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Krimi-Dinner in Rehna : Ein Vier-Gänge-Menü mit einer Prise Arsen

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Ein Krimi-Dinner mit einem großen Schuss Humor und einer Prise Arsen versüßte 120 Gästen den Samstagabend im Rehnaer Hotel Stadt Hamburg. Alle hatten einen Mordsspaß.

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erstellt am 29.Apr.2013 | 09:54 Uhr

Rehna | Man nehme ein eingespieltes Theater-Ensemble, ein schmackhaftes Essen und dazu ein gut gelauntes Publikum. Das Ganze gewürzt mit einer großen Portion Humor - und schon ist das Krimi-Dinner im Rehnaer Hotel Stadt Hamburg angerichtet. Dass dabei der unausstehliche Theaterkritiker Karl-Maria von Kratzek den Hauptgang nicht mehr erleben sollte, verdarb niemandem den Appetit.

"Ich erlaube mir zu erlauben, dass ich mir das erlauben darf" - Butler Johann hat Stil, Etikette und trifft immer den richtigen Ton. Butler Johann versteht was von seinem Fach. Jeder einzelne Gast wird an diesem Abend von ihm begrüßt. Johann hat viel zu tun, denn die Krimi-Komödie "Das Comeback der Snyders" wollen 120 Gäste im Hotel Stadt Hamburg miterleben. Ausverkauft. Das freut auch Peggy Snyder. Sie will zurück auf die Bühne - nach zehn Jahren. Sie war ganz oben, sie war ganz unten. So weit unten, dass sie schon fragte, ob über ihr bald die Kellerwohnung frei wird. Jetzt ist sie wieder da. Und wie sie wieder da ist. Hautenges Kleid, Stola. Eine Frau von Welt. Eine Frau, nach der sich die Männer umdrehen. Eine Frau, die die Herren um ihre schwarz behandschuhten Finger wickelt. Peggy Snyder ist aufgeregt, natürlich. Aber da gibt es ja noch ihren Freund, den Alkohol. Und ihren Mann. "Deed, noch einen Schluck Champagner", befiehlt sie ihm. Deed, der rassige Argentinier, gehorcht. Auch wenn sein Temperament das nur schwer zulässt: letztlich gehorcht er immer. Die Snyders mischen sich unter die Gäste, erzählen, plaudern und sie unterhalten die Besucher. Peggy kann hervorragend unterhalten. Es wird gelacht, viel gelacht. Die Stimmung ist gut, und dabei ist die Vorspeise noch gar nicht serviert.

Uschi Blondmeyer versucht sich im Servieren. Maximal ein Glas kann sie auf dem Tablett unfallfrei balancieren. Uschi kann nicht viel. Sieger sehen anders aus. "Das Arbeitsamt sagt, sie sei schwer vermittelbar", erklärt Butler Johann dem Publikum. Uschi fängt an zu weinen. Sie weint oft, denn das Leben und die Mitmenschen meinen es nicht gut mit ihr. Aber Peggy, die ist wieder obenauf, singt sich in die Herzen der Gäste. Deed auch. Dann gibt es Rostbeefsalat im Brotkörbchen.

Die Schauspielprofis gönnen sich keine Pause und ziehen humorig von Tisch zu Tisch. Unterhaltung ist ihr Job, ein anstrengender Job. Bis zu 70 Mal pro Jahr gehen Butler Johann alias Ensemble-Leiter Dieter Warszawa und seine sechs Mitspieler vom Hamburger Theater Iks auf die dreistündige Mörderjagd. Apropos Mord. Den gibt es an diesem Abend auch - zwischen Suppe und Hauptgang.

Da ist er, der arrogante, selbstverliebte Theaterkritiker Karl-Maria von Kratzek. Den Butler schimpft er einen Pinguin, Peggys Musik, sagt er, könne er kaum ertragen. Aber Peggy, nach drei Flaschen Schampus reichlich derangiert, kämpft mit den Waffen einer Frau. Kritiker von Kratzek gefällt’s. Den Gästen auch. Doch dann fällt Kratzek um. Aus, vorbei. Tot.

"Alle bleiben auf ihren Plätzen, das Hotel ist von Scharfschützen umstellt". Inspektor Craddock und Hilfspolizist Miller sind zur Stelle. Miss Marple auch, und ihrem kriminalistischen Spürsinn ist es zu verdanken, dass eine Prise Arsen schnell als das Gift ausgemacht wird, dass Kratzeks Leben beendete. Darauf den Hauptgang. Es gibt Schweinefilet "a la moziwis" - und Verhöre der Ermittler obendrauf.

Cornelia Muuß, Chefin des Hotels Stadt Hamburg, hat alle Hände voll zu tun. Das Krimi-Dinner, das steht für sie fest, kommt an. "Den Gästen scheint es zu gefallen", sagt sie. Das Experiment, solch eine Veranstaltung in Rehna zu organisieren, habe funktioniert. "Wir hätten noch mehr Karten verkaufen können", sagt sie. Derweil kann sich Peggy kaum noch auf den Füßen halten. Doch bis der Mango-Vanille-Traum aufgetischt wird, reicht es noch für zwei Lieder.

Finale. Wer war es denn nun? Der Butler? Nein. Deed? Auch nicht. Peggy! Weit gefehlt. Aber sie sollte das eigentliche Opfer sein. Nur aus Versehen hat es den Kritiker erwischt. Die unscheinbare Uschi Blondmeyer war’s, die ihre Konkurrentin ausstechen wollte, um ihren Geliebten Deed endlich ganz alleine für sich haben zu können. Fall gelöst. Und Butler Johann erlaubt sich zu erlauben, dass er sich erlauben darf, auch noch ein Lied zu singen. Es gibt viel Applaus. Hotel-Chefin Muuß hat recht behalten: Den Gästen hat dieser Abend prima geschmeckt.

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