Entdecker aus Wismar : Eine andere Welt kennen lernen

Imposant: Das Darmaskustor.
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Imposant: Das Darmaskustor.

Junger Wismarer ist für eine Freiwilligenjahr in Israel/ Dort arbeitet er mit behinderten Menschen/ Heimweh kam erst zur Weihnachtszeit

svz.de von
23. Dezember 2013, 00:00 Uhr

Der 19-jährige Mathis Ruge aus Wismar lebt und arbeitet ein Jahr lang in Israel mit behinderten Menschen. Heimweh kam erst mit der Weihnachtszeit. Das Schwärmen des Bruders nach zwei Monaten im Freiwilligendienst in Israel gab für Mathis Ruge die Entscheidung – er bewarb sich für ein ganzes Jahr und ist seit Ende August in Kfar Tikva – Israel. Mit einem einzigen hebräischen Wort als Ausgangsbasis. „Shalom“ - Frieden. Ein wichtiges Wort in dieser Region. Mittlerweile hat Mathias Hebräischunterricht.

Der Wismarer erzählt: „Die Arbeit im Kfar, also in Kfar Tikva, ist einfach oberste Sahne. Genau diese Arbeit war der Grund, mich gerade für Kfar Tikva zu bewerben. Man steht dauerhaft im Kontakt mit den sogenannten Membern. Das sind die Bewohner des Kfar’s, welche unterschiedlichste geistige oder seelische Behinderungen haben.“ „Chaverim“ nennen die Israelis diese Menschen. „Freund“.

„Ich beginne meinen Tag mit dem Morningjob. Hier muss ich bestimmte Member auf den Tag vor¬bereiten, das heißt zum Beispiel „Duuuschn, baasiern!“ (Zitat eines Members) und danach in die soge¬nannte Chadar Ochel, dem Speise¬saal, oder zu seinem Arbeitsplatz bringen“, berichtet Mathis vom Alltag.

Es gibt verschiedenste Arbeitsplätze, wie beispielsweise die Holz¬werkstatt, den Garten, die Kerzen¬werkstatt oder die Pinat Chai, den kleinen Tierpark. „Meine Aufgabe ist es die Member zu koordinieren und mit ihnen zusammen zu arbeiten. Das ist das Grundprinzip Kfar Tikva’s. Du bist nicht hier, um et¬was physisch zu leisten. Du sollst das Leben der Member versuchen so normal wie möglich zu gestal¬ten.“ Fasziniert erzählt Mathis von einem Land, das weiter als nur durch 6000 Kilometer von Deutschland entfernt ist. Er erzählt von einer ganz anderen Mentalität. „Man sagt, dass die Deutschen sehr kalt sind, was man, wenn man hier lebt, absolut bestätigen kann. Die Leute hier sind warmherzig, immer hilfsbereit und haben ein ganz anderes Grundvertrauen dir gegenüber.“ Als Beispiel erzählt er, wie ihn Wildfremde in ihr Haus eingeladen haben, ihm die Hausschlüssel gegeben haben. In Deutschland unvorstellbar. „Gastfreundschaft und Vertrauen werden hier großgeschrieben.“

Andererseits die politische Situation in Israel und Palästina. „Natürlich hat man seine Bedenken, wenn man in ein Land geht, welches selbst von außen immer sehr instabil dargestellt wird. Hinzu kommt auch noch, dass Länder wie Syrien oder Ägypten in direkter Nähe sind.“ Vor Ort ist von der ange¬spannten Lage nicht viel zu merken. „Weil das hier der absolute Alltag für die Bürger ist. Niemand spricht darüber, nur wenn man mal in die Nachrichten im Internet schaut, kann man erahnen, dass die Situation manchmal doch ziemlich brenzlich ist. Ein Schild direkt am Übergang von Israel nach Palästina hat mich trotzdem geschockt: „Der Umgang mit Palästinensern ist nach dem israelischen Gesetzt verboten! Zudem kann es Ihr Leben gefährden.“

Mathis hat beide Seiten kennen gelernt. „Wir haben eine Gruppe mit Membern aus Palästina getroffen. Niemand von ihnen konnte hebrä¬isch, geschweige denn englisch. Und trotzdem versuchte jeder mit jedem zu kommunizieren. Kein Problem mit Händen und Füßen. Besonders interessant war die Begegnung an sich: Palästinenser und Israelis zusammen ohne Konflikte.“

Ob er Heimweh hat? Das kam mit dem Weihnachtspaket aus Wismar. „Ich vermisse ein wenig die Zeit mit der Familie zu Weihnachten, aber auch meine Freunde vermisse ich sehr. Dafür habe ich hier aber mindestens eine genauso tolle Zeit, gespickt mit vielen Erfahrungen, die im späteren Leben von Vorteil sein können.“

Mathis will, wenn er wieder in Deutschland ist, soziale Arbeit studieren, das soziale Jahr bringt ihm einerseits die Hochschulreife ohne Abitur, andererseits auch das Wissen, das dies die richtige Richtung für ihn ist.

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