Kneese : Ein Speicher voller Geschichten

Ulrich Horstkott und Kira Schwedt werden ab September mit Fachfirmen den denkmalgeschützten Speicher sichern und ausbauen.  Fotos: volker bohlmann
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Ulrich Horstkott und Kira Schwedt werden ab September mit Fachfirmen den denkmalgeschützten Speicher sichern und ausbauen. Fotos: volker bohlmann

Ulrich Horstkott und Kira Schwedt sichern historisches Bauwerk in Kneese. Floßbauwerkstadt und Heimstätte im Aufbau

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03. August 2016, 05:00 Uhr

Dem alten Speicher von Kneese wird wieder Leben eingehaucht. Ulrich Horstkott (47) und Kira Schwedt (38) wollen dem Backsteinbau von 1859 nicht allein ein neues Dach und neue Stützpfeiler verpassen. „Eine Nutzung ist uns wichtig. Möglicherweise als Unterkunft, Herberge für Fahrradreisende. All das scheint möglich“, erzählt das Paar.

Ulrich Horstkott dreht den Schlüssel im Schloss des Holztores und schaut auf das Gemäuer. Der Zahn der Zeit hat unübersehbar am Mauerwerk genagt. Dass das Herrichten des Hauses eine Lebensaufgabe darstellt, sei ihm bewusst. Angst vor derlei Aufgaben, „schwierigem Fahrwasser“, die hat er nicht. Wie auch, der gebürtige Kieler und seine Lebensgefährtin aus Hannover haben sich nacheinander seit 2006 auf den Bau von Flößen für Urlaubstouren spezialisiert. Diese sind erfolgreich auf einer Reihe von Gewässern im Land unterwegs. „Sie schwimmen in Molchow auf der Neuruppiner Seenkette, ab Fürstenberg auf der Havel oder in der Stadt Brandenburg“, erzählt Kira Schwedt. Flöße, die sie seit dem Kauf des denkmalgeschützten Hauses im Jahr 2013 auch in Kneese für ihre Marke „Floßverleih Treibgut“ und private Interessenten fertigten. Mittlerweile gehören 15 Wasserfahrzeuge zur Flotte. „Kein Job zum reich werden, aber zum Leben“, meint Kira Schwedt.

Selbstbestimmt durchs Leben gehen. Das haben sich der Sozialarbeiter und die studierte Dolmetscherin bereits am Studienort Köln auf die Fahne geschrieben. Im Winter zieht es sie in die kleine Wohnung in der Domstadt. Ansonsten leben sie ihren Traum mit „Treibgut“ und dem alten Speicher von Kneese. Der bietet keinen Luxus, aber das Grundsätzliche zum Leben.

„Ein paar Räume sind hergerichtet. Das reicht zum Wohnen und Arbeiten“, sagt Schwedt. Mit Unterstützung der Denkmalpflege des Landes Mecklenburg-Vorpommern geht es im September an die Substanz des Gebäudes. Schwedt: „Unterm Dach sind die Trägerbalken morsch, im Erdgeschoss wurden einst bei Umbauten wichtige Pfeiler herausgenommen damit die Fahrzeuge einfahren konnten. Folgeschäden wie ein abgesenktes Mauerwerk sind sichtbar.“ Rund 160 000 Euro wird das Projekt Sicherung verschlingen. Anschließend gehe es in Eigenleistung Schritt für Schritt weiter, erzählen Horstkott und Schwedt. Anders könne es nicht gehen. Aber so sei es nun einmal, wenn die Entscheidung steht. „Im Internet suchten wir nach geeigneten Immobilien. Dabei sind wir auf Kneese gestoßen. Unvernünftigerweise habe ich mich in den Speicher verliebt“, sagt Kira Schwedt und lacht.

Der Ort Kneese und die direkte Nachbarschaft zum Lebenshilfewerk und den Menschen im Ort biete Idylle – das besagte Fleckchen Erde zum Wohnen und Arbeiten.

All das ist aktuell nur saisonal möglich. So wird in der alten Traktorhalle der Kaffee bereitet, im Speicheranbau gewohnt und im Flachbau an den Flößen gearbeitet. „Die Leute aus dem Dorf sind interessiert, fragen und schauen“, erzählt die 38-Jährige. Nicht selten höre sie Geschichten über die Nutzung des Getreidespeichers und Tanzabende im zweiten Stock. Spuren aus der Zeit, die finden sich im Gebäude. In Teilen wolle man die technischen Hinterlassenschaften erhalten.  

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