Todesfahrer von Möllin : Ein Prozess voller Widersprüche

Der Angeklagte 22-jährige Mohammed Ahmed H. (m.) mit seinem Anwalt und der Schwedisch-Dolmetscherin.
Der Angeklagte 22-jährige Mohammed Ahmed H. (m.) mit seinem Anwalt und der Schwedisch-Dolmetscherin.

Mutmaßlicher Todesfahrer Mohammed Ahmed H. verstrickt sich in Ungereimtheiten

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13. März 2015, 07:45 Uhr

Der Prozess gegen Mohammed Ahmed H., den mutmaßlichen Todesfahrer von Möllin, kommt nur schleppend voran. Am dritten Verhandlungstag im Grevesmühlener Amtsgericht ging es um die Geschehnisse vor dem 2. September des vergangenen Jahres, als der 22-jährige Schwede mit türkischen Wurzeln am Abzweig Möllin mit überhöhter Geschwindigkeit auf einen VW Golf auffuhr und die 60-jährige Fahrerin ums Leben kam.

Denn nicht nur wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung muss sich Mohammed Ahmed H. vor Gericht verantworten. Ihm werden weitere Straftaten vorgeworfen: Fahren ohne Fahrerlaubnis, Gefährdung des Straßenverkehrs, Betrug und Missbrauch von Ausweispapieren und Kennzeichen sowie die Teilnahme am Straßenverkehr unter Drogeneinfluss. Damit noch nicht genug: Der derzeit in Untersuchungshaft sitzende Schwede soll an einem Tankdiebstahl an der Tankstelle Schönberger Land drei Tage vor dem Unfall bei Möllin verwickelt gewesen sein – nach seiner eigenen Aussage.

Die damals kontrollierenden Beamten hielten in den dazugehörigen Akten sechs Verdächtige fest– alle Freunde von Mohammed Ahmed H. Vom 22-Jährigen selbst ist hingegen nichts zu lesen, obwohl er, nach eigener Aussage, mit seinen sechs Freunden in zwei Autos auf einem Parkplatz kontrolliert worden sei. Auf Nachfrage des Richters Dr. Hinrich Dimpker, wer in welchem Auto gesessen hätte, machte der Angeklagte erneut widersprüchliche Aussagen entgegen der von den Polizeibeamten notierten Feststellungen.

Weiterhin behauptete der mutmaßliche Täter gestern, ihm wäre auf der Polizeistation Wismar Blut abgenommen worden. Die Erlaubnis dafür habe er schriftlich erteilt. Das Problem: Erstens war die Genehmigung zur Blutabnahme nicht auf Mohammed Ahmed H. ausgestellt, sondern auf den Namen einer seiner Freunde und zweitens war die darunter gezeichnete Unterschrift nicht als irgendein Name erkennbar, sondern lediglich „vier Striche“, wie der Anwalt des Angeklagten feststellte.

Richter Dimpker blieb hartnäckig: „Haben Sie diese Genehmigung unterschieben?“, fragte er Ahmed H. über seine Dolmetscherin. Völlig überraschend negierte der Angeklagte plötzlich. Doch ein Vergleich zu einer Unterschrift des Angeklagten zeigte: Die Unterschriften sind identisch. „Also jetzt bin ich ein wenig sprachlos“, resümierte der Richter all die Widersprüchlichkeiten, die sich während des dritten Verhandlungstages ergaben.

Ebenso verwundert zeigte sich Dimpker, als eine als Zeugin geladene Polizistin nicht zur Befragung erschien. Eine kurze Recherche fand die Ursache in einer Kommunikationspanne. Daher soll die Zeugin am nächsten Verhandlungstag, dem 24. März, erneut geladen werden, in der Hoffnung, weitere offene Fragen und Ungereimtheiten aus dem Weg räumen zu können. Noch in diesem Monat könnte das Urteil fallen – zumindest in Deutschland. Denn auch in seiner Heimat Schweden droht Mohammed Ahmed H. ein Prozess wegen fahrlässiger Tötung. Vor rund einem Jahr sei der Angeklagte auch dort an einem Unfall beteiligt gewesen, bei dem ein 19-Jähriger starb.

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