Sucht- und Drogenberatungsstelle in Gadebusch : Ein Teufel namens Alkohol

<strong>Karin Kluge</strong>, Leiterin der Sucht- und Drogenberatungsstelle in Gadebusch,  zeigt ein Bild, das ein Klient malte und nun in der Geschäftsstelle Gadebusch hängt.<foto>Hans Taken</foto>
Karin Kluge, Leiterin der Sucht- und Drogenberatungsstelle in Gadebusch, zeigt ein Bild, das ein Klient malte und nun in der Geschäftsstelle Gadebusch hängt.Hans Taken

Das Bild hat keinen Titel, doch es zeigt den Teufel namens Alkohol, der langsam Besitz von einem Menschen ergreift. Gemalt wurde das Bild von einem Mann, der weiß, wie der Alkohol immer mehr ein Leben verändern kann.

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15. Januar 2013, 09:37 Uhr

Gadebusch | Auf der linken Seite des Bildes grinst diabolisch ein Skelett, auf dessen Schädel ein Teufelshorn gewachsen ist. Auf der rechten Seite ist ein Mann zu sehen, dem eine skelettierte Hand eine Flasche Likör hinhält. Das Bild hat keinen Titel, doch es zeigt den Teufel namens Alkohol, der langsam Besitz von einem Menschen ergreift und ihn mehr und mehr zu vereinnahmen droht. Gemalt wurde das Bild von einem Mann, der weiß, wie der Alkohol immer mehr ein Leben verändern kann, den Geist beeinflusst und den Körper zu ruinieren droht. "Er war Klient bei uns und hat uns das Bild geschenkt", sagt Karin Kluge.

Karin Kluge sitzt in einem aufgeräumten Büro mit akkuratem Aktenschrank und Schreibtisch. Auf dem Besuchertisch stehen Blumen, die Tapete an den Wänden ist mit dezentem Farbmuster versehen. Im Büro der Leiterin der Sucht- und Drogenberatungsstelle Gadebusch sitzen oft Menschen, deren Leben nicht aufgeräumt ist, die sich nach einem strukturierten Tagesablauf sehnen, den sie schon lange nicht mehr kennen. Geregelte Arbeit, intaktes Familienleben, stabiler Bekanntenkreis. "Ich brauche Hilfe", sagen sie oft. "Ich will vom Alkohol weg", sagte der Mann, der seine Zerrissenheit auf eine Leinwand gepinselt hat.

2008 kommt er in die Suchtberatungsstelle. Er ist Frührentner, mitte 40, lebt getrennt von Frau und Kindern. Eineinhalb Kisten Bier und eine große Flasche Schnaps trinkt er pro Woche. Er weiß, dass er Alkoholiker ist. Er weiß, das er alleine nicht vom Alkohol loskommt. "Er ist am Boden zerstört", schreibt Karin Kluge auf ein Blatt Papier. Und sie merkt, dass es ihm ernst damit ist, sich zu verändern und trocken zu werden. Die Suchtberaterin knüpft die Kontakte. Erst eine Entgiftung, dann eine zwölfwöchige Therapie. Anschließend besucht der Mann eine Selbsthilfegruppe. Der Teufel ist nicht weg, aber der Wille, ihm zu widerstehen, der festigt sich.

"Alkohol, das ist nach wie vor das Suchtproblem Nummer ein", sagt Karin Kluge, rangiere mit Abstand vor Drogen-, Medikamenten- oder Spielsucht. "Und es trifft Menschen aus allen Gesellschaftsschichten", fügt die Expertin hinzu. 267 Klienten werden derzeit in Gadebusch und der Zweigstelle Schönberg betreut, darunter die 125 Neuzugänge des vergangenen Jahres. In Kürze soll zudem eine Sprechstunde in Grevesmühlen angeboten werden. Träger der Einrichtung ist die Evangelische Suchtkrankenhilfe Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Schwerin.

Jede Beratung ist kostenlos und unterliegt der Schweigepflicht. Doch den ersten Schritt zu machen, sich externe Hilfe zu holen, die fällt vielen schwer. "Suchtprobleme lösen sich nicht von allein. Abhängigkeiten zu verheimlichen, bedeutet weiter mit seinen Problemen allein zu sein", weiß die Suchtberaterin. Deshalb versucht das qualifizierte, vierköpfige Team von Sozialpädagogen und Sozialarbeitern in Zusammenarbeit mit Kliniken, niedergelassenen Ärzten, Fachärzten und Therapeuten, den abhängigkeitskranken Menschen eine umfassende Beratung und Betreuung zu ermöglichen. Dazu gehört auch, Hausbesuche in weiten Teilen des Landkreises Nordwestmecklenburg zu machen. Zum Angebot gehört außerdem eine Begegnungsstätte mit Möglichkeiten für sinnvolle Freizeitgestaltung in den Gadebuscher Räumen der Sucht- und Beratungsstelle in der Steinstraße.

Abschließen - dieses Wort benutzen die Suchtberater, wenn ein Klient ausgeschieden ist. "Manchmal treffe ich Leute, die mir erzählen, dass sie seit Jahren trocken sind", sagt Karin Kluge. Den Maler des Bildes hat sie auch mal wieder getroffen. Einmal, hat er ihr gesagt, sei er rückfällig geworden. Aber es gehe ihm wieder gut, hat er Karin Kluge versichert. Sie weiß: "Rückfälle kommen vor. Wichtig ist es, danach nicht wieder in das alte Muster zu verfallen."

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