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flüchtlinge im nordwestkreis : Eine Spende statt weiteres Spielzeug

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Horst Hensel freut sich über die Initiative seines Urenkels und blickt zurück

svz.de von
erstellt am 08.Dez.2015 | 17:36 Uhr

„Schenk mir Geld, damit ich es den Flüchtlingskindern geben kann“ – Horst Hensel ist freudig berührt, als er die Antwort von seinem sechsjährigen Urenkel Ole nach Weihnachtswünschen hört. „Ich habe nicht schlecht gestaunt“, erzählt der Gadebuscher nach einem Familientreffen in Neu Bauhof. Der Junior, der mit seinen Eltern in Süddeutschland wohnt, begründete seine Entscheidung damit, dass er über ausreichend Spielzeug verfüge. „So etwas ist nicht einmal von Erwachsenen zu hören“, sagt Hensel.

Der 88-Jährige findet die Idee seines Enkels nachahmenswert und gibt im SVZ-Gespräch den Gedanken weiter. Hensel bewohnt eine Wohnung im Altenpflegeheim der Volkssolidarität in der Rudolf-Breitscheid-Straße in Gadebusch. Er selbst sei rüstig, reise noch gern. „Einmal die Woche Sport, Ostseeurlaub und das Abbaden im Oktober gehören dazu“, sagt er. Dass er hier wohne, sei vor Jahren eine bewusste Entscheidung von seiner Frau und ihm gewesen.

So im Gedanken blickt er acht Jahrzehnte zurück, und erinnert sich an schwere Jahre nach dem Krieg und was die Menschen auf der Flucht, Vertreibung und Neuanfang alles schultern mussten. „Ich bin Baujahr 27 und in Stettin groß geworden. Meine Frau kam in Golnow, Ostpommern, zur Welt. Von dort ist sie zweimal geflohen“, so Hensel. Er selbst sei noch im September 1944 zur Kriegsmarine eingezogen worden. Als der Krieg endete, war er 18. „Dann begann alles neu. Wir haben die Große Friedländer Wiese melioriert, dort wo der Film ,Egon und das achte Weltwunder‘ gedreht wurde. Moore wurden trocken gelegt, teils die Schichten weggesprengt“, erinnert sich Hensel. Die Arbeit im damaligen Vorzeigebetrieb VEB Rindermast folgte. „Von 1959 bis 1989 war ich im Betrieb und habe mich mit einem Studium in Greifswald zum Berufsschullehrer qualifiziert“, erzählt der Senior. Es sei eine bewegende Zeit mit zahlreichen Umbrüchen gewesen. All die Erlebnisse schreibe er auf. „Ich arbeite an meinen Memoiren“, erzählt Hensel, lacht und meint: Ich bin noch nicht am Ende.“ Aber die Zeit der Flucht, werde er nicht vergessen, auch wenn heute einiges anders ist als früher. „Eine pauschale Verurteilung der Flüchtenden ist nicht gut. Helfen ist wichtig, aber das Gießkannenprinzip erweist sich nicht als hilfreich“, meint Hensel. Für ihn sei klar, dass die Menschen unter großem psychischen Druck stehen, vor Krieg flüchten. Dennoch dürfe man nicht die Sicherheit aus den Augen verlieren. Dass letztlich auch einige Menschen nicht allein vor Unruhen flüchten, das liege in der Natur des Menschen, der sich „an materiellen Dingen orientiert und entscheidet wohin er geht“. Dass sei nach dem 2. Weltkrieg nicht anders gewesen. Für ihn steht fest: „Helfen sollten wir in jedem Fall.“  

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