Wismar : Eine Haffburg als Ort der Hoffnung

Sozialministerin Birgit Hesse und Hartmut Möller (Leiter Unterkunft) unterhalten sich mit Mahmud. Der 20-Jährige ist aus Syrien geflohen und hofft in Deutschland sein Studium fortsetzen zu können. Zurzeit lebt er in der Haffburg in Wismar. Fotos: Manja Nowitzky
1 von 2
Sozialministerin Birgit Hesse und Hartmut Möller (Leiter Unterkunft) unterhalten sich mit Mahmud. Der 20-Jährige ist aus Syrien geflohen und hofft in Deutschland sein Studium fortsetzen zu können. Zurzeit lebt er in der Haffburg in Wismar. Fotos: Manja Nowitzky

400 Asylbewerber warten in der Unterkunft auf eine Entscheidung / Sozialministerin besuchte Einrichtung

svz.de von
09. November 2015, 23:44 Uhr

Haffburg 2 – das ist die Adresse von rund 400 Asylbewerbern im Landkreis Nordwestmecklenburg. Mehr oder weniger lange warten sie hier darauf, ob es für sie eine Zukunft in Deutschland gibt.

In der Nachbarschaft produziert German Pellets und Ilim Timber. Ansehnlich ist der Ausblick nicht gerade. Doch schön sind die beiden Hochhäuser im Wismarer Gewerbegebiet aber auch nicht. Sie versprühen den verbrauchten Charme der 80er Jahre. Typische Plattenbauten, an denen die Zeit vorbeigegangen ist. Im Eingang empfangen den Besucher weißschwarz gemusterte Bodenplatten und eine Holztäfelung an der Wand. Im Flur drängeln sich Kinderwagen, ein paar Grünpflanzen versuchen ihr bestes, die Atmosphäre ein wenig wohnlicher erscheinen zu lassen.

Sozialministerin Birgit Hesse, und bis vor knapp eineinhalb Jahren Landrätin von Nordwestmecklenburg, wollte sich die Gemeinschaftsunterkunft anschauen und herausfinden, „wo Handlungsbedarf ist“. Die psychosoziale Betreuung, kein Zugang zu kabelfreiem Internet, die Frage wie viele Flüchtlingskinder einen Kitaplatz brauchen und wie lange, und die Suche nach Arbeit für die Flüchtlinge. Wenn die Ministerin Anregungen mit nach Schwerin nehmen wollte, womit die Kommunen derzeit besonders kämpfen, bekam sie hier Anregungen.

Um alle Asylbewerber unterzubringen, müssen auch die Bewohner der Haffburg zusammenrücken. Die beiden Häuser sind überbelegt. Ein Haus ist vor kurzem renoviert worden. Knapp eine Million Euro hat das Land bereitgestellt, um dringende Arbeiten in Bädern und Wohnräumen zu erledigen. „In dem Flügel gab es gesteigerten Sanierungsbedarf“, sagt Karla Krüger, Fachbereichsleiterin für Soziales beim Kreis. „In diesem Teil haben wir jetzt einen niedrigen, aber soliden Komfort.“ Als Hotel könnte sich die Haffburg gerade so mit einem Stern schmücken. Aber voll ist voll und so ist die Suche nach Wohnungen und Ausstattung für Karla Krüger zum Tagesgeschäft geworden.

Nächstes Problem: die ärztliche Versorgung. Wenn die Asylbewerber in Notunterkünften ankommen, müssen sie untersucht und geimpft werden. Der Landkreis übernimmt die Aufgabe. „Dabei helfen uns Ärzte, die schon im Ruhestand sind“, sagt Ute Stahlhacke vom öffentlichen Gesundheitsdienst. 60 bis 70 Menschen würden jeden Tag untersucht. Ein Kraftakt. Doch an einer anderen Stelle drückt der Schuh viel mehr: Die psychiatrische und psychologische Behandlung der Flüchtlinge. Einige haben Furchtbares erlebt. Doch eine Therapie mit Dolmetscher? „Das ist nicht möglich“, sagt Ute Stahlhacke. Also entweder lernen die Asylbewerber schnell Deutsch oder es finden sich Fachärzte mit Fremdsprachenkenntnissen, arabisch beispielsweise.

Die Sozialministerin versucht ein wenig Optimismus zu verbreiten. „Wir müssen aus der Phase des Krisenmodus herauskommen“, sagt Birgit Hesse. Nun müsse auch darüber nachgedacht werden, wie die Integration gelingen kann. „Das findet ja vor allem auf der Gemeindeebene statt. Durch Vereine, Verbände und Privatinitiativen.“ Die Landesregierung will ihren Teil dazu beitragen und eine zentrale Anlaufstelle für die Sprachmittlung aufbauen und die Migrationsberatung verbessern. All das hört Karla Krüger gerne. Mal sehen, was davon ankommt.
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen