Deutsche Einheit : Ein Schutzraum für die Erinnerung

Im „Schutzraum Erinnern“ können die Besucher ihre Gedanken aufschreiben und sie somit der Nachwelt erhalten. Fotos: Volker Bohlmann
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Im „Schutzraum Erinnern“ können die Besucher ihre Gedanken aufschreiben und sie somit der Nachwelt erhalten. Fotos: Volker Bohlmann

Kunstprojekt in Schlagsdorf mit Podiumsdiskussion im Grenzhus heute ab 19 Uhr.

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14. Juli 2015, 23:00 Uhr

„Früher waren wir das Ende der Welt, heute der Mittelpunkt“ - Gedanken wie diese, zieren den „Schutzraum Erinnern“ auf dem Parkplatz am Grenzhus in Schlagsdorf. Der Raum ist ein Kunstprojekt anlässlich 25 Jahre Deutsche Einheit und soll zeigen, was nach einem Vierteljahrhundert Wiedervereinigung bei den Menschen an Erinnerung geblieben, gelöscht oder dem Verfall preisgegeben wurde.

Ein erstes Ergebnis, ein Zwischengespräch, gibt es heute auf einer Podiumsdiskussion im Grenzhus. Der Leiter des Hauses, Andreas Wagner: „Ich persönlich wünsche mir eine Debatte darüber, was bringt uns das Erinnern in der Gegenwart.“ Ein Gespräch das aufzeigen möge wie nah sich die Menschen mit ihren unterschiedlichen Prägungen in der Zwischenzeit gekommen sind, betont Andreas Wagner. Kunstautorin Renate Schürmeyer wird einen Einblick in erste Erfahrungen mit dem auf vier Holz-Stelen ruhenden Schutzraum des Erinnerns geben.

Dieser wurde Mitte Juni der Öffentlichkeit übergeben. Ein Ort, der es ermöglicht, Gedanken anonym oder mit Namen aufzuschreiben oder über einen Briefkasten preiszugeben Gedanken, über das Leben im Grenzgebiet, dem Dienst bei den Grenztruppen. Eine Art Rückschau aus heutiger Sicht.

Eine Frau, die zurückblickt und dabei die Zukunft fest im Blick behält, ist Irmgard Sinner: „Ich habe die DDR mit all ihren tiefsten Tiefen kennengelernt“, sagt sie. Gemeinsam mit ihrem Mann betrieb sie in Rostock eine Goldschmiede. Der Zuspruch gefiel einigen staatlichen Stellen nicht. Ihr Mann kam für sechs Jahre, sie für drei Jahre ins Gefängnis. „1981 wurde ich entlassen. Wir beantragten die Ausreise, die 1986 stattfand.“ Die Zeitzeugin besucht Schlagsdorf. Ein Orte des Erinnerns, der bedeutungsvoll sei, meint auch Andreas Wagner und fügt hinzu: „Erzählen hat eine befreiende Funktion. Der Schutzraum ist ein Ort des Aussprechens.“

Den nutzen Ingrid Schatz und Christa Gieseler aus Lübeck. Sie lernten sich während einer Ausstellung in Schlutup kennen. Die Zitate an den Wänden, die Gedanken, sie die Menschen hinterlassen haben, berühren sie. Ihr Anliegen: „Kindern und Besuchern sagen, wie die Grenze war, welche negativen Auswirkungen sie auf die Menschen hatte.“

Ob und was junge Menschen an die innerdeutsche Grenze erinnert, zeigt eine Arbeit der Konfirmandengruppe „Ein Spaziergang durch Schlagsdorf - eine lokale Spurensuche zur DDR“. Ihre Arbeit wird heute um 18 Uhr im Grenzhus vorgestellt.  

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