Staat und Religion waren eins.“

Hendrik Pohlke (14) und Bruder Frederik (12) haben sogar ihre Handys in der Tasche verschwinden lassen. „Das war richtig spannend“, sagt Hendrik hinterher bei einem leckeren Stück Kuchen vom reichgedeckten Kuchenbüffet, das die Teilnehmer im Gerichtssaal abschließend erwartete. Zusammen mit ihren Eltern Kirsten und Stefan Pohlke waren sie aus Dassow nach Rehna gekommen. „Wir sind Wiederholungstäter. Schon letztes Jahr hat uns die Veranstaltung so gut gefallen“, erzählt Stefan Pohlke.

 

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