Rehna : Ein Pastor lauscht seinen Bienen

Imkern mit allen Sinnen: Um zu hören, wie es den Tieren geht, horcht Pastor Andreas Ortlieb regelmäßig an den Nistkästen seiner Honigbienen.
Imkern mit allen Sinnen: Um zu hören, wie es den Tieren geht, horcht Pastor Andreas Ortlieb regelmäßig an den Nistkästen seiner Honigbienen.

Ob ein Volk gesund ist, kann Andreas Ortlieb hören. Viele Widrigkeiten beeinflussen die Überlebenschance der Insekten.

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22. März 2018, 12:00 Uhr

Mit einem blauen Auge sind die Bienenvölker von Andreas Ortlieb über den vergangenen Winter gekommen. „Ich kann sagen, dass ich die Bienen ganz gut durch die kalte Jahreszeit gebracht habe“, sagt der Pastor der verbundenen Kirchgemeinde Rehna, Groß Grambow und Meetzen. Von seinen 15 Völkern, die er für den Winter vorbereitete, haben zwölf überlebt. Die anderen drei sind bei Unfällen verendet. „Bei einem zum Beispiel stießen Rehe gegen den Kasten, der Deckel öffnete sich und die Bienen sind erfroren“, berichtet der 53-Jährige Pastor.

Angesichts der großen Schwierigkeiten, die Imker aber mit der Varroamilbe haben, ein gutes Ergebnis. Diese Milbenart schwächt die Bienenbrut und überträgt zudem Viren auf die Tiere. Befallene Völker werden häufig vollständig vernichtet. „Um dem vorzubeugen, entnehme ich im Sommer die Brut aus den Bienenkästen. Diese Methode ist extrem, aber wirksam“, erklärt der Pastor. Denn die Milben leben bevorzugt parasitär auf der Bienenbrut, nur wenige auf den schon erwachsenen Arbeiterinnen. Die Vorbereitung auf den Winter geht für den Pastor schon im Sommer los. „Eigentlich geht sie das ganze Jahr“, berichtet Andreas Ortlieb.

Doch auch gute Vorbereitung ist keine Garantie. „Um ein Volk zittere ich aber dennoch. Im Winter wurde direkt neben dem Kasten Holz gesägt. Der Lärm stresst die Bienen, darum ist das Volk ganz schön belastet“, sagt Andreas Ortlieb. Regelmäßig horcht der Pastor den Bienenkasten ab. „Man kann hören, ob ein Volk gesund ist oder nicht. Das Imkern spricht viele verschiedene Sinne an.“ Jeder Imker habe hierbei eine eigene Methode, wie er mit seinen Bienen umgehe, berichtet der Pastor.

Andreas Ortliebs Methode ist der Naturwabenbau. „Anstatt die Wachsmuster in die Bienenkästen zu hängen, lass ich die Tiere ihre ganz eigenen Wabenstrukturen entwickeln.“ Das habe zwar den Nachteil, dass weniger Honig produziert wird, weil die Bienen mehr Wachs verarbeiten müssen, sei aber artgerechter. „Außerdem bekomme ich trotzdem meine 1000 Glas Honig heraus“, so der Pastor. Die bietet er für den Verkauf an – vor Weihnachten sind die 1000 Glas dann meistens schon weg, verrät der Pastor. Dafür erntet er pro Volk etwa 50 Kilogramm Honig. „Einer der zeitlich intensivsten Arbeitsgänge ist das Weichrühren von dem Honig danach. Dadurch wird er erst cremig“, erzählt der Rehnaer.

Jetzt hofft Andreas Ortlieb auf besseres Wetter. „Ideal für die Bienen ist Windstille, Sonne und Temperaturen über zehn Grad.“ Einen Sommer ohne Bienen könne er sich nicht vorstellen. „Wenn es dann losgeht und die Bienen fliegen können, wohin sie wollen, das hat für mich etwas mit Freiheit zu tun“, erklärt der Pastor abschließend.

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