Mehr Einnahmen für Schlagsdorf : Eine Gemeinde plant für die Zukunft

Geld verdienen mit Strom: Die Wemag erwirtschaftet einen großen Teil ihre Erträge mit Netzentgelten. Davon profitiert nun auch Schlagsdorf wieder mehr.
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Geld verdienen mit Strom: Die Wemag erwirtschaftet einen großen Teil ihre Erträge mit Netzentgelten. Davon profitiert nun auch Schlagsdorf wieder mehr.

Gemeinde wird wieder Mitglied im Anteilseignerverband der Wemag und hat die Chance, mehr Aktien zu erwerben

svz.de von
17. März 2016, 21:00 Uhr

Die Gemeinde will dem „Kommunalen Anteilseignerverband der Wemag“ beitreten und sich damit langfristig mehr Einnahmen für den Haushalt sichern. „Wir haben uns einstimmig dafür entschieden“, sagte Bürgermeister Ingo Melchin gestern nach der Sitzung der Gemeindevertreter.

Damit vollzieht Schlagsdorf eine Kehrtwende, denn erst 2009 hatte sich die Gemeinde aus dem Verband zurückgezogen.

Der Energieversorger Wemag gehört mehrheitlich den Kommunen in seinem Geschäftsbereich. Auch Schlagsdorf ist als Treugeber an der Wemag beteiligt und hält 11 260 Aktien, erklärte der Leitende Verwaltungsbeamte von Rehna, Hans-Martin Buschhart. Rund 77 Cent Dividende hat Schlagsdorf bisher jedes Jahr pro Aktie bekommen. Knapp 8600 Euro fließen jährlich in die Gemeindekasse. Das könnte mehr werden – allerdings erst in knapp 20 Jahren.

Der Kommunale Anteilseignerverband mit 190 Mitgliedern verwaltet die Kommunalen Aktien an der Wemag und trifft auch wirtschaftliche Entscheidungen. So beispielsweise den Kauf von rund 8,3 Millionen Aktien der Vattenfall Europe AG im September 2009. Mit diesem Kauf wurden die Gemeinden Mehrheitseigner der Wemag, sagt Klaus-Michael Glaser, Geschäftsführer des Kommunalen Anteilseignerverbandes. Um den Kauf in Höhe von rund 118 Millionen Euro zu finanzieren, nahmen die Kommunen einen Kredit von 119 Millionen Euro auf.

Den Schlagsdorfern war dieses Risiko zu hoch. „Deshalb haben wir uns damals zurückgezogen“, sagte Bürgermeister Melchin. Doch man habe die Entwicklung in den vergangenen Jahren immer aufmerksam beobachtet.

Für die Mitglieder des Verbandes bedeutet die Kredittilgung zunächst einmal einen finanziellen Verlust. Denn sie bekommen nicht wie Schlagsdorf 77 Cent für jede Aktie als Dividende ausgezahlt. Stattdessen legen sie 27 Cent zurück, um die Möglichkeit der Sondertilgung zu wahren. „Sie verzichten momentan also auf ein Teil der Dividende“, sagt Glaser. Sobald der Kredit aber abgezahlt ist, wird dieser vorübergehende Nachteil ausgeglichen. „Die Mitglieder verdreifachen dann ihren Aktienbesitz“, sagt Glaser. Und damit auch die Dividende. Langfristig würde sich der Verzicht also rechnen.

Nach sechs Jahren Bedenkzeit hat Schlagsdorf nun die sprichwörtlich letzte Chance ergriffen, ohne Nachteile wieder in den Kommunalen Anteilseignerverband einzusteigen. Denn obwohl die Gemeinde bisher nichts für die Rücklage des Verbandes angespart hat, kann sie ohne finanzielle Zugeständnisse wieder Mitglied werden. „Das wird aber nur noch in diesem Jahr gehen“, sagt Glaser. Gemeinden, die sich erst im nächsten Jahr zu dem Schritt entschließen, werden dann zur Kasse gebeten.

Melchin sagt, er als Kommunalpolitiker werde von der Entscheidung zwar nicht mehr profitieren, „aber man muss ja langfristig denken.“

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