Eine Brücke, viele Erinnerungen

Mit musikalischer Begleitung gingen gestern wieder viele Menschen über die Brücke des Grenzgrabens.Ines Engelbrecht (5)
Mit musikalischer Begleitung gingen gestern wieder viele Menschen über die Brücke des Grenzgrabens.Ines Engelbrecht (5)

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03. Oktober 2011, 06:18 Uhr

Rosenhagen | Das 22. Brückenfest zum Tag der Deutschen Einheit lockte gestern zahlreiche Einheimische und Gäste nach Rosenhagen. Hier bauten die Freiwilligen Feuerwehren aus Kittlitz und Kneese 1990 eine Holzbrücke über den Grenzgraben, die die Menschen beider deutschen Staaten damals vereinigte. Zu Fuß, aber auch mit dem Fahrzeug konnte man über diese Pionierbrücke fahren, erinnerte sich Bürgermeister Hans-Jürgen Hoffmann aus Kneese. Gemeinsam mit seiner Amtskollegin Barbara Eggert aus Kittlitz eröffnete er das Fest.

"Die Bürger waren alle dafür, dass die Brücke ständig genutzt wurde und nicht nur an den Wochenenden, wie es damals zuerst seitens der Noch-DDR hieß. Die Landwirte waren sehr engagiert und halfen, die Menschen versammelten sich und man spürte die Freude, die sich ausbreitete", so die Bürgermeisterin. Sie findet es schon als etwas Besonderes, dass dieses Fest jährlich begangen wird - und das seit 22 Jahren. In ihrer Festrede erinnerte sie daran, dass die Menschen zukünftig auf das Verhalten Acht geben sollten, dass eine Teilung nie wieder passiert und es an ihre Kinder weitergeben sollten. Sie gedachte auch der Menschen, die damals durch das DDR-Regime Leid erfahren hatten und dankte denen, die die sprichwörtlich Brücken geschlagen haben. An Kamerad Bernd Wannags übergab sie eine Fahne mit dem Wappen von Kittlitz, einer Blume auf grünem Grund und den Farben weiß und rot. Kittlitz ist slawischen Ursprungs und bedeutet Blume, erklärte der Blaurock, der zum nächsten Brückenfest die Fahne an einem Fahnenmast über den Festplatz wehen lassen will.

Auch Kneeses Bürgermeister und stellvertretender Wehrführer, Hans-Jürgen Hoffmann, las ein Beispiel einer Familie aus dem Grenzgebiet Sülsdorf vor, die im Grenzgebiet zwangsenteignet wurde und 1961 in der "Aktion Kornblume" auf die Insel Rügen umgesiedelt wurde. Gemeinsam wurden dann das Mecklenburglied und das Schleswig-Holsteinlied gesungen. Dazu spielte die Musikkapelle der Freiwilligen Feuerwehr aus Tramm auf. Unter der musikalischen Leitung von Horst Plünnecke, der seit elf Jahren die 22 Musiker dirigiert, wurden Weisen wie die "Jablonzer Perlen" oder "Ohne Liebe geht es nicht" gespielt. Seit Beginn des Brückenfestes spielt die Kapelle auf. Gerne hören Anne und Gustav Hohl Musiken der Feuerwehrkapellen. Das war ein Grund, weswegen die Berkentiner gekommen waren. Sie besuchen in Kittlitz oft das Bauerncafe und wollten jetzt auch einfach dabei sein.

"Ich war damals beim Bau der Brücke begeistert dabei. Das war eine einmalige Begebenheit. Bürger beider Gemeinden hatten geholfen", erinnerte sich Gerhard Müller. Der 80-Jährige lebt seit 1954 im Ort und erinnerte sich noch gut an die Zeit mit der Grenze, ihrem Wachturm und dem Zaun. Er findet es schön, dass es heute so ist, wie es ist und die Menschen zueinander gefunden haben.

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