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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

23. Oktober 2017 | 02:43 Uhr

Meetzen : Eine Rarität wird restauriert

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Nur 251 Mal wurde das Feuerwehrauto vom Typ S4001 produziert, eines davon steht in der Werkstatt des Meetzener Feuerwehrmuseums.

svz.de von
erstellt am 10.Feb.2015 | 06:00 Uhr

Goldgelbe Funken sprühen entlang der staubigen Arbeitshandschuhe, die sich Uwe Rosenfeld zum Schutz übergestülpt hat. Das grobe Schleifpapier frisst sich durch den alten Lack des verblichenen Kotflügels. Es riecht nach Staub, fast leicht verbrannt. „Da brauche ich wohl etwas weniger Umdrehungen“, sagt der 61-Jährige und dreht die handliche Maschine etwas runter bis sie leise summt, wie ein kleiner Staubsauger. „Zum Anrauen der Oberfläche reicht das“, sagt Rosenfeld durch seinen Mundschutz und setzt die Maschine erneut auf das 54 Jahre alte Tanklöschfahrzeug.

Nur 251 Stück des Feuerwehrautos TLF S4001 wurden zu DDR-Zeiten gefertigt – heute steht eines davon in der Restaurierungswerkstatt des Landes- Feuerwehrmuseums MV in Meetzen. „Eine Rarität, die es zu erhalten gilt“, sagt Rosenfeld, der Leiter des Museums, zum knallroten Schmuckstück mit deutlich sichtbaren Alterserscheinungen: Der Lack pellt sich an einigen Stellen, Rost und Staub überziehen das 90 PS starke Gefährt. „Dieses Auto wurde 1961 gebaut und stand viele Jahre nur rum. Wir als Museum haben den Auftrag, unsere Sammlungen für die Nachwelt zu erhalten“, so Rosenfeld.

Doch gut Ding will Weile haben, weiß er. Vor drei Jahren habe er das alte Feuerwehrauto aus Berlin nach Meetzen geholt, allmählich starte nun die Restauration in der 200 Quadratmeter großen Halle. Denn im Museum sei an den rund 6  000 Exponaten immer viel zu tun, weswegen die Schönheitskur des DDR-Feuerwehrautos nur sporadisch angegangen werden konnte. Zwei Jahre und 2  500 Arbeitsstunden setzt Uwe Rosenfeld für die Restauration an.

„Alles zerlegen ist einfach, das zusammenbauen braucht Jahre“, pflichtet Florian Bonatz dem Museumsleiter bei. Die Berliner Vorbesitzer hätten am Löschwagen bereits vieles abmontiert: Einfach die Tür über Griffe öffnen – Fehlanzeige. Stattdessen bohrt der 22-jährige Hamburger behutsam mit Schraubenziehern in dem Türloch, wo vorher die Griffe montiert waren. Um die klobige Metalltür zu öffnen, hebelt er sie etwas auf. In der Fahrerkabine haben sich Spinnweben und Staub auf den Ledersitzen sowie der Armatur abgelagert. Mit den borstigen Haaren des Handfegers kämpft Florian gegen die Zeichen der Zeit.

Später sollen die Sitze mit neuem Leder bezogen und das Amaturenbrett mit mattem Kunstharzlack in silber bestrichen werden. „Unser Ziel ist es, den Originalzustand möglichst nah wiederherzustellen“, erklärt der Dritte im Team von Rosenfeld, Bernd Schattlach.

Da es zu DDR-Zeiten keine hochglänzenden Lacke gab, wird der 2500-Liter-Tanker nach Ende seiner Verschönerungsarbeiten in sattem matt erstrahlen – silber für den Innenraum und RAL 3000, feuerrot, für die typische Feuerwehrfarbe, so der 46-Jährige. Stellen, die verdeckt seien, streicht Schattlach auch nicht mit neuer Farbe über. „Da behalten wir das Original und archivieren die Hinweise auf diese Stellen. In vielen Jahren können so noch die Uralt-Farbschichten analysiert werden“, erklärt er.

„Da es kaum möglich ist, den Originalzustand zu erreichen, bemühen wir uns um einen Zustand bei Außerdienststellung“, erklärt der noch immer am alten Lack schleifende Rosenfeld weiter. So würde der poröse Gummi-Wasserschlauch am Feuerwehr-Oldie ausgetauscht und durch einen in selber Art und Weise produzierten ersetzt werden.

Ganz so einfach sei die Modernisierung aber nicht an allen Stellen, meint der Museums-Azubi und zeigt auf eine schulklingelartige Konstruktion, die sich zwischen Rosenfeld am Kotflügel und der Blinkanlage an der Front des in die Jahre gekommenen Autos befindet. „Diese Rasselwecker wurden im Dritten Reich verwendet, weil die Sirenen für die Ohren der Pferde einfach zu laut waren“, erklärt Uwe Rosenfeld.

Als kurz nach der Fertigstellung des Tanklöschfahrzeuges 1961 die Rasselwecker durch Anpassungen in der Straßenverkehrsordnung verboten wurden, setzten sich Sirenen als Signalgeber durch. Funktionsfähige Rasselwecker würden heute im Internet viele Tausend Euro kosten, erklären die Feuerwehr-Fans.

„Jedes Kind weiß, wie sich das Signal eines Feuerwehrautos anhört, tatü-tata“, erzählt Rosenfeld belustigt durch die verstaubte Schutzmaske. Denn noch vor 60 Jahren sei es eher ein „tatü-tatü-tata“ gewesen, das wie mit einem Lichtschalter angeschaltet werden konnte.

 

 

 

 

 

 

 

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