Flatrate für den Bus : Eine Fahrkarte für alle Strecken

Ralf Mauter fährt  mit seinem Iveco vom Betriebshof Gadebusch. Auch nach der Eingliederung von SGS in die Grevesmühlener Busbetriebe bleibt der strategisch günstig gelegene Betriebshof  mit seiner Flotte zwischen der  B 104 und der  B 208 erhalten. Darüber hinaus erhalten die Busse Internetanschluss.
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Ralf Mauter fährt mit seinem Iveco vom Betriebshof Gadebusch. Auch nach der Eingliederung von SGS in die Grevesmühlener Busbetriebe bleibt der strategisch günstig gelegene Betriebshof mit seiner Flotte zwischen der B 104 und der B 208 erhalten. Darüber hinaus erhalten die Busse Internetanschluss.

Landkreis will Nahverkehr modernisieren: Monatskarte mit voraussichtlich 45 Euro günstiger als eine Pkw-Tankfüllung

svz.de von
27. Dezember 2013, 21:30 Uhr

Der Landkreis Nordwestmecklenburg will den Nahverkehr im Nordwesten beleben. Statt wie bisher 3200 fahren künftig an die 12 000 Fahrgäste täglich mit der Busflotte durch den Landkreis als auch in angrenzende große Städte. Darüber hinaus wird der Schülerbusverkehr bedient. Statt 100 werden zukünftig 150 Busfahrer eine von 100 auf 111 Fahrzeuge vergrößerte Busflotte bedienen. Schlüssel zum Erfolg sind verbraucherfreundliche Fahrpreise, Service wie Internet sowie ein größeres Streckenangebot. Statt wie bislang 160 Euro kostet die Monatskarte unabhängig von der Nutzung im Kreisgebiet 45 Euro. Von Gadebusch fahren die Busse nicht allein nach Schwerin. Ratzeburg, Wismar, Lübeck, Schwerin sind zukünftig im Stundentakt erreichbar.

Bislang ist das alles nur ein Plan, ein ehrgeiziger Plan. „Aber machbar“, sagt Stefan Lösel. Ihn hat der Kreistag Nordwestmecklenburg zum Leiter des Eigenbetriebes Nahverkehr NWM bestellt. Sein hochgestecktes Ziel: „Die Monatsfahrkarte muss billiger sein, als das Betanken eines Autos“, meint der Diplomingenieur. Auch dann, wenn die Ära der Elektroautos beginnt.

Die Umstellung des bislang von Sparmaßnahmen gezeichneten Öffentlichen Personennahverkehrs gilt als Mammutaufgabe. Grund: Von 165 000 Einwohnern nutzen 2000 Bürger täglich den Bus. Als Barriere gelten die 1994 gezogenen Altkreisgrenzen Gadebusch/Grevesmühlen/Wismar, an die sich heute noch das Liniennetz ausrichtet. Folglich sind kreisweit fünf Nahverkehrsbetriebe und ein privates Unternehmen tätig. Wer von Gadebusch nach Wismar reisen möchte, bevorzugt bislang das Auto, denn teure Fahrkarten, lange Fahrzeiten und häufiges Umsteigen sind nicht attraktiv. Von Gadebusch aus gesehen endet hinter Rehna das Verkehrsnetz und bleiben die Busse an Ferientagen auf dem Betriebshof. Wer an solchen Tagen von Kneese mit dem Bus nach Schwerin will, hat schlechte Karten.

Die Zukunft: Über sie entscheidet der Kreistag von Nordwestmecklenburg. Am 8. Mai will Stefan Lösel das vom Kreistag geforderte Konzept den Abgeordneten vorlegen. Zwei Jahre hat er daran gearbeitet. Ein Eckpunkt wird das einheitliche Liniennetz unter möglicher Federführung einer Nahverkehr NWM GmbH sein. Ein Unternehmen, in das die frühere SGS Bus und Reisen Gadebusch (heute GBB Grevesmühlen), die GBB Grevesmühlen und der Eigenbetrieb Nahverkehr verschmelzen könnten. Ein Unternehmen mit drei Betriebshöfen und einem komplett neu aufgestellten Liniennetz. Zwischen sämtlichen Städten ist eine Hauptlinie mit stundenweiser Taktung angedacht.

Die Gewohnheiten der Bürger wurden mit der „Ermittlung der Pendlerströme, Orte, Zentren, Arbeitsplätze, Konsumverhalten der Bürger, Tourismus sowie alle 1000 Haltestellen in Nordwestmecklenburg erfasst und berücksichtigt“. Mit diesen Daten fütterte ein Dresdner Ingenieurbüro ein digitales Verkehrsnetz.

Im Ergebnis scheint eine Neustrukturierung bei unveränderter Finanzierung möglich. Auf 12,5 Millionen Euro Jahresumsatz entfallen 9,5 Millionen Euro auf Mittel von Bund, Land und Kreis und 3,5 Millionen Euro auf den Verkauf von Fahrscheinentgelten. „Wir müssen diese Mittel in effiziente Strukturen investieren, in ein optimales Busnetz“, meint Lösel. Als optimal sehen die Planer ab 2016 zirka 12 000 Fahrgäste an. „Wir brauchen diese Vervierfachung“, sagt Stefan Lösel. Der Bus müsse zur echten Alternative zum Pkw werden und die heute als „Flatrate“ bezeichnete Monatskarte der Schlüssel zum Erfolg sein. Die Preise für Tagesfahrscheine und Wochenkarten könnten bei 3,50 bis 15 Euro liegen.

Ein Ticketangebot, das in abseits gelegenen Dörfern wie Badow, Kneese oder Klein Rünz den gleichen Service bietet. „Das kann abseits der Hauptverkehrsadern mit Schul-, Kleinbussen bis hin zu Taxen gelingen“, sagt Lösel, der die Taxibetriebe als Partner in einem zwischen 5.30 und 22 Uhr rollenden Nahverkehr sieht. „Wie so etwas funktionieren kann, wollen wir uns am 21. Januar in Salzwedel anschauen. Dort wird solch ein Projekt über einen längeren Zeitraum bewerkstelligt“, sagt Lösel. Bis zum Kreistag im Mai verbleiben den Planern im Nordwesten dann noch vier Monate für die Feinjustage. Spätestens Ende Juni muss das Programm stehen, beginnt das Vergabeverfahren für den Nahverkehr.

Auch auf politischer Ebene stehen die Zeichen auf Veränderung. Heiner Wilms (SPD), Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft und Verkehr: „Mit diesem Konzept erhält der Landkreis endlich einen Öffentlichen Personennahverkehr, der diesen Namen auch verdient.“ Bislang verfüge der Nordwestkreis lediglich über einen Schülerverkehr, aber nicht über ein optimales Busnetz. Er sei davon überzeugt, dass mit einem attraktiven Angebot mehr Menschen auf den Bus umsteigen. Kreistagsmitglied Manfred Dutz (CDU/Bürgermeister von Brüsewitz) sieht gute Chancen für solch ein Angebot: „Details müssen noch besprochen werden. Aber fünf Haupt- und zahlreiche Nebenlinien verbessern das Angebot für die Bürger, die den Nahverkehr nutzen wollen, aber dies bislang nicht immer können.“


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