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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

20. November 2017 | 09:07 Uhr

Ein übler "Scherz" mit Folgen

vom

svz.de von
erstellt am 19.Mär.2012 | 06:44 Uhr

Gadebusch | Schmierereien an einer Tapete im Musikraum und an Hauswänden in unmittelbarer Umgebung des Gadebuscher Gymnasiums mit dem Schriftzug "Letzte Warnung 12. 3. 2012 - boom" sorgen an der Schule für Aufregung. Kritzeleien, die sich glücklicherweise als schlechter, unüberlegter Scherz eines Jugendlichen herausstellten: Eines Schülers der 8. Klasse, der letztlich auf das Angebot strafmildernden Ausgangs reagierte und sich selbst der Schulleitung stellte. Außerschulisch auf Facebook geführte Diskussionen zum Thema führten zur Suspendierung einer Schülerin.

Ein Blick zurück: Es beginnt am 1. Februar, als an einer Wand im Unterrichtsraum des Gymnasiums Gadebusch mehr gefunden wurde als eine harmlose Schmiererei. Nicht wenige sehen darin die Ankündigung einer Straftat, genau einen Tag nachdem sich das Attentat von Winnenden zum dritten Mal jährt. Damals, am 11. März 2009, war ein 17-Jähriger Amok gelaufen, hatte 15 Menschen erschossen und weitere schwer verletzt. Ein Vorfall, der auch Schüler in Gadebusch heute noch bewegt. Folglich sorgen die Gadebuscher Schmierereien für Spekulationen.

Die Polizei wird eingeschaltet und die Ermittlungen beginnen. Es wird das besagte Stück der Wand entfernt und mit schulinternen Handschriftenproben aller Schüler verglichen. Die Neuigkeit verbreitet sich in der Schülerschaft, doch wie so oft ist nicht klar, wo die Informationen aufhören und die Gerüchte beginnen. Ende Februar tauchen weitere Schmierereien mit gleichem Inhalt an einer Hauswand außerhalb des Schulgeländes auf.

Jetzt reagiert die Schule: Ein offizieller Elternbrief wird am 1. März verteilt, in dem von der "Ankündigung einer Straftat" die Rede ist. Die Eltern werden aufgefordert: "Bitte zeigen Sie Besonnenheit und Vertrauen, in dem Sie ihr Kind zur Schule schicken". Als besondere Vorsichtsmaßnahme werden Präventionsveranstaltungen angesetzt, welche Eltern, Lehrern und Schülern die Konsequenzen einer solchen Straftat aufzeigen sollen.

Dies mit Erfolg. Am 6. März meldet sich ein Junge aus der Schülerschaft und bekennt sich zur Nachricht, die nur aus einer Laune heraus entstanden sein soll. Bereits einen Tag später werden die Eltern in einem weiteren Brief der Schule entwarnt. Die Situation entspannt sich zunächst - bis zum Abend des 11. März.

Eine Schülerin schreibt einen Tag vor dem besagten Montag auf der Internetplattform Facebook, dass es weitere Schmierereien gegeben haben soll. Diese wurden bereits Ende Februar entdeckt und beseitigt. Nach Angaben von Mitschülern wollte die Jugendliche darüber informieren. Erneut macht sich Unruhe in der Schülerschaft breit und heizt die Gerüchteküche im Internet ordentlich an.

"Wir mussten darauf reagieren, denn am 11. März gab es keine neuen Schmierereien. Folglich haben wir die Schülerin für mehrere Tage vom Unterricht suspendiert", sagt Schulleiter Ingolf Litzner. Mittlerweile nehme die Schülerin wieder am Unterricht teil. Während der Schüler, der mit seinen Schmierereien den Stein ins Rollen brachte, weiterhin am Unterricht teilnehmen darf, haben einige Schüler nun Angst, mit ähnlichen Konsequenzen rechnen zu müssen, wenn sie sich in sozialen Netzwerken über dieses Thema austauschen.

Kritik, den Vorfall durch fehlende Transparenz zu kaschieren, weist Litzner entschieden zurück: "Dass mehr als 300 von 420 Jugendlichen am 12. März die Schule besuchten, verdeutlicht, dass unsere besonnene Vorgehensweise erfolgreich war", sagt Ingolf Litzner. Es sei das Ergebnis einer guten Kooperation zwischen Schule, Polizei und Eltern und deren Kindern gewesen. Bestandteil waren zwei Elternbriefe und eine am 5. März gut besuchte Elternveranstaltung am Gymnasium. "Dass nicht alle Schüler ihre Ängste ablegen konnten, ist natürlich. Sämtliche Schüler und Eltern hatten die Möglichkeit, im persönlichen Gespräch die Problematik anzusprechen. Meine Tür stand zu jeder Zeit offen", so Litzner. Letztlich sei er froh, wie vertrauensvoll die Eltern und Schüler mit der Situation und den Informationen umgegangen sind.

Jana Sprank, Sprecherin des Polizeipräsidiums Rostock, bestätigte gegenüber der SVZ die Vorfälle. Dabei machte sie deutlich, dass die "Farbschmierereien nichts mit einer Bombendrohung zu tun haben". Fakt sei, dass sich diese auf dem Parkplatz und an einem Gebäude in der Nachbarschaft zur Schule befanden."Wir haben anschließend verdeckt ermittelt, um Panik zu vermeiden. Ein Teil dieser Taktik bestand darin, Trittbrettfahrern keine Chance zu geben". Im Zuge der Ermittlungen sei schnell klar geworden, "dass nicht von einer Ernsthaftigkeit auszugehen ist", so die Sprecherin der Polizei. Niemand sei allein gelassen worden, die Beamten der Polizei seien stets vor Ort gewesen.

Der Vorfall wird das Gadebuscher Gymnasium weiter beschäftigen. Dabei wird es um den Umgang mit dem Verursacher gehen. Litzner steht zu seiner Aussage, den Jugendlichen nicht von der Schule zu nehmen, da er sich vor dem besagten Tag selbst angezeigt hat. Trotz seiner Selbstanzeige werde sich der junge Mann "vor Gericht verantworten müssen". Den verantwortungsvollen Umgang mit Informationen, Wahrheiten und Halbwahrheiten möchte Litzner nach den Vorfällen in seinem Haus nun stärker thematisieren: Cyber-Mobbing und Verleumdung sind für ihn dabei zwei wesentliche Punkte, damit Jugendliche auf Grundlage von Fakten und nicht Gerüchten ihr Urteil bilden mögen.

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