Lisa Kuß : Ein Urgestein im Wismarer Theater

Nach 62 Jahren ist Lisa Kuß (links) noch immer auf der Bühne.
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Nach 62 Jahren ist Lisa Kuß (links) noch immer auf der Bühne.

Lisa Kuß ist das Herz der Niederdeutschen Bühne und sorgt seit 62 Jahren für gefüllte Zuschauerränge

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09. Mai 2018, 12:00 Uhr

Lisa Kuß lockt seit mehr als 60 Jahren die Besucher ins Theater der Hansestadt Wismar. Wie kaum eine andere ist sie mit viel Elan das Gesicht und auch das Herz der Niederdeutschen Bühne. Dabei feierte sie gerade erst ihren 80. Geburtstag und bereits vor zwei Jahren ihr 60-jähriges Bühnenjubiläum.

Am 27. März 1956 stand sie erstmals auf der Bühne. „Ich wollte immer Schauspielerin werden, aber die Eltern haben natürlich gesagt, ich soll erst einmal was anständiges lernen“, erzählt sie. Auf der Werft lernte sie erst Schlosser, wechselte dann in den kaufmännischen Bereich. Die niederdeutsche Bühne hatte damals schon einen großen Status, also fragte sie an, ob sie mitmachen dürfe. Platt konnte sie natürlich. „Meine Großeltern haben nur platt mit uns geredet.“

Auf die Bühne durfte sie allerdings nicht gleich, sondern musste erst im „Kasten“ als Souffleuse ihre Sprachkenntnisse beweisen. „Da kam der Bühnenleiter aus Güstrow und meinte, so wat sett ji in'n Kasten? De möt doch op de bühn rup!“ Also wechselte Lisa Kuß – damals noch unverheiratete Draehmpaehl - vom Souffleusenkasten auf de Bühne. „Dat Horoskop“ war ihr erstes Stück.

Gefragt, was die intensivsten Erlebnisse in diesen 60 Jahren auf den Wismarer Theaterbühnen und darüber hinaus waren, macht Lisa Kuß große Augen. „Jede Vorstellung ist ein neues Erlebnis, jedes Publikum anders“, lacht sie. Und plaudert mit dem ersten von vielen Fotoalben in der Hand von den Anfängen. Lisa Kuß erzählt von der Aufregung vor den ersten Bühnenküssen für sie als junges Mädchen. Vom „Hamburger Beer“ - so hieß ein Stück – in der „Sonne“. „Jahrzehnte haben wir dort gespielt, das war das Haus der Plattdeutschen!“ Alleine das Stück „Keen Utkamen mit'n Inkamen“ wurde 53 mal aufgeführt. „50 war Satz, so oft haben wir damals jedes Stück gespielt!“, erinnert sie sich. Namen wie August Schönberg als Mitbegründer der Bühne und Käthe Schröder fallen. „Die kennen die alten Wismarer noch.“

1959 stand sie mit den „Fuul Eier“ erstmals mit ihrem Mann Willi auf der Bühne. „Da ich nicht von der Bühne runter zu kriegen war, ist er mit rauf gekommen“ lacht Lisa Kuß. Sie spielte immer weiter, hochschwanger im achten Monat musste das Kostüm entsprechend umgenäht werden, später waren die Kinder einfach mit dabei. „Die haben irgendwann gefragt, wie sprecht ihr da? Dann haben sie auch angefangen“, erzählt Lisa Kuß weiter. Die damals 14jährige Tochter Antje war Auslöser für die Gründung der Kindertheatergruppe – die erste plattdeutsche im ganzen Land. „Die gibt es immer noch und sorgt dafür, dass wir nie Nachwuchssorgen hatten“, dankt Lisa Kuß.

Eine besondere Vorstellung gab es am 9. November 1989 mit „De boors an de Angel“. Eigentlich ausverkauft, spielten die Maaten vor einem fast leerem Saal. Von der Grenzöffnung erfuhren sie erst später von einem Lübecker Reporter, der so mit im Publikum saß und Probleme hatte, wieder nach Hause zu kommen. Ihr Lieblingsstück war das Märchen „De Fischer un sien Fru“ 1961. Laut Zeitung bekam die junge Lisa das „Keifen“ der Fischersfrau so wunderbar hin. „Das kann ich“, lacht Lisa Kuß. Auch im wiederaufgenommenen Stück darf sie sich von der garstigen Seite zeigen als Schwiegermutter Wilhelmine. „Minsch Alfred, woans hest du dat schafft, di so een Swiegermud¬der an Land to trecken?“ Das müssen die Zuschauer selbst heraus finden.

Ans Aufhören denkt sie nicht mehr. „Ich hab immer gesagt, mit 60 höre ich auf. Dann mit 65, dann wurde ich 75, ohne dass ich es gemerkt habe. Ich kann nicht aufhören. Wenn ich aufhören würde und nur noch zu Hause sitze wie manch ein anderer, dann wäre es vorbei!“

Im aktuellen Stück der Niederdeutschen Bühne spielt sie die Hauptrolle. Und schüttelt mit dem Kopf: Texte auswendig zu lernen ist nicht mehr so einfach wie vor 30, 40 Jahren. Aber: Texthänger spielt sie charmant weg. Und eigentlich geht es ihr genau wie der Oma im aktuellen Stück „Oma swemmt …. sick frie“ - das Schauspiel befreit und hält fit! Am 2. September wird das Stück in Bad Doberan aufgeführt, am 14. Oktober in Bad Kleinen und am 20. Oktober im Wismarer Theater. Volle Zuschauerränge sind da wie immer garantiert.

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